Versteckte Kinderpornografie in der Bitcoin-Blockchain

Quelle: Closeup of young male theift in sweatshirt with hood transfering money from bills of stolen creding cards via Shutterstock

Versteckte Kinderpornografie in der Bitcoin-Blockchain

Wissenschaftler der Universitäten in Aachen und Frankfurt a. M. haben versteckten Content auf der Bitcoin-Blockchain untersucht. Dabei hat man unter anderem Links zu Kinderpornografie gefunden. Dies könnte eine Kriminalisierung der gesamten Blockchain-Industrie zur Folge haben.

Eine tiefergehende Einordnung dieser Ergebnisse findet sich in einer Kolumne von Philipp Giese. 

Eine Blockchain dient dazu, alle getätigten Transaktionen aufzuzeichnen. Durch die dezentrale Speicherung der Blockchain werden Veränderungen und Manipulationen unmöglich. Das ist bekanntermaßen die große Innovation hinter Bitcoin. Neben den Transaktionen können jedoch auch weitere Dateien auf der Blockchain gespeichert werden. Wie das funktioniert, haben wir hier erklärt.

Erkenntnisse der Studie

Eine Forschergruppe aus Aachen und Frankfurt hat diese versteckten Dateien nun analysiert. Dabei konnten sie feststellen:

„Bitcoins Blockchain enthält mindestens acht Dateien mit sexuellem Inhalt. Während fünf Dateien nur harmlosen pornografischen Inhalt zeigen, beschreiben oder verlinken, halten wir die restlichen drei Fälle für strafbar nach nahezu allen Rechtsprechungen: Zwei davon sind Link-Listen zu Kinderpornografie, enthalten sind 274 Links zu Webseiten, wovon 142 auf einen durch Tor geschützten Bereich verweisen. Der dritte Fall ist ein Bild, das eine nackte junge Frau zeigt.“

Neben den genannten Fällen von Kinderpornografie konnten auf der Bitcoin-Blockchain mehrere Verletzungen von Persönlichkeitsrechten festgestellt werden. Dazu gehören mindestens zwei Fälle, in denen Informationen wie Bankkonten, Passwörter, Adressen und Online-Identitäten der betroffenen Personen offengelegt wurden.

Welche Folgen hat das für Bitcoin?

Die Möglichkeit, dass strafbare oder schädliche Dateien in der Bitcoin-Blockchain gespeichert werden, ist seit mindestens zwei Jahren bekannt. Auch BTC-ECHO hat schon über versteckte Botschaften auf der Bitcoin-Blockchain berichtet. In der Studie aus Aachen und Frankfurt wurde die Blockchain jedoch zum ersten Mal systematisch untersucht. Problematisch ist die Nutzung der Blockchain zu kriminellen Zwecken vor allem deshalb, weil sie auf zahlreichen Computern gespeichert ist. Jeder, der die Blockchain herunterlädt, gelangt in den Besitz aller darauf gespeicherter Dateien. Die Forscher schreiben dazu:

„Auch wenn dazu noch keine Gerichtsentscheide existieren, Gesetzestexte aus Ländern wie Deutschland, Großbritannien und den USA legen nahe, dass illegaler Inhalt wie Kinderpornografie den Besitz der Blockchain für alle Nutzer illegal machen könnte.“

Die Verbreitung von Kinderpornografie zeigt ein großes Dilemma des Bitcoin. Auf der einen Seite sind fehlende Kontrollinstanzen gewollt, sie sind sogar eine der Stärken des Bitcoin und der zugehörigen Blockchain. Dadurch ist der Bitcoin sicher vor Fälschungen und Manipulationen. Auch Whistleblower und Journalisten können sich staatlicher Zensur und Kontrolle entziehen, wenn sie ihre Informationen auf einer Blockchain speichern. Auf der anderen Seite hat der Nutzer der Blockchain keine Möglichkeit, die dort hinterlegten Dateien abzulehnen. Dazu gehören eben Kinderpornografie und streng vertrauliche, personenbezogene Daten. Eine der großen Fragen in Bezug auf die Zukunft der Blockchains wird es daher sein, das richtige Augenmaß zwischen freiem Netzwerk und notwendigen Kontrollmechanismen zu finden.

Der Versuch einer Einordnung

Natürlich sind die Untersuchungsergebnisse dramatisch und demonstrieren ein Damoklesschwert, welches über der gesellschaftlichen Akzeptanz von Bitcoin schwebt. Es demonstriert auf eine teuflische Weise die Schattenseite der Freiheit. Forderungen, dass derartige Inhalte von der Blockchain verschwinden müssen, sind mehr als nachvollziehbar. Entsprechend wurde an verschiedenen Stellen im Netz schon über Lösungen mithilfe einer Hard Forks oder eines Umstellens auf Pruned Nodes diskutiert. Pruned Nodes speichern nur die jüngste Geschichte, sodass diese Links verschwinden würden.

