Patricia Zinnecker, Exklusiv-Interview: Patricia Zinnecker zum Rücktritt von Julian Hosp. Teil 2: „Als CEO kann man willkürlich Entscheidungen treffen“

Quelle: TenX / Patricia Zinnecker / BTC-ECHO

Exklusiv-Interview: Patricia Zinnecker zum Rücktritt von Julian Hosp. Teil 2: „Als CEO kann man willkürlich Entscheidungen treffen“

Teil 2 des Exklusiv-Interviews mit Patricia Zinnecker, ehemalige Head of German Marketing, Communications & Community Management von TenX. Wie es nach dem Bruch mit TenX weiterging. 

Teil 1 verpasst? Hier entlang.

BTC-ECHO: Wie ging es nach der Kündigung weiter?

Patricia Zinnecker: Als ich am nächsten Tag nochmal im Office war, habe ich direkt gemerkt, wie sich die Atmosphäre geändert hat. Vorher war das schon sehr Start-up-mäßig. Jeder hatte seinen Raum, irgendwelche Sitzgelegenheiten und so weiter. Es war recht locker, aber doch arbeitsam.

Als ich dann am nächsten Tag gekommen bin, war es komplett eisig. Da habe ich mir dann auch gedacht: In der Firma, die ich mit aufgebaut hab, kann ich sowieso nicht bleiben. Die gibt es schon gar nicht mehr.


Patricia Zinnecker, Exklusiv-Interview: Patricia Zinnecker zum Rücktritt von Julian Hosp. Teil 2: „Als CEO kann man willkürlich Entscheidungen treffen“
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BTC-ECHO: Wie geht es nach dem Bruch mit TenX für euch weiter?

Patricia Zinnecker: Gute Frage. Kann ich dir leider nicht beantworten. Wir sind gerade alle in einer Findungsphase und überlegen, wie es weitergeht. Genaueres kann ich noch nicht sagen. Ich hätte aber auch nie gedacht, dass ich in so eine Situation komme. Deswegen habe ich auch keinen Plan B.

BTC-ECHO: Was hast du aus der Sache gelernt, willst du unseren Lesern etwas mitgeben?

Patricia Zinnecker: Einer der ersten und wichtigsten Punkte: Ob ihr mitgründen wollt oder in einem Krypto-Start-up teilnehmt: Schaut euch die Co-Founder an. Als CEO kann man scheinbar recht willkürlich Entscheidungen treffen. Da muss man sich fragen: Welche Werte hat dieser Mensch und stimmen diese mit meinen Werten überein? Wie funktioniert das auf der Ego-Ebene? Wenn ihr mitgründet, schaut euch die Co-Founder an. Lernt aus anderen Stories. Warum ist sowas passiert? Und ignoriert keine Warnhinweise.

Was auch wichtig ist, ist die Frage: Gibt es ein (funktionierendes) Board? Wie aktiv sind die Berater? Ich denke, dass man bei Gründungen oft denkt: Ja, sowas machen wir später. Das ist im Prinzip korrekt, alles dauert seine Zeit. Aber wenn die gekommen ist, muss man eben auch handeln, da kommt man nicht drum herum.

BTC-ECHO: Gab es deiner Meinung nach Fehler, die man bei TenX hätte vermeiden können?

Patricia Zinnecker: Toby ist sehr sicherheitsgetrieben, was einerseits auch gut ist, denn gravierende Fehler dürfen nicht passieren. Aber wenn man nur auf Sicherheit achtet, kommt man auch nicht vorwärts.

Es gibt bereits Firmen, die TenX überholen, weil sie nicht nur sicher sind, sondern eben auch Gas geben. Und darauf kommt es an. Wenn Toby nur auf Sicherheit geht und sagt: „Alles, was schnell ist, wird begraben“, weiß ich nicht, wie die Firma weiter überleben soll. Das weiß ich wirklich nicht. Mir tut das weh. Auch wenn ich kein Co-Founder bin, war TenX mein Baby. Es sind inzwischen so viele Leute gegangen. Seit Dezember gibt es zum Beispiel keinen VP of Finance mehr.

Was auch wichtig ist: Ownership. Was ihr anfangt, bringt ihr zu Ende. Im Januar musste ich das ganze deutsche Team gehen lassen. Ich hatte die Leute eingestellt und wollte die Aufgabe, sie zu entlassen, auch selbst übernehmen. Das war furchtbar. Ich konnte ihnen dann natürlich auch keine Gründe nennen: You did an awesome job, but you have to go. Hab ich dann auch gemacht. Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll, aber das ist auch nicht mehr meine Sache, ganz ehrlich.

Ganz viele Leute schreiben mir noch. Die Firma hat keinen Leader mehr. Und ich muss sagen: Sorry, das müsst ihr jetzt selber hinkriegen.

