Hyperinflation in Venezuela – Hilft Bitcoin den Menschen in der Krise?

Quelle: Shutterstock

Hyperinflation in Venezuela – Hilft Bitcoin den Menschen in der Krise?

Die Menschen in Venezuela leiden zunehmend unter der politischen und wirtschaftlichen Krise des Landes. Immer wieder wird in diesem Zusammenhang vom Bitcoin als Alternative zur Staatswährung Bolívar gesprochen. In der Tat ist das Interesse am Bitcoin vergleichsweise hoch. Für die breite Masse ist der Einsatz von Kryptowährungen jedoch nicht praktikabel, kontert nun ein Journalist aus Caracas.

Der IWF errechnete für das vergangene Jahr 1,37 Millionen Prozent Inflation in Venezuela. Im Jahr 2019 sollen es zehn Millionen werden. Für viele Menschen im Land geht es ums pure Überleben. Nahrung aufzutreiben und sie auch bezahlen zu können, wird immer schwieriger, die medizinische Versorgung ist mancherorts zusammengebrochen. Mit dem Bolívar, der offiziellen Währung des Landes, lässt sich kaum noch etwas kaufen.

Die Hyperinflation hat einige Bürger dazu veranlasst, den Wert ihres Geldes in Fremdwährung, Waren und Kryptowährungen zu sichern. Mit dem Bitcoin haben die Venezolaner eine Währung an der Hand, die nicht von einer Regierung kontrolliert werden kann. Viele schenken dem virtuellen Geld daher mehr Vertrauen als dem Bolívar. Im Dezember 2018 erreichte die Nachfrage nach Bitcoin in Venezuela ein Rekordhoch. Genaueres dazu gibt es in diesem Beitrag.

Kryptowährungen als Ausweg aus der Krise

Staatspräsident Maduro hat indes begonnen, seine eigene Kryptowährung, den Öl-gestützten Petro, auch gegen den Willen der Bevölkerung zu etablieren. Die Krypto-Landeswährung wird den Bürgern nun aufgezwängt, zum Beispiel durch die Zwangsumwandlung von Rentenboni. Der 2018 eingeführte Petro konnte die Inflation nicht abwenden und gilt als gescheitert. Im Alltag erwies er sich offensichtlich als wenig brauchbar – es fehlten Akzeptanzstellen und funktionierende Wallets.

Inzwischen hat die Staatsführung ein Dekret zur Regulierung des Bitcoin erlassen. Auch darüber berichtete BTC-ECHO. Für jede Aktivität rund um Kryptowährungen braucht es nun die Erlaubnis der venezolanischen Regierung. Betroffen sind neben den Bürgern also auch Exchanges, Miner oder Trader.

Bitcoin derzeit keine echte Alternative für das Volk

Doch auch unter Krypto-Befürwortern gibt es Zweifel am Bitcoin als Währungsalternative. José Rafael Peña Gholam, Chefredakteur von „CriptoNoticias“ mit Sitz in Caracas, zeichnet ein ernüchterndes Bild. Er beschreibt die Situation in einem Artikel vom 28. Februar:

Obwohl Krypto nicht mehr wie vor einigen Jahren ein „Underground“ -Thema ist, gibt es nach wie vor Hindernisse für eine große Verbreitung und Akzeptanz. Viele Menschen sehen Krypto als Betrug oder haben nicht die technischen Möglichkeiten, um darauf zuzugreifen.

Auch Menschen, die sich für Kryptowährungen interessieren und sogar selbst Bitcoins minen würden, hätten kaum eine Chance, so der Autor. Die starke Regulierung bringe hohe Importzölle auf die Hardware mit sich, wodurch das Mining unrentabel würde. Zudem gäbe es bürokratische Hürden, die kaum zu bewältigen seien. Nicht zuletzt würden viele Venezolaner Bitcoin einfach nicht verstehen. Sie versuchen lieber an US-Dollar zu kommen oder Freunde mit internationalen Bankkonten zu finden, die ihnen helfen, Geld außerhalb des Landes zu bringen.

Wie die Realität und die Einsatzmöglichkeiten von Bitcoin in Venezuela aussehen, würden viele externe Beobachter falsch einschätzen, so José Rafael Peña Gholam: „Viele ausländische Krypto-Enthusiasten verstehen unser Land einfach nicht. Versuchen Sie nicht, die Krise in Venezuela in Ihre Krypto-Lieblingserzählung zu integrieren!“

Jetzt in Kryptowährungen investieren: Kryptowährungen kaufen, verkaufen oder traden – wir haben die besten Broker, Börsen und Zertifikate zusammengestellt: Bitcoin kaufen | Ether kaufen | Ripple kaufen | IOTA kaufen | Broker-Vergleich

Mehr zum Thema:

Ähnliche Artikel

Bitcoin-Regulierung: FINRA appelliert an Unternehmen
Bitcoin-Regulierung: FINRA appelliert an Unternehmen
Regierungen

Letztes Jahr hat die US-Genehmigungsbehörde FINRA eine Bekanntmachung herausgegeben, derzufolge sich Finanzdienstleister, die mit digitalen Assets zu tun haben, melden sollen. Ein Jahr später folgt die Konsolidierung der aufgeführten Kriterien. Insgesamt zeigt sich die FINRA zufrieden. Überzeugung geht jedoch anders.

