Bastiaan Don von Token Factory „Jeder sollte die Möglichkeit haben, in Immobilien zu investieren“

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 5 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

Immobilien

Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht die Tokenisierung eines neuen Immobilien-Projektes bekanntgegeben wird. Anstatt auf Unternehmen haben sich viele Tokenisierungsplattformen in den letzten Monaten auf das Betongold eingeschossen. Eine dieser neuen Immobilienplattformen, die die Tokenisierung und den Handel von Immobilien anbietet, ist blockimmo von Token Factory aus Zug (Schweiz). Im Interview hat uns der Gründer und CEO von Token Factory, Bastiaan Don, die Vorteile der Immobilientokenisierung erläutert und erklärt, wie er die Rahmenbedingungen für einen baldigen Sekundärmarkt für Security Token einschätzt.

BTC-ECHO: Erzähl doch bitte, wie die Idee zu blockimmo entstanden ist. Was ist die Motivation dahinter?

Bastiaan: Die Idee ist aufgrund meiner über zwölfjährigen Erfahrung in der Schweizer Immobilienwelt entstanden. Dort hat man zwar ein funktionierendes System. Dieses wird aber von relativ wenigen Playern vor allem im Investmentbereich dominiert. Auf der anderen Seite entstammt die Idee einem allgemeinen Interesse an Bitcoin, Ethereum und der Blockchain-Technologie. Mittlerweile kann man ja ganze Business-Modelle auf der Blockchain abbilden. Ich habe mir dann gedacht: Ich kenne mich sowohl mit Blockchain als auch im Immobiliensektor ziemlich gut aus. Und wenn ich nicht probiert hätte, das zusammenzubringen, dann würde ich das in zehn Jahren bereuen.

BTC-ECHO: Wo seht ihr jetzt den konkreten Mehrwert bei der Tokenisierung von Immobilien?

Bastiaan: Grundsätzlich sehe ich den großen Vorteil vor allem in der Effizienzsteigerung. Zudem kann man langfristig einen ganz neuen Markt ansprechen: den Retail-Markt (Kleinanleger). Damit gibt es insgesamt in Zukunft mehr Liquidität für die gesamte Anlageklasse. Mithilfe der Blockchain-Technologie möchte man ja Märkte demokratisieren. Jeder sollte die Möglichkeit haben, in Immobilien zu investieren. Dies ist dank der Tokenisierung möglich.

Zweitens möchten wir die illiquide Anlageklasse Immobilien liquide machen. In dieser Hinsicht schätzen wir die Möglichkeiten, die die Blockchain-Technologie schaffen wird, als extrem positiv ein. Sobald es regulierte Handelsplätze gibt, sehe ich sehr viel Potenzial in der Tokenisierung von Immobilien und damit einer Steigerung von Liquidität im Sekundärmarkt.

BTC-ECHO: Was sind die größten Flaschenhälse im Immobilienmarkt, die die Blockchain-Technologie beseitigen kann?


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Bastiaan: Das aktuelle System funktioniert sehr schwerfällig, da viele Parteien in Transaktionen involviert sind: von Anwälten über Grundbuchämter bis Notare. All diese Parteien müssen auch bezahlt werden. Da geht der eigentliche Wert der Liegenschaft bereits beim Verkaufsprozess verloren. Da sehe ich Optimierungschancen.

Bei allem, was automatisch abläuft, hat man weniger Wertverlust. Die Blockchain hilft zusätzlich dabei, die Transparenz zu erhöhen. Denn wichtige Dokumente können, wenn sie einmal auf der Blockchain „gehasht“ sind, nicht ohne Weiteres verändert werden. Ich finde es ferner ganz allgemein wichtig, dass jeder Zugang zu einer lukrativen Anlageklasse hat. Die Komplexität des heutigen Systems schafft jedoch eine hohe Markteintrittsbarriere, die die Abhängigkeit von den genannten Mittelsmännern weiter zementiert und den Markt unzugänglich macht.

BTC-ECHO: Wer profitiert am Ende mehr von der Tokenisierung von Immoblien, Kleinanleger oder professionelle/institutionelle Investoren?