Was auch ein Problem gewesen sein könnte: Vielleicht kam der Hochmut auch davon, dass zu viel Geld auf einmal kam und der ICO so gut lief. [Das TenX-Team sammelte bei der Finanzierung durch einen ICO insgesamt 80 Millionen US-Dollar ein.] Vielleicht würde man das heute alles anders machen und weniger Geld raisen? Ich weiß es nicht.

BTC-ECHO: Du bist neben deiner Unterstützung von Julian Hosp auch CEO von i-unlimited. Seid ihr da noch dran?

Patricia Zinnecker: Was man sagen kann: #cryptofit wird auf jeden Fall weitergehen. Ursprünglich war geplant, dass #cryptofit mit TenX zusammengeschlossen wird. Aufgrund des Tempos ging es aber nie über die Bühne. Für uns ist die Community am wichtigsten. Denn: Ohne Community keine Marke, ohne Marke keine Firma, ohne Firma – nichts.

BTC-ECHO: Würdest du sagen, dass das Zwischenmenschliche gelitten hat?

Patricia Zinnecker: Wie meinst du das?

BTC-ECHO: Du hast viel von Sicherheit gesprochen, auf die Toby auch so viel Wert gelegt hat. Auf der anderen Seite hat man dann Julian Hosp mit sehr viel Einfluss und sehr vielen Followern. Man hat also einerseits diese Medienfigur, andererseits den Präsidenten von TenX. Das hört sich fast so an, als ob Toby da ein Stück weit nicht mithalten konnte.

Patricia Zinnecker: Ja, das fasst das perfekt zusammen. Genau so war es. Ich hab‘s ja schon angesprochen: Toby kommuniziert ungern. Julian sollte diese Rolle ja explizit übernehmen. Das war immer gewünscht. Als es schlecht lief, sollte Julian alles übernehmen und den ganzen Hate abfangen. Und jetzt, wo es gut läuft, muss er gehen.

Das wirkt für mich komisch, Toby konnte mir den Zusammenhang auch nicht verneinen. Das fand ich erschreckend. Da wollte er ja auch wissen, ob ich nicht jemand wüsste, der genauso gut ist, genauso Firmen entwickeln kann und auch noch mit der Community so gut umgehen kann wie Julian. Ich dachte mir: Ernsthaft? Das geht einfach nicht. Da hat die persönliche Ebene sicher einiges beeinträchtigt. Differenzen, die ich mitbekommen habe, bezogen sich auch auf Investments. Julian hatte schon immer ein gutes Händchen bei Investments, was Toby fehlt. Das hat die Eifersucht evtl. geschürt.

BTC-ECHO: Willst du noch etwas loswerden?

Patricia Zinnecker: Ich würde mich echt gern bei der Community bedanken. Das ist der Wahnsinn. Was die uns an Nachrichten und Feedback geschickt haben, war echt wichtig. Ohne die würden wir wahrscheinlich nicht dort sein, wo wir heute sind. Da kamen hunderte Nachrichten rein. Das war schön zu sehen, wer alles für uns da ist. Wer mit uns schockiert war. Da würde ich gerne Danke sagen. Damit hab ich null gerechnet. Ganz im Gegensatz zur Firma, bei der ich mir dachte: Da sind einige Freunde. Und dann habe ich gemerkt: Wir sind keine Freunde. Aber das ist auch ok, das habe ich einfach falsch eingeschätzt, da gebe ich niemandem die Schuld. Und bei der seriösen Presse wie euch. Ihr habt wenigstens nachgefragt. Mit Hatern umzugehen ist echt schwierig.

Update: Am 26. Februar erreichte BTC-ECHO folgende Stellungnahme von TenX-CEO Toby Hoenisch:

At TenX, our people philosophy recognises employees as the very heart and soul of the company, and we value every single member of our team. We are committed towards respecting every employee’s rights and equality in the workplace. Further, where circumstances require us to make decisions in respect of employees, we ensure that they are carefully considered with two-way communication and we act only in an appropriate manner that does not step outside the bounds of our rights as an employer. We would like to clarify that Patricia Zinnecker’s statements are inaccurate in all material aspects and were made without any basis.

Übersetzung:

Bei TenX erkennt unsere Mitarbeiterphilosophie die Mitarbeiter als das Herz und die Seele des Unternehmens an, und wir schätzen jedes einzelne Mitglied unseres Teams. Wir verpflichten uns, die Rechte und die Gleichstellung aller Mitarbeiter am Arbeitsplatz zu respektieren. Darüber hinaus stellen wir sicher, dass die Umstände, unter denen wir Entscheidungen in Bezug auf die Mitarbeiter treffen müssen, durch gegenseitige Kommunikation sorgfältig geprüft werden und handeln nur in einer angemessenen Weise, die nicht über die Grenzen unserer Rechte als Arbeitgeber hinausgeht. Wir möchten klar stellen, dass die Aussagen von Patricia Zinnecker in allen wesentlichen Aspekten unrichtig sind und ohne Grundlage gemacht wurden.

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