Phönix aus der Asche Libra-Vorbereitung: Facebook bündelt Kräfte

Moritz Draht

von Moritz Draht

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Moritz Draht

Moritz Draht hat Deutsche Literatur und Philosophie an der Universität Konstanz studiert. Sein Krypto-Engagement widmet sich den Zusammenhängen zwischen soziokulturellen und technischen Entwicklungen.

libra-symbol erscheint unter einem riss in einem blauen papier

Quelle: Shutterstock

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Mit einem gestärkten Netzwerk versucht Facebook, das in Scherben liegende Libra-Projekt durch die Behörden zu bringen – und vollzieht dabei einen Richtungswechsel.

Der Libra-Zug rollt wieder. Nachdem das Projekt des Facebook-Coins im letzten Jahr an den Bedenken der Währungshüter scheiterte und die Libra Association einen Schwund prominenter Mitglieder verzeichnete, erfreut sich das Netzwerk aktuell eines Zustroms neuer Mitstreiter. Nachdem die Wohltätigkeitsorganisation Heifer International bereits vor einigen Tagen zum Netzwerk gestoßen ist, hat die Association nun den Eintritt des Finanzdienstleisters Checkout via Twitter bekannt gegeben:


Als Mitglied Nr. 24 wird Checkout dem offiziellen Blogeintrag zufolge an der Schaffung eines notwendigen Regulierungsrahmens mitwirken, um die massenhafte Einführung des Zahlungsnetzwerks zu beschleunigen. Ohne einen solchen regulatorischen Rahmen sei, so Guillaume Pousaz, Gründer und CEO von Checkout, ein Weiterkommen des Projekts nicht möglich und das nächste Abblitzen an den Regulierungsbehörden vorprogrammiert:

Regulierung sollte angesichts ihrer einzigartigen Fähigkeit, das Ökosystem vor systemischen Missbräuchen zu schützen, ein integraler Bestandteil jedes daraus resultierenden Rahmens sein. Ohne eine solche Regulierung sind wir grundsätzlich davon überzeugt, dass die technologischen Fortschritte allein nicht in der Lage wären, die sichere und stabile Infrastruktur für den Zahlungsverkehr zu schaffen, die für die Massenanwendung erforderlich ist, und damit den Fortschritt behindern würden,

so Pousaz.

Der Checkout-CEO fuhr fort, dass das Unternehmen der Libra Association beigetreten sei, weil das Projekt „die finanzielle Integration von Milliarden von Menschen ohne Bankkonto erhöht, sie zur Teilnahme an der digitalen Wirtschaft befähigt und Ungleichheiten verringert“. Pousaz fügte hinzu, dass die Grundsätze der Association im Einklang mit den Anliegen von Checkout stünden, die Interaktion zwischen Unternehmen und Finanzdienstleistungen auf lange Sicht zu verbessern.

Facebook ändert seine Strategie

Die Welt wurde Zeuge, wie Facebook sich im zurückliegenden Jahr die Zähne an den Regulierungsbehörden ausgebissen hat. Mit großen Ambitionen gestartet, das globale Finanzsystem mit dem Libra-Coin aus den Angeln zu heben, wurde das Projekt jäh durch die Politik ausgebremst.

Im Kern ist der Social-Media-Konzern neben der harschen Kritik am Datenschutz vor allem am Konzept eines durch einen Währungskorb samt Staatsanleihen gedeckten Stable Coins gescheitert. Zudem beurteilten zahlreiche Regulatoren die potenzielle Reichweite des Coins auf dem gigantischen Rücken des Sozialen Netzwerks als Gefahr für die hiesige Währungsordnung. Zwar hat sich die Reichweite von Facebook, das von rund einem Drittel der Weltbevölkerung genutzt wird, seither nicht geändert. Aber die Association hat auf den Vorwurf des Stable-Coin-Konzepts reagiert und eine Änderung am White Paper vorgenommen. Demnach soll es künftig mehrere an länderspezifische Fiat-Währungen gekoppelte Libra-Versionen geben.

Ob dies die Bedenken der Währungshüter ausräumt, bleibt abzuwarten. Mitte des Monats hat Facebook sodann einen neuen Versuch gestartet und einen Antrag für eine Lizenz als Zahlungssystem bei der Schweizer Finanzmarktaufsicht FINMA gestellt – und prompt Kritik aus Übersee erhalten.

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