Token Custody der Zukunft Interview mit Alexis Hamel von der neu gegründeten solaris Digital Assets GmbH

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 5 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

Teilen
Token Custody, solaris Digital Assets

Quelle: solaris Digital Assets

BTC10,711.46 $ 0.79%

Die solarisBank, ein Tech-Unternehmen mit Bank-Lizenz, nimmt für das deutsche Blockchain-Ökosystem eine wichtige Funktion ein. Schließlich liefert es nicht nur das technische Rüstzeug, sondern auch den regulatorischen Rahmen, um Finanzinnovationen in der Praxis abzubilden. Der Token-Ökonomie zugewandt, hat die solarisBank nun kürzlich die Gründung eines Tochterunternehmens zur Verwahrung (Custody) von Token bekanntgegeben: die solaris Digital Assets. Was es damit auf sich hat, wie die Token-Verwahrung funktioniert und welche Herausforderungen der jungen Branche zukünftig noch bevorstehen, hat uns der Managing Director, Alexis Hamel, im Interview verraten.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 21. Dezember 2019 07:12 Uhr von Mark Preuss

BTC-ECHO: Was hat euch, also die solarisBank, dazu bewegt, die solaris Digital Assets zu gründen?

Alexis Hamel: Wir denken über das Thema bereits seit einer Weile nach. Anfangs waren die regulatorischen Anforderungen für die Verwahrung von digitalen Vermögenswerten noch nicht vollumfänglich definiert. Vor allem war unklar, ob wir das Verwahrgeschäft über die solarisBank oder eine Tochtergesellschaft anbieten sollten. Wir sind dann zu dem Schluss gekommen, den Service als externes Angebot zu starten. Somit setzen wir maximalen Fokus auf die Digital Assets Initiative und haben für die Zukunft einen strategischen Vorteil, da diese separate Einheit auch für industriespezifische Investoren spannend sein kann.

BTC-ECHO: Welche Dienstleistungen umfasst das Angebot?

Alexis Hamel: Das übergeordnete Ziel ist es, die Verbreitung digitaler Assets zu fördern, indem wir eine technologisch ausgereifte und vor allem sichere Infrastruktur für Digital-Asset-Pioniere anbieten. Wir stellen dabei keine Wallets für Endnutzer zur Verfügung. Dafür aber APIs für unsere Partner, also andere Unternehmen, die damit Services im eigenen Branding und Design entwickeln können. Auf diesen B2B2X-Ansatz setzen wir bereits bei der solarisBank und führen ihn bei solaris Digital Assets fort. Als erstes Produkt haben wir mit einer Custody API begonnen, da wir die sichere und zugleich leicht zugängliche Verwahrung von digitalen Vermögenswerten als den Haupt-Pain-Point im Markt identifiziert haben.

BTC-ECHO: An wen richtet sich das Angebot? Wer sind die Kunden?


Alexis Hamel: Das ist ganz unterschiedlich. Die solarisBank hat bereits eine Menge Partner aus dem Krypto-Umfeld. Auf der einen Seite ist unser Angebot für Start-ups spannend, die sich vor allem auf unsere regulatorische Expertise verlassen können. Schließlich haben wir bereits seit 2016 für die Bereitstellung unserer Banking-Infrastruktur die notwendige Banklizenz und haben Partnerschaften im Bereich Krypto-Banking, Handelsplattformen oder STOs realisiert. Auf der anderen Seite beobachten wir eine steigende Nachfrage von etablierten Finanzinstituten. Diese schätzen an unserem Service, das er eine gute Einstiegshilfe in den Krypto-Sektor bietet, da wir ebenfalls vollständig reguliert sind.

BTC-ECHO: Kannst du uns mehr zu den technischen und sicherheitsrelevanten Aspekten erzählen und wie die Verwahrung von Token gemanagt wird?

