Mt.Gox: Aufstieg und Fall der ersten Bitcoin-Börse
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Mt.Gox: Aufstieg und Fall der ersten Bitcoin-Börse

Die Geschichte der Bitcoin-Börse Mt.Gox hat in der Krypto-Welt einen Erdrutsch ausgelöst. Innerhalb kürzester Zeit ist die Plattform zur weltweit größten Krypto-Börse aufgestiegen – dann kam der Crash. Die Bilanz: verprellte Kunden, verschwundene Bitcoin, Insolvenzverfahren und viele offene Fragen. Wir zeichnen die unrühmliche Geschichte der Börse nach und fragen nach dem aktuellen Stand.

Wir schreiben das Jahr 2009. Die Auswirkungen der Finanzkrise sind noch allseits spürbar, Satoshi Nakamotos White Paper ist erst ein Jahr alt und Bitcoin lernt gerade als erste Kryptowährung das Laufen. Dass mit der digitalen Währung einmal das große Geld zu holen ist, ist maximal eine Vorahnung einiger weniger Krypto-Kenner.

Fünf Jahre später. Tausende Kunden warten vergebens auf die Auszahlung ihrer Guthaben, Mt.Gox-Inhaber Mark Karpelès steht vor Gericht und die Börse meldet Insolvenz an. Was ist in der kurzen Zeitspanne geschehen?

Von Sammelkarten zur Bitcoin-Börse

Die Geschichte von Mt.Gox beginnt 2009. Jed McCaleb gründet eine Online-Tauschbörse für Sammelkarten des Trading-Card-Games „Magic“. Daher leitet sich auch der Name der Börse ab: Magic: The Gathering Online Exchange. Apropos McCaleb: Der Gründer von Mt.Gox ist alles andere als ein unbeschriebenes Blatt in der Krypto-Szene. Er war zunächst Mitgründer von Stellar und hat später Ripple gegründet. Aber zurück zum Geschehen. 


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Zeitgleich entschließt sich Mark Karpelès, von Frankreich nach Japan auszuwandern und gründet in Tokio den IT-Dienstleister Tibanne Co. Ltd. Zwei Jahre später übernimmt Karpelès mit Tibanne die Börse Mt.Gox, die mittlerweile auf Bitcoin umgestellt wurde. Von da an nimmt die unrühmliche Geschichte ihren Lauf.

Die Börse entwickelt sich rasch zur größten Handelsplattform für Bitcoin. Im August 2013 werden 60 Prozent des weltweiten Bitcoin-Handelsvolumens über Mt.Gox abgewickelt. Die Börse hat sich als prominentester Marktplatz der sich gerade im Aufschwung befindenden Kryptowährung durchgesetzt. So rasant die Börse binnen kürzester Zeit auch empor gestiegen ist – der Untergang zeichnet sich bereits ab.

Das Kartenhaus bricht zusammen

Allmählich mehren sich Ungereimtheiten in Bezug auf die Börse. Eine nicht unbedeutende Menge von 850.000 Bitcoin sind laut Unternehmensangaben einem Hackerangriff zum Opfer gefallen. Der Verlust beläuft sich auf einen Wert von 500 Millionen US-Dollar, beim gegenwärtigen Bitcoin-Kurs wären dies knapp 7,9 Milliarden US-Dollar.

Mt.Gox-Inhaber Karpelès steht unter Verdacht, mit dem ominösen Verschwinden der Bitcoins in Verbindung zu stehen. Jedoch kann die Behauptung nie belegt werden. Das Abhandenkommen der virtuellen Münzen ist jedenfalls der Anfang vom Ende.

Am 28. Februar 2014 meldet Mt.Gox bei einem japanischen Bezirksgericht Insolvenz an. Die Börse stellt daraufhin die Auszahlung an ihre Kunden ein.

Der Fall Mt.Gox interessiert auch zusehends die Justiz. Im Zuge des Gerichtsverfahrens tauchen dann plötzlich 200.000 der vermisst geglaubten Bitcoin wieder auf. Diese habe man damals in alten Wallets gefunden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt erhält die Geschichte einen bitteren Beigeschmack.

Zudem kommt heraus, dass Karpelès zwischen 2013 und 2015 Computerdaten zur Zahlung von Rechnungen manipuliert haben soll und der Börse bislang eigentlich nötige Lizenzen fehlten. Der Taschenspielertrick, bei dem mal eben 200.000 Bitcoin aus dem Hut gezaubert wurden, ist das letzte Winden der Börse – die Schlinge zieht sich allmählich zu.

Ein Scherbenhaufen

Zurück bleiben tausende verprellte Kunden, die auf die Auszahlung ihrer Vermögenswerte warten. Bis Ende Mai 2015 können diese ihre Ansprüche gegenüber Mt.Gox über einen Online-Abwicklungsprozess geltend machen. Die Auszahlungen stehen jedoch bis heute aus. Im Mai 2016 ist eine Sammelklage gegen den Bitcoin-Marktplatz in Kanada abgewiesen worden.

Karpelès ist derweil von der japanischen Polizei verhaftet worden und muss sich wegen Betrug und Veruntreuung vor einem Gericht verantworten, wird jedoch im Juli 2016 gegen Kaution nach 10 Monaten Haft entlassen. Es scheint, als sei die Causa Mt.Gox endgültig geschlossen.

Doch dann schickt sich eine berüchtigte Person an, die Börse vor den Ruin zu retten. Niemand Geringeres als Brock Pierce, ehemals Disney-Kinderstar, mittlerweile Krypto-Entrepreneur mit Vorliebe für exzentrische Hüte und Beschuldigter in Kindesmissbrauchsvorwürfen, plant, Mt.Gox zu übernehmen. Dabei möchte er die 24.000 Gläubiger entschädigen und die Börse wieder aufbauen. Besteht also Hoffnung für die Geschädigten?

Wohl eher nicht. Das Unterfangen von Brock Pierce, Mt.Gox mittels eines ICOs wiederzubeleben, ist bislang gescheitert. Dazu bedarf es der Zustimmung sämtlicher Teilhaber. Kurios dabei: Brock Pierce hat erst kürzlich in einem Interview angegeben, dass er durch erworbene Aktien 100 Prozent des Unternehmens besäße. Karpelès widerspricht dem jedoch. Er habe lediglich eine Absichtserklärung unterschrieben, zum Verkauf der Unternehmensanteile sei es dabei aber nie gekommen. Die Pläne scheinen also auf Eis gelegt und klingen eher wie ein müder PR-Gag auf dem Rücken der Gläubiger.

Nachwehen

Was lernen wir also aus der Geschichte? Der Fall Mt.Gox hat gezeigt, dass der Bitcoin-Goldrausch ein unreguliertes Börsen-System förderte, das Betrügern Tür und Tor geöffnet hat. Die Börse hat dabei eine Geschichte erzählt, die so alt wie die Menschheit selbst ist: Einige wenige bereichern sich auf Kosten vieler.

Es mag zynisch klingen, aber der Fall hat auch positive Effekte erzielt. Kunden sind sensibilisiert in Bezug auf ihre Geldanlagen, Börsen werden mehr oder weniger geprüft und irreale Versprechen, die mit schnellem Geld locken, skeptischer betrachtet. Zwar lässt sich dadurch nicht verhindern, dass sich ähnliche Vorfälle wiederholen. Aber man kann nicht behaupten, dass man es nicht hätte wissen können.

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