Bastiaan: Bitcoin und Blockchain erhöht den Wert „für das Volk“. Kurzfristig werden aber vor allem die Großanleger von der Tokenisierung profitieren. Allein aus rechtlichen Gründen: Die tokenisierten Investitionsmöglichkeiten stammen aus regulierten Märkten, die momentan geschlossen sind für den Kleinanleger. Stichwort: professionelle/institutionelle Anleger. Ich bin aber davon überzeugt, dass sich der Fokus langfristig ändern wird und vor allem Kleinanleger profitieren werden.

BTC-ECHO: Wo liegt euer Business Case, womit verdient ihr Geld?

Bastiaan: Wir sehen blockimmo kurzfristig als eine Vermittlungsplattform. Und dahingehend sind wir transparent: Bei jeder Transaktion verlangen wir eine Gebühr. Je mehr Assets und Management wir haben, desto geringer dürfte die Transaktionsgebühr werden.

BTC-ECHO: Aktuell fehlt es an einem funktionierenden Sekundärmarkt, um Security Token zu handeln. Wie schätzt du hier die Entwicklung in den nächsten Monaten ein? Werden wir noch in 2020 einen zumindest ansatzweise liquiden Börsenhandel für Security Token erleben?

Bastiaan: Das Problem ist vor allem regulatorischer Natur. In der Schweiz etwa gibt es gewisse Hürden, die Übertragbarkeit von Eigentum über eine Blockchain-Transaktion sauber rechtlich abzubilden. Auf der anderen Seite gibt es bestehende, dominante Player, die eigentlich kein Interesse an dieser digitalen Art der Wertanlage haben. Die Chancen, dass sich ein regulierter Handelsplatz für Security Token etablieren kann, schätze ich trotzdem als gut ein. Vor allem in Liechtenstein haben die Gesetze mit dem Blockchain Act eine gewisse Klarheit bekommen. Dort gibt es zwei Projekte, die von bestehenden bereits regulierten Playern unterstützt werden.

Spätestens 2021 werden Player in Europa dazukommen (z. B. Tokeny mit Euronext als Investor). Man darf aber auch den asiatischen Markt nicht vergessen. Die Exchange iSTOX (mit Singapore Exchange als Investor) etwa hat kürzlich erst die regulatorische Absegnung der singapurischen Aufsichtsbehörde erhalten.

BTC-ECHO: Nun seid ihr nicht die einzige Plattform, die eine Immobilien-Tokenisierung anbietet. Wie beurteilst du die Wettbewerbssituation? Wird es ein harter Konkurrenzkampf?

Bastiaan: Aus meiner Sicht ist die Situation derzeit sehr entspannt. Aktuell kann man von keiner Konkurrenzsituation reden – wir stehen noch am Anfang. Man sollte zusammenarbeiten und unter anderem mit gleichen technische Standards arbeiten. Vorläufig ist es aber extrem schwierig, Immobilien direkt zu tokenisieren, so lange das Grundbuch nicht mitmacht. Diesbezüglich schlagen wir konkret vor, dass neben natürlichen und juristischen Personen auch technische Personen Eigentum halten dürfen. Die technische Person könnte dann ein (Security Token) Smart Contract sein, der etwa eine Parzelle hält. Dennoch dürfte es noch Jahre dauern, bis das Grundbuch so weit sein wird.

BTC-ECHO: Was sind die nächsten Schritte bei euch? Wie viele Immobilien wollt ihr dieses Jahr noch tokenisieren?

Bastiaan: Wir haben uns bisher als Technologieprovider für die Tokenisierung von Vermögenswerten etablieren können. Wir möchten jetzt unsere Lösung in möglichst vielen Märkten einsetzen. Das heißt, wir arbeiten eng mit Finanzinstituten zusammen, um weitere Finanzvehikel zu tokenisieren (siehe z. B. der erste regulierte Immobilien-Fonds in Liechtenstein). Dahingehend sehe ich kurzfristig die beste Möglichkeit, das Thema Tokenisierung voranzutreiben. Einer der Hauptauslöser für den Tokenisierungs-Boom wird die Etablierung von regulierten Handelsplätzen für Security Token sein. Da werden wir auch aktiv dran mitwirken mit starkem Fokus auf Dezentralität.


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