Eine Klarstellung: Gibt es illegale Pornos auf der Blockchain?

Dr. Philipp Giese

von Dr. Philipp Giese

Am · Lesezeit: 5 Minuten

Dr. Philipp Giese

Dr. Philipp Giese arbeitet als Chief Analyst für BTC-ECHO und ist auf die Bereiche Chartanalyse und Technologie spezialisiert. Der promovierte Physiker kann dabei auf jahrelange Berufserfahrung als technologischer Berater zurückgreifen. Zudem ist er zentraler Ansprechpartner im Discord-Channel von BTC-ECHO und pflegt als Speaker und Interviewer den Austausch mit Startups, Entwicklern und Visionären.

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Am 21. März hat BTC-ECHO über den jüngsten Skandal bezüglich illegaler Pornos auf der Bitcoin-Blockchain berichtet. In dieser Studie wurden Texte auf der Bitcoin-Blockchain genauer untersucht. Dabei wurden einige schlimme Dinge gefunden. Dieser Artikel soll eine Einordnung geben. 

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30. Juni 2019 05:06 Uhr von Danny de Boer

Eine Kolumne von Philipp Giese

Es gibt Neuigkeiten, die sehr ungerne angefasst werden. So war gestern, am 21. März das heiße Eisen in der BTC-ECHO-Redaktion die Welle an Artikeln über Kinderpornographie auf der Bitcoin-Blockchain. Der Ursprung war an sich recht sachlich: Eine Gruppe Forscher aus Aachen haben die Texte, die mit Bitcoin-Transaktionen auf der Blockchain niedergelegt werden konnten, etwas genauer analysiert. Das Paper ist prinzipiell lesenswert, ihre Konklusion ist jedoch etwas zu alarmistisch gewesen. Diese Stimmung breitete sich in der Medienwelt aus.

Die Welt wirkte zweigeteilt. Auf der einen Seite jene, die Bitcoin verbieten wollten. Die behaupteten, dass jeder, der Bitcoin besäße, nun ein Distributor von kinderpornographischem Material sei. Doch auch die andere Seite war nicht viel besser. Nicht wenige haben mit wenig Reflektion “Fakenews” und FUD geschrien.


Da jenen, die Bitcoin etwas länger kennen, die im Paper angeschnittene Schattenseite eines pseudonymen Netzwerks bekannt ist, haben auch wir einen Artikel dazu geschrieben. Wir haben in diesem Artikel versucht, den Investoren zum Einen die Tatsachen, zum Zweiten eine Einordnung jenseits irgendwelchem FUD zu geben.

Hat man tatsächlich Kinderpornographie auf der Blockchain gefunden?

Im Krypto-Investment-Bereich hat sich das Akronym DYOR durchgesetzt: Man solle, statt Shilling oder FUD Tür und Tor zu öffnen, seine eigenen Untersuchungen anstellen – Do your own research. Dazu wollen wir, soweit es möglich ist, nun einladen.

Vor zwei Jahren hat BTC-ECHO beschrieben, wie man Texte auf der Bitcoin-Blockchain finden kann. Bitcoinstrings.com ist weiterhin erreichbar und wird auch weiter aktualisiert. Die Seite listet alle Texte auf, die in der Coinbase einer Bitcoin-Transaktion zu finden ist.

Ein Blick auf die genannte Seite zeigt – leider – dass die Vorwürfe zwar nicht neu, aber nicht komplett ungerechtfertigt sind: Durchsucht man alle Texte nach Schlüsselwörtern wie “child porn”, “child-porn” oder nach Links in das Tor-Netzwerk, dann wird man leider fündig:

Es ist also ein Fakt, dass mehrere Links zu kinderpornographischen Seiten ins Dark Net existieren.

Den Vorwurf, dass sich ein Bild auf der Blockchain finden würde ist natürlich so inkorrekt: Innerhalb der Coinbase können nur Textsnippets gespeichert werden. Nun kann man sicherlich bestimmte Zeichenketten mit bestimmten Programmen in Bilder umwandeln, aber dieser Weg steht beileibe nicht jedem offen.

