Krypto 1x1 Kein Besteck #1: Was ist eine Hard Fork?

Alex Roos

von Alex Roos

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Alex Roos

Alex Roos absolvierte einen B.Sc. in "Management, Philosophy & Economics" an der Frankfurt School of Finance & Management und schrieb seine Bachelorarbeit über die "Anwendungsfelder und Adaption der Blockchain Technologie". Ihn begeistern vor allem "pure" Kryptowährungen wie Bitcoin und Monero.

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Zwei Gabeln auf einer Bitcoin Münze
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Der Begriff „Fork“ läuft einem im Bitcoin-Ökosystem früher oder später über den Weg. Da gibt es „harte“ und „softe“ Gabeln – aber was ist das genau? Dieser Zweiteiler erkundet sowohl Hard Forks als auch Soft Forks und verdeutlicht diese an einem kulinarischen Beispiel.

Abstrakt gesprochen ist eine Hard Fork ein nicht-rückwärts-kompatibles Update der Konsensregeln. Klingt einfach, aber was bedeutet das?


Kurz: Wer bei der Hard Fork mitmachen möchte, muss sich an die neuen Regeln halten. Alle Nutzer, die nach wie vor den alten Regeln folgen, sind nicht im neuen Netzwerk. Einstimmigkeit mit den neuen Regeln symbolisiert man im Blockchain-Kosmos mit entsprechender Software. Um „sich an die neuen Regeln zu halten“, müssen die Teilnehmer ihre Krypto-Software updaten. Das kann eine Wallet sein oder ein Mining Client. Die neue Software hält sich automatisch an die neuen Regeln.

Wichtig: Die Partizipation an einer Hard Fork ist „opt-in“, das heißt, man muss aktiv etwas unternehmen und den neuen Konsensregeln zustimmen. Alle, die nicht updaten, werden auf einer alten Chain zurück gelassen. Dazu gleich mehr.

Vegetarier zu Fleisch-Esser = Hard Fork

Betrachten wir eine Hard Fork weit ab von Bitcoin und Blockchain, anhand eines Beispiels aus der analogen Welt:

Man stelle sich eine Gruppe Vegetarier vor, die sich kollektiv auf die (Konsens-)Regel „Wir essen kein Fleisch“ einigen. Jetzt ändert ein Teil der Gruppe ihre Meinung und möchte auch Fleisch verzehren. Die Personen schließen sich zusammen und bestimmen, eine Hard Fork durchzuführen. „Wir essen auch Fleisch“ heißt die neue Regel.

Natürlich gibt es für Menschen keine Software, die sie sich herunterladen. Im Beispiel wäre das Update eher der Gedanke „Fleisch ist erlaubt“. Nichtsdestotrotz, die Analogie steht: Wer seine Regeln aktualisiert, ist nicht mehr mit dem alten Protokoll (oder: dem alten Regelwerk) kompatibel. Ein Vegetarier würde eine Mahlzeit mit Fleisch immer noch ablehnen.

Eine Hard Fork impliziert einen Chain-Split

Noch ein weiteres Charakteristikum einer Hard Fork: Die Blockchain spaltet sich. Eine Hard Fork wird ab einer bestimmten Blockhöhe aktiviert. Besser gesagt: In der neuen Software steht die Bedingung „Wenn Block Nummer X kommt, halte dich an die neuen Regeln.“ Das ist einer der Gründe, warum die Software auf den neusten Stand gebracht werden muss. Diese Bedingung bedeutet, dass ab Block X die neuen Regeln gelten. Wer sich zur Zeit von Block X an die alten Regeln hält, bleibt auf einer alten Chain. Vorstellen kann man sich das wie ein Paralleluniversum, das ab einem bestimmten Moment nicht mehr identisch abläuft. Beide Chains kommen vom selben Ursprung, entwickeln sich mit der Zeit aber immer weiter auseinander.

Das ist auch der Grund für doppelte Coins. Wer Geld auf der alten Chain – vor der Hard Fork – hatte, hat dieses Geld auch auf der neuen Fork; und nach wie vor auf der alten. Die Anzahl der Token hat sich in gewisser Weise verdoppelt. Das impliziert nicht, dass sich der Preis verdoppelt – eigentlich sollte sich dieser erstmal halbieren nach einer Hard Fork.

Eine Hard Fork ist also eine Änderung der Regeln, die keine Rückwärts-Kompatibilität zulässt. Deswegen spaltet sich die Blockchain im Falle einer Hard Fork. Die alte Blockchain existiert nach wie vor unter den alten Regeln.

Bekannte Beispiele für Hard Forks

An dieser Stelle werden zwei bekannte Hard Fork Beispiele aus der Krptoindustrie beleuchtet:

  1. Ethereum: Mit dem DAO-Hack gingen gut 150 Millionen US-Dollar „verloren“. Die Ethereum Foundation entschied sich dazu, die Zeit zurück zu drehen – bevor der Hack passiert war. Das war nicht gemäß der ETH-Konsensregeln. Eine Hard Fork musste eingeführt werden. Ethereum (ETH) ist die neue Chain seit damals; Ethereum Classic (ETC) ist die alte Chain, die den DAO-Hack nicht rückgängig gemacht haben.
  2. Bitcoin Cash: Für die Skalierung der Blockchain forderte Bitcoin Unlimited die Vergrößerung der Blockgröße. Die Konsensregeln begrenzten die Blöckgröße in Bitcoin auf 1 MB. Bitcoin Cash (BCH) ist eine Hard Fork, die unter anderem diesen Parameter angehoben hat; Bitcoin (BTC) ist die alte Chain (engl. = Legacy Chain).

Damit sollte klar sein, was eine Hard Fork ist und was sie macht. Allerdings ist das Claimen der Hard Forks nicht immer problemlos. Außerdem ist eine Mehrheit essentiell, wenn man ein Projekt unter dem gleichen Namen Hard Forken möchte. Ansonsten landet man schnell im Bcash-Camp (Bitcoin Cash).

Ob Vegetarier oder Carnivore, die Entscheidung muss jeder selbst treffen. Wichtig ist: die Software bestimmt, welchen Regeln man folgt.

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