Alexis Hamel: Auf der technischen Seite besteht unser Service aus verschiedenen Komponenten: Auf der einen Seite geht es um die Frage, wie man den Private Key verwaltet. Dafür nutzen wir eine Kombination aus verschiedenen Hardware-Modulen. Diese sind sehr sicher und gut geeignet, Private Keys zu halten. Als Tochterunternehmen einer volllizenzierten Bank sehen wir uns als Experten für Sicherheitsfragen. So haben wir unsere eigenen dezidierten Datenzentren und Clouds mit starken Sicherheitsstandards. Den Hauptteil der kritischen Infrastruktur managen wir inhouse. Auf das Thema Sicherheit muss man mit einer holistischen Perspektive blicken.

BTC-ECHO: Nun benötigen alle Krypto-Verwahrer ab nächstem Jahr die Zustimmung der BaFin. Bitte erklär doch, wie ihr euch hier positioniert?

Alexis Hamel: Wir werden im nächsten Jahr die neue Krypto-Verwahrlizenz bei der BaFin beantragen – diese umfasst dann die Dienste von solaris Digital Assets. Unser Produkt ist aber bereits heute verfügbar. Einige Partnerschaften haben wir in der Pipeline und können deren Go-Live zeitnah kommunizieren.

BTC-ECHO: Seht ihr eine größere Nachfrage bei der Verwahrung von Kryptowährungen oder bei Security Token?

Alexis Hamel: Kryptowährungen sind für uns der Anfang. Bestandskunden aus dem Krypto-Bereich fragen bereits Dienste wie Krypto-Banking oder einen Sekundärmarkt für den Handel nach. Das ist aber nur die erste Ebene der Digital-Asset-Verbreitung. Grundsätzlich sehen wir in der Tokenisierung von verschiedensten Assets die Zukunft großer Teile der Finanzwelt. Ein beträchtlicher Teil der Nachfrage kommt somit auch aus dem Bereich der Security Token. In dem Bereich sehen wir ein riesiges Potenzial für die Zukunft – der Markt steht aber noch am Anfang.

BTC-ECHO: Neben der praktikablen Verwahrung von tokenisierten Assets, welche weiteren Herausforderungen identifiziert ihr, um Investoren vom neuen Medium Token zu überzeugen?

Alexis Hamel: Ein Ziel von solaris Digital Assets ist die Förderung der Verbreitung von digitalen Assets. Wir fokussieren uns daher voll auf die Reduktion von Komplexität für unsere Partner und deren Endkunden. Im Krypto-Sektor gibt es eine enorme Diskrepanz zwischen der Möglichkeit von Services und deren tatsächliche Nutzererfahrung. Die ist häufig so schlecht, dass sie die Adaption von Krypto-Services massiv behindert. Für erfahrene Nutzer ist das weniger ein Problem. Aber so erreichen wir keinen Mainstream. Die meisten Kunden wollen schlicht und ergreifend eine übersichtliche Nutzeroberfläche haben. Das ist aktuell eine der größten Hürden für die Verbreitung der Technologie. Natürlich ist auch die fehlende Handelbarkeit diverser Token ein Problem. Hier werden neue Handelsplätze einen großen Unterschied machen.

BTC-ECHO: Was wünscht ihr euch vom Gesetzgeber, damit die Integration von Krypto-Services in Deutschland mehr Fahrt aufnehmen kann?

Alexis Hamel: Ich denke, dass die letzten Regulierungsvorstöße in Deutschland bereits ein Schritt in die richtige Richtung waren. Unternehmen wird dadurch ein verlässliches Umfeld für den Markteintritt geschaffen. Auch sind natürlich Themen wie Rechtssicherheit und Verbraucherschutz entscheidend. Was ich mir zudem wünschen würde, ist eine Vereinheitlichung der Regularien innerhalb der EU. Das ist der Schlüssel, um einen starken Krypto-Markt innerhalb der EU aufzubauen.


Teilen

Die aktuellsten News kostenlos per E-Mail

Ich stimme zu, dass meine E-Mail-Adresse für den Versand des Newsletters gespeichert und verarbeitet wird. Weitere Hinweise
BTC-ACADEMY

Kryptowährungen einfach kaufen und verkaufen

Ein Bankkonto, Krypto-Wallets und Trading vereint

  • Einfach, sicher und zuverlässig
  • Kontoeröffnung in nur 5 Minuten
  • Nur 1% Handelsgebühr
  • Made in Germany