Dennoch sind verschiedene Dinge zu betonen:

  1. Nicht jeder, der Bitcoin nutzt, besitzt die Blockchain. Ein Großteil der Nutzer arbeitet mit Wallets, welche weder das Mitversenden noch das Empfangen von nicht zahlungsrelevanten Daten gestatten. Entsprechend sind Besitzer einer normalen Wallet keineswegs Distributoren von Kinderpornografie.
  2. Selbst die Nodes, welche die Blockchain verwalten, sind Full Nodes und haben entsprechend die gesamte Blockchain heruntergeladen. Den oben angesprochenen Pruned Nodes kann man also ebenso wenig den Vorwurf einer Distribution von kinderpornografischen Inhalten machen.
  3. Die Forscher konnten auf der gesamten Bitcoin-Blockchain 274 Links zu illegalen pornografischen Inhalten detektieren. Zusätzlich konnten sie zwei pornografische Bilder auf der Blockchain finden. Ob diese Webseiten noch betrieben werden, ist unbekannt. Von einem „Distributor für Kinderpornografie“ zu sprechen, wie es verschiedene Mainstream-Medien taten, ist irreführend, wenn ein verschwindend geringer Teil der fast 200 GB großen Blockchain mit schrecklichen Links und in Textform gespeicherten Bildern besudelt wurde.
  4. Bitcoin ist pseudonym und, wie jüngst von Edward Snowden gezeigt, transparenter als viele Nutzer dachten. Diese Transparenz bietet eine Chance, die Übeltäter zu erwischen. Während auf klassischem Weg eine Spur„kalt“ wird, kann dies im Rahmen einer unveränderlichen Blockchain nicht geschehen.

Statt also die Bitcoin-Blockchain, die Hoster von Nodes oder gar alle Bitcoin-Nutzer mit Pädophilen in einen Topf zu werfen, bietet sich viel mehr die Chance, diese Technologie zur Überführung der Täter zu nutzen.

BTC-ECHO

Jetzt in Kryptowährungen investieren: Kryptowährungen kaufen, verkaufen oder traden – wir haben die besten Broker, Börsen und Zertifikate zusammengestellt: Bitcoin kaufen | Ether kaufen | Ripple kaufen | IOTA kaufen | Broker-Vergleich

Mehr zum Thema:

Ähnliche Artikel

Bitcoin ist krisensicher: Was man zum neuen Grayscale-Bericht wissen muss
Bitcoin ist krisensicher: Was man zum neuen Grayscale-Bericht wissen muss
Bitcoin

Gold ist ein Wertspeicher, Bitcoin möchte es gerne sein. Es ist kein Mythos, dass die sogenannten riskoarmen Assets, also Cash-Positionen und Gold, im Gegensatz zu volatileren Anlageklassen wie Immobilien oder Aktien in Zeiten ökonomischen Abschwungs gut performen. Wer sich gegen globale Liquiditätskrisen absichern will, der hält Gold, so der Tenor. Ob auch Bitcoin in Zeiten des ökonomischen Abschwungs seinem Narrativ als nicht-korreliertes Asset gerecht werden kann.

Breez lanciert Lightning-App fürs iPhone
Breez lanciert Lightning-App fürs iPhone
Bitcoin

Breez lanciert seine erste Lightning-App auf iOS. Somit wird es Breez-Usern in Zukunft möglich sein, Bitcoin Payments übers iPhone zu tätigen. Die Transaktionen laufen über einen Breez Hub, welcher mit Lightning Nodes verbunden ist. Sicherheit liefern sogenannte „Balance Sheets“, welche Peer-to-Peer-Wiederherstellungspunkte bilden. Zunächst wird die Beta-Version auf der Test-Plattform TestFlight laufen.

Newsletter

Die aktuellsten News kostenlos per E-Mail

Finde einen Job mit Zukunft

    Aktuell

    Binance launcht Bitcoin-gedeckten Token auf eigener Blockchain
    Binance launcht Bitcoin-gedeckten Token auf eigener Blockchain
    Altcoins

    Binance DEX hat den Handel für Bitcoin BEP2 (BTCB) eröffnet und ein BNB/BTCB-Handelspaar notiert. Die dezentrale Handelsplattform will demnächst weitere Token herausbringen, die zu 100 Prozent durch native Coins gedeckt sind. Die Krypto-Reserven der Token werden für jedermann auf der Blockchain einsehbar sein.

    Zcash Foundation und Parity entwickeln zcashd-Alternative Zebra
    Zcash Foundation und Parity entwickeln zcashd-Alternative Zebra
    Altcoins

    Eine Kollaboration zwischen den IT-Unternehmen Parity und Zcash Foundation arbeitet an einer Open-Source-Software namens Zebra. Der Zcash Client ist am 17. Juni releast worden und bildet eine Alternative zu zchashd. Zebra ist nämlich komplett in der Programmiersprache Rust verfasst worden. Im Gegensatz zu zchashd läuft es also nicht über elektrische Coins. Somit wird die Zcash Foundation zu einem Multi-Client-Anbieter. Dies soll nach Sicherheitslücken das Netzwerk stabilisieren.