Kommt man nun mit Hilfe der Bitcoin-Blockchain auf Kinderpornoseiten?

Wir haben es nicht ausprobiert, aber seien wir ehrlich: Die Links sind aus den Urzeiten der Bitcoin-Blockchain. 134 von 156 Links auf .onion-Domains finden sich in der Datei blk00052.txt. Die jüngste Datei trägt den Titel blk01215.txt. Leider sind auf der Seite keine Zeitstempel unterlegt. Aber insgesamt ist zu betonen, dass die Kinderporno-Links, soweit wir es sehen konnten, eine einmalige Sache auf der Blockchain waren und nun lange Vergangenheit sind.

Alle später kommenden .onion-Links weisen entweder direkt einen anderen Zusammenhang auf oder können zumindest nicht direkt mit Kinderpornographie assoziiert werden.

Sind illegale Pornos das primäre Material auf der Bitcoin-Blockchain?

Absolut nicht. Ganz davon abgesehen, dass diese zusätzlichen Texte weit von dem eigentlichen Use Case der Bitcoin Blockchain entfernt sind ist der Großteil der Texte harmlos. Auf Basis der Textmenge könnte Bitcoin eher unterstellt werden, ein Propagandainstrument der Kirche zu sein:

Vieles weitere wie Chatlogs mit Bitcoin-Urgesteinen wie Luke Dashjr, Peter Todd oder Jeff Garzik finden. Es findet sich also alles mögliche. Das kinderpornographische Material ist ein tragischer, aber verschwindend kleiner Teil davon.

Hat nun jeder Bitcoin-Besitzer Links zu Kinderpornographie auf seinem Rechner?

Keineswegs. Die meisten Leser werden wahrscheinlich ein Mobile Wallet, ein kleines Desktop Wallet oder ein Hardware Wallet betreiben und ihre Bitcoins darüber verwalten. Vielleicht haben sie diese auch auf Exchanges liegen. So oder so werden sie nicht die Bitcoin-Blockchain heruntergeladen haben und diese mit der Welt teilen.

Selbst im Fall einer Node ist noch zwischen einer Pruned Node und einer Full Node zu unterscheiden. Eine Pruned Node hat nicht die gesamte Transaktionshistorie heruntergeladen. Entsprechend spricht man lediglich von Full Nodes.

Was heißt das nun für die Bitcoin-Blockchain?

Sicher, an sich könnten nun Gesetzesvertreter behaupten, dass Hoster einer Full Node Links zu kinderpornographischen Material gehostet hätten. “Sowas muss dann doch verboten werden!” hört man schon einige hysterisch schreien. Das ist natürlich ähnlich lächerlich wie einen Cloud Service zu verbieten, weil ein kleinster Bruchteil des Speicherplatzes für Kinderpornographie genutzt wurde.

Wir wagen einen anderen Ansatz.

Nehmen wir mal an, dass diese Webseiten tatsächlich noch vorhanden sind. Das kann man zwar auch bezweifeln, schließlich werden kinderpornographische Webseiten im Dark Net durchaus auch verfolgt, aber nehmen wir mal an, dass diese Links noch funktionieren.

Sollte dem so sein, wäre es dann nicht sinnvoller, seitens der Kriminalpolizei dort anzusetzen? “Don’t shoot the messenger” sagt ein Bonmot. Die Bitcoin-Blockchain hat Links zu perversen Material nun schon einige Jahre konserviert – könnte also sein, dass die Justiz durch diese Links auf die Seiten erst aufmerksam wird.

Mehr noch: Wie bekannt ist, ist Bitcoin pseudonym. Vielleicht können dank der Blockchain die Schweine, die diese Links in die Coinbase mehrerer Transaktionen packten, überführt werden. Denn auf einer Blockchain gibt es keine Spuren, die “kalt werden” – die Blockchain ist nicht manipulierbar. Gerade zur Verbrechensbekämpfung ist das gut so!

BTC-ECHO


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