NEO: Was von den Chinesen in den nächsten Monaten zu erwarten ist

NEO: Was von den Chinesen in den nächsten Monaten zu erwarten ist

Das Jahr ist gerade mal zwei Monate alt, doch die Kryptowährung NEO hat schon einiges an Aufs und Abs erleben können. Das wahre Potential der Plattform wird durch den Kursverlauf des Coins nur unzureichend wiedergegeben. Schauen wir uns doch mal genauer an, in welche Richtung sich das NEO-Projekt in diesem Jahr entwickeln könnte.



Vor knapp einem Monat haben wir mögliche Alternativen zu Ethereum in Sachen Initial Coin Offerings dargestellt. Bietet Ethereum im Moment die dominante Plattform für den Launch von ICOs, drängen sich zu Beginn von 2018 bereits einige andere Blockchains auf, die ebenfalls die notwendige technologische Infrastruktur mitbringen. Unter ihnen ist NEO die wohl vielversprechendste Plattform wenn es darum geht, Ethereum die Vormachtstellung streitig zu machen.

NEOs Coin sah sich in den vergangenen beiden Monaten einigen Schwankungen ausgesetzt. Innerhalb von nicht einmal 3 Wochen bewegte sich der NEO-Kurs dabei in einem Spannungsfeld zwischen 196 US-Dollar und 66 US-Dollar. Damit repräsentiert selbst die Schwankung etwa zwei Drittel des Kurshöchstwerts dieses Zeitraums. Wie so gut wie alle Kryptowährungen wurde auch NEO von den Verwerfungen in Ostasien Mitte Januar und dem allgemeinen Kurssturz Anfang Februar schwer getroffen – beide Dellen sind in dem Chart des Kursverlauf deutlich zu erkennen- sollten jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der chinesische Coin sich 2018 generell weiter im Aufwind befindet.

Wie akkurat ist der Vergleich mit Ethereum wirklich?

Wollen wir also genauer in die Materie gehen und schauen, was uns in diesem Jahr tatsächlich neues von NEO erwarten könnte. Noch in der Vor-NEO-Zeit, also der Coin noch auf den Namen AntShares hörte, war in Bezug auf die noch junge Plattform bereits vom „chinesischem Ethereum“ die Rede. Doch wie akkurat ist dieser Vergleich?

Gegründet wurde das Projekt bereits im Jahr 2014. Die zugrundeliegende Idee war und ist es, die traditionelle Wirtschaft und Gesellschaft in den Bereichen Digitalisierung und Automatisierung zu transformieren und hin zu einer Smart Economy zu bewegen. Dazu nutzt die NEO-Blockchain Technologien wie Peer-To-Peer-Networking, dBFT-Consensus und Smart Contracts. Die Funktionen und Möglichkeiten sind also anders als bei Ethereum und gehen teilweise auch darüber hinaus. (Für eine tiefergehende technische Analyse des Coins sei auf den frühen Beitrag zu AntShares in der Reihe „New Coins on the Block“ verwiesen.)

ICOs auf der NEO-Blockchain

Seit Jahresbeginn legte NEO los wie die die Feuerwehr und hat in den ersten beiden Monaten mit DeepBrain, QLINK, Trinity Network Credit und Zeepin bereits vier neue ICOs auf seiner Blockchain starten lassen. Gemeinsam mit dem seit Ende Oktober 2017 existierenden Token Red Pulse und Gas, dem Treobstoff der NEO-Plattform, sind somit aktuell sechs Token gelistet, die die NEO-Blockchain als Basis haben. Davon ist Zeepin mit Rang 275 am niedrigsten eingestuft, alle anderen auf NEO basierenden Token sind in den Top 200 platziert. Damit liefert NEO die beste Bilanz aller Developing-unterstützenden Plattformen nach Ethereum.

Wobei wir auch schon wieder beim großen Vergleich mit dem Primus sind. Trotz aller Unterschiede wird dieser Vergleich den Machern von NEO sicherlich jedoch gar nicht mal so unrecht sein, immerhin strebt NEO, ähnlich wie im Übrigen auch Lisk, den Aufbau eines gesamten Ökosystems auf der hauseigenen Technologie an. Auf der Website von NEO heißt es demnach auch, man arbeite an der Schaffung einer gesamten dezentralen „Smart Economy“. Als wesentliche Bausteine für eine Smart Economy betrachtet NEO digitale Vermögenswerte, digitale Identitäten und Smart Contracts.

Nicht alles im grünen Bereich?

Alles bereit für den Machtwechsel also? Aus der Krypto-Szene melden sich auch kritische Stimmen zu Wort. Vor allem das scheinbar enge Anbandeln des NEO-Entwicklerteams mit der Kommunistischen Partei Chinas sorgt vielerorts für Bedenken – vor allem vor dem Hintergrund der restriktiven Krypto-Policy der chinesischen Regierung. So hatte es kurz nach dem ICO-Verbot in China Gerüchte gegeben, dass künftig alle ICOs über NEO abgewickelt werden müssen – eine Zentrierung, die sowohl NEO als auch der chinesischen Regierung passend käme.

Auch die tatsächliche Leistungsfähigkeit der Plattform wird von einigen sehr pessimistischen Beobachtern in Frage gestellt. So stellt die neuliche Fülle an ICOs das Netzwerk vor größere Herausforderungen, als es diesem lieb sein wird. So hatte es während des Launches eines ICOs oder kurz danach immer wieder Meldungen gegeben, dass das Netzwerk kurzzeitig ausgefallen sei oder Wallets nicht benutzbar waren. Zudem soll sich die NEO-Plattform bei weitem nicht so User- und Developer-freundlich wie sie sich darstellt. So soll es für Code-Entwickler sehr schwierig sein, Smart Contracts auf NEO-basis zu kreieren. Auch ist das Aufsetzen eines Smart Contracts auf NEO mit einer Gebühr von aktuell 500 GAS nicht gerade kostenschonend.

Fazit

Auch wenn im Osten definitiv etwas heranwächst – eine ernsthafte Gefahr für Ethereums Top-Spot wird NEO auch in 2018 sehr wahrscheinlich nicht sein. Allein der Ausdruck Gefahr ist in diesem Zusammenhang schon irreführend – sollte es doch das Bestreben einer auf Dezentralität bedachten Community sein, eine marktbelebende Konkurrenz um den Aufbau neuer Blockchain-Projekte zu haben. Daher stellt das Smart Economy Network von NEO nicht zwingend eine Verdrängung, sondern vielmehr eine Ergänzung Ethereums dar, mit anderen Schwerpunkten, Stärken und Schwächen.

BTC-ECHO

Über Tobias Schmidt

Tobias SchmidtTobias Schmidt ist seit August 2017 als Redakteur im Team von BTC-ECHO tätig. Sein Fachgebiet im Krypto-Bereich sind die vielen verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

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