Saudi Aramco und Vakt: Erdöl auf der Blockchain Werden neue Branchenstandards dem US-Dollar zum Verhängnis?

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 5 Minuten

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Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Saudi Aramco und Vakt: Erdöl auf der Blockchain
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Der Handel von Rohstoffen und insbesondere von Erdöl ist ein großes Politikum. Die Blockchain-Technologie hinterfragt bestehende Handelsinfrastrukturen und damit das globale Kräftegleichgewicht. Warum der größte Erdölkonzern der Welt in ein Blockchain-Start-up investiert, welche Vorteile Smart Contracts und Tokenisierung im Erdölhandel bringen und warum Dubai neben China gute Chancen hat, die neuen Standards im Rohstoffsektor zu prägen. Ein Kommentar.

Das nach Börsenwert größte Unternehmen der Welt, der staatliche Ölkonzern Saudi Aramco, hat vergangene Woche bekanntgegeben, fünf Millionen US-Dollar in die blockchainbasierte Öl-Handelsplattform Vakt investiert zu haben. Während die investierte Summe dabei letztlich irrelevant ist, ist es das Signal nicht. Vielmehr handelt es sich um ein Puzzlestück von vielen, das die zukünftigen Handelsinfrastrukturen von Erdöl neu ordnen wird. Bestehende Infrastrukturen werden damit in Frage gestellt und nicht zuletzt auch die Leitwährung für den Erdölhandel, der US-Dollar.

Vakt: Kein unterfinanziertes Start-up


Das Start-up Vakt möchte den Handelsprozess im Rohstoffhandel, insbesondere bei Erdöl, mithilfe von Smart Contracts, Tokenisierung und neuen Blockchain-Infrastrukturen deutlich effizienter machen. Schließlich ist die Handelsabwicklung entlang der Wertschöpfungskette mit nach wie vor enormen Ineffizienzen und Bürokratie verbunden.

Zwar handelt es sich bei Vakt um ein vermeintlich unabhängiges Unternehmen, dennoch stehen hinter der Gründung die weltweit wichtigsten Akteure im Erdölgeschäft. Seien es die Ölkonzerne Shell, BP oder Total, die Banken Société Générale, ING oder ABN Amro oder andere Akteure in der Öl-Wertschöpfungskette wie KOCH oder Gunvor: Vieles deutet darauf hin, dass hier an den Standards von Morgen gearbeitet wird.

Dass nun auch noch das größte Erdölunternehmen der Welt mit von der Partie ist, macht das Projekt umso schlagkräftiger. Die Chance, neue Branchenstandards im weltweiten Erdölhandel zu setzen, steht damit nicht schlecht.

Erdöl ist immer politisch

Spannend an dem Zusammenschluss ist die politische Dimension. Schließlich geht es bei Erdöl auch immer um nationale Interessen. Dies gilt umso mehr, wenn sich der staatliche Ölkonzern Saudi Aramco einbringt. Die Schlagkraft einer solchen neuen Branchenplattform ist damit enorm. Durch den Zusammenschluss der genannten strategischen Investoren stehen praktisch unbegrenzt finanzielle Mittel zur Verfügung.

Die Interessen und Standards, die man mit einer neu aufgestellten Handelsinfrastruktur verfolgt, können unterschiedlicher Natur sein. Da wäre zum einen die Handelsfinanzierung, die vor allem für Banken und Logistikdienstleister interessant ist. So können beispielsweise Akkreditive via Smart Contract schnell und im Einvernehmen mit allen Akteuren abgewickelt werden. Klassische Rohstoffhändler wiederum können vor allem Interesse an der Tokenisierung von Öl oder Gas haben, um beispielsweise von liquideren Märkten zu profitieren.

Möge die beste (Digital-)Währung gewinnen

Für Staaten wie Dubai könnten die neuen Handelsinfrastrukturen Unabhängigkeit von bestehenden, vor allem US-amerikanisch geprägten Strukturen bedeuten. Insbesondere die Umstellung auf Token-Infrastrukturen bietet die Chance, den bestehenden Status der Leitwährung US-Dollar zu hinterfragen. Das bedeutet nicht, dass man nicht auch weiterhin Erdöl-Geschäfte in US-Dollar abwickelt, sondern lediglich, dass jede Veränderung einen Wechsel bestehender Standards begünstigt.

Sehr wahrscheinlich werden in den nächsten Jahren digitale Zentralbankwährungen Einzug halten, die bei der Abwicklung solcher Transaktionen genutzt werden. Insbesondere mit dem Aufkommen von Künstlicher Intelligenz und dem Internet der Dinge ist programmierbares Geld wichtig. Aktuell sind es nicht die USA, sondern China, das im Rennen um die erste Central Bank Digital Currency (CBDC) das Feld anführt.

Neue Standards, neues Glück

Interessant werden solche neuen Strukturen insbesondere für die erdölreichen Länder wie Iran oder Venezuela sein, die von USA-Sanktionen betroffen sind. Mit tokenbasierten Öl-Handelsplattformen wäre man auch von der bestehenden Bankeninfrastruktur unabhängig.

Wenn wie im Fall vom Iran ein Ausschluss aus dem SWIFT-Zahlungsverkehrssystem stattfindet, dann wäre dies kein Genickbruch mehr. Natürlich heißt das noch lange nicht, dass der Iran auf anderen Abwicklungsstrukturen, ganz gleich ob Blockchain oder nicht, willkommen ist, aber sehr wohl, dass die Rahmenbedingungen andere sind.

Während SWIFT zu den alten Standards des in erster Linie westlich geprägten Finanz- und Wirtschaftssystems zählt, würden neue Standards mit hoher Wahrscheinlichkeit einen stärkeren Einfluss anderer Regionen, insbesondere Asien, beinhalten. Eine Verkettung mehrerer neuer Standards kann wiederum dazu führen, dass am Ende die ganz große Frage gestellt wird: Muss der US-Dollar wirklich ein Monopol im Rohstoffsektor haben?

Ziemlich clever: Dubai und China 

Dass Dubai und China mehr als praktisch jede andere Nation auf die Blockchain-Technologie setzen, hat vor allem realpolitische Hintergründe. Seit dem Internet gab es keine vergleichbare Chance mehr, neue globale Standards zu setzen. Das Aufkommen der Blockchain-Technologie bedeutet nichts anderes, als dass die Karten im weltweiten Kräftemessen neu gemischt werden. Dubai und China sind clever genug, verstanden zu haben, welche Chance das für sie bedeutet.

Da Saudi-Arabiens Volkswirtschaft wesentlich auf Erdöl basiert, ist es absolut schlüssig, auch genau in dieser Branche Standards setzen zu wollen. Entsprechend nachvollziehbar ist die Investition in Vakt. Man möchte mit am Verhandlungstisch sitzen. Gemäß der Blockchain-Strategie Dubais soll noch dieses Jahr die Verwaltung des Emirats signifikant auf Blockchain-Infrastrukturen umgestellt werden. So heißt es auf der offiziellen Homepage von Smart Dubai:

Dubai wird die erste Stadt sein, die 2020 voll und ganz auf Blockchain setzt,

wie sich H. H. Sheikh Mohammed bin Rashid Al Maktoum zitieren lässt. Gerade verwaltungstechnisch hat Dubai gute Chancen, sich an die weltweit erste Stelle abzusetzen.

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