    Bitcoin ist krisensicher: Was man zum neuen Grayscale-Bericht wissen muss
    Bitcoin ist krisensicher: Was man zum neuen Grayscale-Bericht wissen muss
    Bitcoin

    Gold ist ein Wertspeicher, Bitcoin möchte es gerne sein. Es ist kein Mythos, dass die sogenannten riskoarmen Assets, also Cash-Positionen und Gold, im Gegensatz zu volatileren Anlageklassen wie Immobilien oder Aktien in Zeiten ökonomischen Abschwungs gut performen. Wer sich gegen globale Liquiditätskrisen absichern will, der hält Gold, so der Tenor. Ob auch Bitcoin in Zeiten des ökonomischen Abschwungs seinem Narrativ als nicht-korreliertes Asset gerecht werden kann.

    „Facebook Coin“ Libra enthüllt – Der Pseudo-Bitcoin
    „Facebook Coin“ Libra enthüllt – Der Pseudo-Bitcoin
    Altcoins

    Der Schleier um die Kryptowährung aus dem Hause Facebook ist gelüftet: „Libra“ – so der Name der Kryptowährung, an der sich zahlreiche Großunternehmen beteiligen – will als globale „Währung für alle“ antreten. Dabei steht und fällt der Erfolg von Libra mit der Größe des Netzwerks – eine der wenigen Gemeinsamkeiten, die Libra mit richtigen Kryptowährungen verbindet.

    Angesagt

    Cannabis-Tracking auf der Blockchain: Bald auch in US-Drugstores?
    Blockchain

    Die Nutzung von Blockchain für das Tracking von medizinischem Cannabis weckt international Interesse. Nach Kanada erwägen nun scheinbar auch Pharmaketten in den USA, die Blockchain-Technologie dafür zu nutzen. An einem entsprechenden  Pilotprojekt der größten kanadischen Drogeriekette Shoppers Drug Mart nehmen etwa 1.300 Apotheken teil. Während Blockchain-Tracking von Pharmaprodukten seit geraumer Zeit Beachtung im Gesundheitswesen findet, ist die Anwendung der Technologie bei Cannabis neu. Laut Shopper-CEO Weisbrod könnte sie die Branche revolutionieren.

    Echtheitsgarantie dank Blockchain: Polnische Bank Alior setzt auf Ethereum
    Ethereum

    Die polnische Bank Alior will Kunden eine Echtheitsgarantie ihrer Dokumente bieten. Dabei setzt sie auf die öffentliche Ethereum Blockchain. Auf dieser will die Bank künftig Hashes, digitale Signaturen von Kundendokumenten, speichern. Mit dem Vorstoß antwortet Alior auf entsprechende Vorschriften des polnischen Gesetzes. Dieses verpflichtet Banken, Geschäftsunterlagen dauerhaft nachweislich zu sichern.

    Ripple verkündet Partnerschaft mit MoneyGram – XRP im Einsatz
    Altcoins

    Das kalifornische FinTech-Unternehmen Ripple hat eine strategische Partnerschaft mit dem Zahlungsdienstleister MoneyGram verkündet. Demnach soll bei MoneyGram-Überweisungen künftig die xRapid-Technologie von Ripple zum Einsatz kommen – und damit auch die hauseigene Kryptowährung XRP. Medienberichten zufolge wird Ripple im Zuge der Partnerschaft bis zu 50 Millionen US-Dollar in MoneyGram investieren.

    Coincheck Hack: Stecken russische Hacker hinter dem Krypto-Verbrechen?
    Sicherheit

    Der Hack der japanischen Bitcoin-Börse Coincheck wurde bis heute nicht aufgeklärt. Bislang galten nordkoreanische Hacker als Hauptverdächtige. Neueste Erkenntnisse lassen indes Zweifel an dieser Version aufkommen. Stecken vielleicht doch russische Cyberkriminelle hinter dem Angriff?

    ×
    Credits (Lumen) im Wert von 10 EUR geschenkt!

    +

    Gewinne 1.000, 500 oder 250 EUR in Stellar!

    Die Revolution der Online-Zahlung geht in die nächste Phase!

    Sei dabei:

    Mit Anmeldung in unserem Newsletter erhältst du automatisch am 01.07.2019 100 Credits (Lumen) im Wert von 10 EUR geschenkt und hast die Chance auf tolle Gewinne. Weitere Infos folgen.

    Ich stimme zu, dass meine E-Mail-Adresse für den Versand des Newsletters gespeichert und verarbeitet wird. Weitere Hinweise