Hyperinflation in Venezuela – Hilft Bitcoin den Menschen in der Krise?

Brigitte Bernhardt

von Brigitte Bernhardt

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Brigitte Bernhardt

Brigitte Bernhardt hat Architektur studiert, PR und Redaktion gelernt und arbeitet als Fachautorin für verschiedene Medien. In die Kryptowelt ist sie 2017 eingetaucht und war vom ersten Moment fasziniert – von der Technik, von der Idee, den Menschen die Kontrolle über das eigene Geld zu geben und von den Möglichkeiten, die Kryptowährungen und Blockchain für unsere Welt bedeuten.

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Quelle: Shutterstock

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Die Menschen in Venezuela leiden zunehmend unter der politischen und wirtschaftlichen Krise des Landes. Immer wieder wird in diesem Zusammenhang vom Bitcoin als Alternative zur Staatswährung Bolívar gesprochen. In der Tat ist das Interesse am Bitcoin vergleichsweise hoch. Für die breite Masse ist der Einsatz von Kryptowährungen jedoch nicht praktikabel, kontert nun ein Journalist aus Caracas.

Der IWF errechnete für das vergangene Jahr 1,37 Millionen Prozent Inflation in Venezuela. Im Jahr 2019 sollen es zehn Millionen werden. Für viele Menschen im Land geht es ums pure Überleben. Nahrung aufzutreiben und sie auch bezahlen zu können, wird immer schwieriger, die medizinische Versorgung ist mancherorts zusammengebrochen. Mit dem Bolívar, der offiziellen Währung des Landes, lässt sich kaum noch etwas kaufen.

Die Hyperinflation hat einige Bürger dazu veranlasst, den Wert ihres Geldes in Fremdwährung, Waren und Kryptowährungen zu sichern. Mit dem Bitcoin haben die Venezolaner eine Währung an der Hand, die nicht von einer Regierung kontrolliert werden kann. Viele schenken dem virtuellen Geld daher mehr Vertrauen als dem Bolívar. Im Dezember 2018 erreichte die Nachfrage nach Bitcoin in Venezuela ein Rekordhoch. Genaueres dazu gibt es in diesem Beitrag.

Kryptowährungen als Ausweg aus der Krise

Staatspräsident Maduro hat indes begonnen, seine eigene Kryptowährung, den Öl-gestützten Petro, auch gegen den Willen der Bevölkerung zu etablieren. Die Krypto-Landeswährung wird den Bürgern nun aufgezwängt, zum Beispiel durch die Zwangsumwandlung von Rentenboni. Der 2018 eingeführte Petro konnte die Inflation nicht abwenden und gilt als gescheitert. Im Alltag erwies er sich offensichtlich als wenig brauchbar – es fehlten Akzeptanzstellen und funktionierende Wallets.


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Inzwischen hat die Staatsführung ein Dekret zur Regulierung des Bitcoin erlassen. Auch darüber berichtete BTC-ECHO. Für jede Aktivität rund um Kryptowährungen braucht es nun die Erlaubnis der venezolanischen Regierung. Betroffen sind neben den Bürgern also auch Exchanges, Miner oder Trader.

Bitcoin derzeit keine echte Alternative für das Volk

Doch auch unter Krypto-Befürwortern gibt es Zweifel am Bitcoin als Währungsalternative. José Rafael Peña Gholam, Chefredakteur von „CriptoNoticias“ mit Sitz in Caracas, zeichnet ein ernüchterndes Bild. Er beschreibt die Situation in einem Artikel vom 28. Februar:

Obwohl Krypto nicht mehr wie vor einigen Jahren ein „Underground“ -Thema ist, gibt es nach wie vor Hindernisse für eine große Verbreitung und Akzeptanz. Viele Menschen sehen Krypto als Betrug oder haben nicht die technischen Möglichkeiten, um darauf zuzugreifen.

Auch Menschen, die sich für Kryptowährungen interessieren und sogar selbst Bitcoins minen würden, hätten kaum eine Chance, so der Autor. Die starke Regulierung bringe hohe Importzölle auf die Hardware mit sich, wodurch das Mining unrentabel würde. Zudem gäbe es bürokratische Hürden, die kaum zu bewältigen seien. Nicht zuletzt würden viele Venezolaner Bitcoin einfach nicht verstehen. Sie versuchen lieber an US-Dollar zu kommen oder Freunde mit internationalen Bankkonten zu finden, die ihnen helfen, Geld außerhalb des Landes zu bringen.

Wie die Realität und die Einsatzmöglichkeiten von Bitcoin in Venezuela aussehen, würden viele externe Beobachter falsch einschätzen, so José Rafael Peña Gholam: „Viele ausländische Krypto-Enthusiasten verstehen unser Land einfach nicht. Versuchen Sie nicht, die Krise in Venezuela in Ihre Krypto-Lieblingserzählung zu integrieren!“


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