Libra-Vorstoß Facebook drängt mit Jio nach Indien

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Facebook hat jüngst die Umsetzung von Libra nach einem mehrmonatigen Stillstand wieder angetrieben. Durch die Kooperation mit Jio baut Facebook zudem ein Netzwerk in Indien auf, das die Einführung beschleunigen soll.

Ein Gastartikel von Asia Observatory.

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Facebook hat in Indien eine chaotische Geschichte hinter sich. Im Jahr 2013 gründete das Unternehmen Internet.org, mit dem Ziel, Millionen von Menschen in Indien kostenloses Internet anzubieten, was mit einer starken Einschränkung des Internetzugangs verbunden war. Das Unternehmen geriet wegen Verletzung der Netzneutralität in die Kritik, und zog 2016 die Plattform aus Indien zurück, nachdem die Regulierungsbehörden das Projekt abgelehnt hatten.

Facebook hat Indien jedoch nicht aufgegeben. Vor kurzem investierte es jeweils rund 15 Millionen US-Dollar in das Social-Commerce-Unternehmen Meesho und das Edtech-Start-up Unacademy. Es kämpft auch gegen TikTok, das in Indien bis Ende 2020 voraussichtlich 350 Millionen Nutzer haben wird. Letzten Monat schließlich stimmte Facebook zu, 5,7 Milliarden US-Dollar für eine 9,99-prozentige Beteiligung an Jio Platforms mit Sitz in Mumbai zu investieren – die größte ausländische Direktinvestition in indische Technologie, die jemals getätigt wurde.

Facebook bündelt Kräfte mit Jio

Jio Platforms ist eine drei Jahre alte Tochtergesellschaft von Indiens größtem Unternehmen in privater Hand, Reliance Industries. Das Unternehmen umfasst den Musik-Streaming-Dienst JioSaavn, den Video-Streaming-Dienst JioCinema, Smartphones, Breitband, Zahlungen und hält Beteiligungen an Jio Infocomm, dem drittgrößten Mobilfunknetzbetreiber der Welt.

Die zuletzt gemeldete Nutzerzahl von Jio belief sich auf 388 Millionen, während Facebook 700 Millionen eigene Nutzer in Indien hat. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass Mukesh Ambani, der Vorsitzende von Reliance Industries und reichste Mann Asiens, Jio weltweit als Plattform für digitale Dienste wie Google oder Alibaba bekannt machen will.

Eine Zusammenarbeit, mit der die beiden Unternehmen beginnen werden, ist die zwischen JioMart, einem Joint-Venture-E-Commerce-Unternehmen mit Indiens größter Einzelhandelskette, und WhatsApp von Facebook. Benutzer werden über JioMart Artikel in lokalen Geschäften in WhatsApp bestellen können.

Konkurrenz zu Google

Facebook könnte somit zu einem konkurrierenden Zahlungsgeschäft für Google Pay, Alibaba und anderen werden. Der Vizepräsident und Geschäftsführer von Facebook Indien sagte jedoch, dass dies „nur dazu dienen soll, die Kleinunternehmen in der Wirtschaft zu fördern“.

Viele andere haben auf die Tatsache hingewiesen, dass die beiden Unternehmen hinter zwei der profiliertesten Blockchain-Projekte stehen. Reliance Jio kündigte im vergangenen Jahr Pläne an, innerhalb von 12 Monaten das weltgrößte Blockchain-Netzwerk aufzubauen, mit zehntausenden von Knotenpunkten, die vom ersten Tag an betriebsbereit sein sollen.

Damals sagte Mukesh Ambani, dass er das größte Blockchain-Netzwerk der Welt aufbauen wolle:

Durch den Einsatz von Blockchain können wir beispiellose Sicherheit, Vertrauen, Automatisierung und Effizienz bei fast jeder Art von Transaktion erreichen. Und mit Blockchain haben wir auch die Möglichkeit, ein brandneues Modell für den Datenschutz zu erfinden, bei dem indische Daten, insbesondere Kundendaten, durch Technologie im Besitz und unter der Kontrolle der indischen Bevölkerung sind und nicht von Unternehmen, vor allem globalen Konzernen, kontrolliert werden.

Indien lockert Krypto-Verbote

Facebooks Libra ist mit Ausnahme von Bitcoin das wahrscheinlich bekannteste Blockchain-Projekt der Welt. In diesem Jahr öffneten sich die Türen, damit die Währung in Indien funktioniert. Im März hob der Oberste Gerichtshof Indiens ein von der indischen Zentralbank (Reserve Bank of India, RBI) verhängtes Verbot von Zahlungen in Kryptowährung auf. Facebook hatte zuvor angekündigt, dass es Libra aus Indien fernhalten würde, doch diese Ankündigung erfolgte noch vor dem Hintergrund eines allgemeinen Krypto-Verbots.

Daten belegen zudem, dass Indien ein geeigneter und großer Markt für Libra sein könnte. Eine diesjährige Umfrage des britischen Marktforschungsinstituts Ipsos MORI und des wirtschaftspolitischen Think-Tanks „Official Monetary and Financial Institutions Forum“ (OMFIF) ergab, dass Indien eine der höchsten Zustimmungen zu digitalen Währungen hat, viel höher als westliche Länder.

Welchen Unterschied könnte die Partnerschaft zwischen Facebook und Jio für ihre Blockchain-Projekte machen? Beide Unternehmen könnten die Nutzerbasis des jeweils anderen nutzen, um ihren Produkten Starthilfe zu geben. Eine Partnerschaft mit Ambanis Imperium könnte sich auch als hilfreich erweisen, um die Interessen von Facebook durch Lobby-Arbeit zu stärken. Zusätzlich zur öffentlichen Wahrnehmung digitaler Währungen könnte die Dämonisierungspolitik von Premierminister Narendra Modi als Tor zu einer von der indischen Rupie unterstützten Libra fungieren.

Verbleibende Hürden

Doch Namrata Shukla von AMBCrypto, einer Krypto-Währungspublikation, ist von den Spekulationen nicht begeistert. Shukla weist darauf hin, dass Jio Infocomm ihre Position zu digitalen Währungen noch nicht erklärt hat. Darüber hinaus glaubt Shukla, dass die RBI Libra nicht gutheißen würde und sie vor Gericht anfechten oder Gesetzesvorlagen im Parlament voranbringen würde, um digitale Währungen zu beschneiden (das Parlament hat bereits eine Gesetzesvorlage gegen die Kryptowährung zur Prüfung vorgelegt).

Wir werden bis Ende dieses Jahres warten müssen, um zu sehen, ob Jios Blockchain wie geplant zum Vorschein kommt. Was Facebook betrifft, so könnten die indischen Behörden trotz der Akzeptanz digitaler Währungen im eigenen Land nicht darauf warten, dass andere Länder Libra übernehmen, bevor sie dem Beispiel folgen. Nichtsdestotrotz haben zwei der größten Technologiegiganten der Welt vorerst noch die aufregende Gelegenheit, endlich Blockchain-basierte Technologien für Hunderte von Millionen Menschen einzuführen.

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