Besitzt Bulgarien wirklich 200.000 Bitcoin?
Besitzt Bulgarien wirklich 200.000 Bitcoin?
Bitcoin

Bulgarien könnte einer der größten Bitcoin-Wale überhaupt sein. 2017 konfiszierten Strafverfolgungsbehörden des Landes über 200.000 BTC von Cyberkriminellen. Doch seither hüllt sich das Land in Schweigen. Was wir über die Hintergründe wissen.

Newsletter

Die aktuellsten News kostenlos per E-Mail

Aktuell

Steve Wozniak: Apple-Mitgründer will nach Malta
Steve Wozniak: Apple-Mitgründer will nach Malta
Tech

Der Apple-Mitgründer Steve Wozniak gab bei einer Podiumsdiskussion seine Zukunftspläne bekannt. Was ihn bewegt, nach Malta zu gehen und welche Unternehmensidee er unterstützen will.

Datenleak bei Bitcoin-Börse QuickBit enthüllt Kundendaten
Datenleak bei Bitcoin-Börse QuickBit enthüllt Kundendaten
Sicherheit

Die Bitcoin-Börse QuickBit hat versehentlich große Datenmengen geleakt. Über Tage kursierten sensible Kundendaten ohne Firewall für jedermann einsehbar im Internet. QuickBit-Kunden wird geraten, ihr Passwort zu ändern.

Deutsche Bundesbank sieht Bitcoin als „spekulatives Nischenprodukt“
Deutsche Bundesbank sieht Bitcoin als „spekulatives Nischenprodukt“
Unternehmen

Für die Deutsche Bundesbank hat das Kursgebaren von Bitcoin & Co. in den letzten Jahren vor allem eines gezeigt: Dass Kryptowährungen weder als Zahlungsmittel noch als Wertspeicher taugen. Anders blickt die Zentralbank auf das Potenzial von Stable Coins. Gegenüber dem Facebook-Coin Libra nimmt die Bundesbank eine argwöhnisch-abwartende Haltung ein.

Trading-App Robinhood sammelt 323 Millionen US-Dollar ein
Trading-App Robinhood sammelt 323 Millionen US-Dollar ein
Invest

Die Trading-Plattform Robinhood sammelt in einer Series-E-Funding-Runde 323 Millionen US-Dollar ein. Damit ist das Unternehmen mit 7,6 Milliarden US-Dollar bewertet. Das Geld soll auch in den Ausbau der Krypto-Sparte fließen, diese ist jetzt bereits in 30 US-Bundesstaaten verfügbar.

Angesagt

Bitcoin-Gerüchteküche: Justin Sun in China angeklagt
Szene

Neues aus der Bitcoin-Gerüchteküche. Gegen Justin Sun soll aktuell ermittelt werden. Die Gerüchte kamen auf, als der Gründer und Vorsitzende der Kryptowährung TRON sein Krypto-Dinner mit Warren Buffet und „Größen“ aus dem Bitcoin-Ökosystem abgesagt hat.

Bitcoin-Börse BitFinex und Tether ziehen sich aus der Verantwortung
Krypto

Der Gerichtsprozess rund um die in Verruf geratene Bitcoin-Börse BitFinex und den Stable-Coin-Anbieter Tether geht in eine neue Runde. Nun sagt einer der Anwälte der Firmen, dass weder BitFinex noch Tether Kunden in den USA betreuen würden.

BaFin genehmigt ersten Immobilien-Token
STO

Die BaFin genehmigt das erste deutsche Security Token Offering (STO) für blockchainbasiertes Immobilieninvestment und das zweite deutsche STO überhaupt. Damit gibt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht den Startschuss für digitale Wertpapiere im Real-Estate-Bereich. Ein neues Anlagevehikel?

WEX: Ex-CEO von Bitcoin-Börse festgenommen
Szene

In dieser Akte stecken eine Menge Fragezeichen. Im Fall um Alexander Vinnik und btc-e.com ist nach über zwei Jahren zwar noch lange kein Ende in Sicht. Nun wurde außerdem der mutmaßliche Nachfolger Vinniks, Dmitry Vasiliev, in Italien gefasst. Unklar ist, ob er die Börse überhaupt übernommen hat. Die zuständigen Behörden halten sich (noch) bedeckt.

Warte mal kurz ... !

Kennst du schon unseren Newsletter? Wir versorgen dich kostenlos mit den spannendsten News der Krypto- und Blockchainszene: