Die Daten-Diktatur oder: Warum Dezentralität die Zukunft ist

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 7 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Gute Transparenz, schlechte Transparenz: Wie die Blockchain-Technologie unser zukünftiges Ich retten kann

Quelle: Shutterstock

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Der Begriff Transparenz ist ein Schlagwort, das gerne inflationär in Business Meetings gebraucht wird. Transparenz stilisiert sich immer häufiger zu einem Fortschrittsversprechen, ohne dass dabei zwischen zerstörerischer und schützender Transparenz unterschieden wird. Inmitten dieses Diskurses befindet sich die Blockchain-Technologie, die vor allem für eines steht: unwiderrufliche Transparenz. Wie total sie wirklich ist und sein darf und warum uns ausgerechnet die Blockchain-Technologie vor einer totalitären Transparenz schützen kann.

Ein Werkzeug gegen Korruption und Machtmissbrauch. Das ist, was das dezentrale und öffentliche Konzept der Blockchain-Technologie verspricht. Kein Vertuschen korrupter Verwaltungsvorgänge, keine Mittelsmänner, die sich ungerechtfertigt bereichern und vor allem die Sicherheit, den Ursprung einer jeden Transaktion, ganz gleich welcher Natur, zurückverfolgen zu können.

Das Narrativ der Blockchain-Technologie

Während das politische Transparenzversprechen vor allem in Ländern mit defizitären und undemokratischen Institutionen gefällt, ist es in den demokratischen Industrienationen vor allem das Versprechen, die Privatsphäre zu schützen und persönliche Daten eigenständig zu kontrollieren. Die Blockchain erfüllt hierbei zwei unterschiedliche Funktionen. Zum einen soll sie Licht ins Dunkel bringen, wo das Misstrauen groß ist. Zum anderen aber soll sie Daten anonymisieren und den Nutzern die volle Kontrollmöglichkeit geben. Dadurch möchte man ungewollte Transparenz vermeiden und die Autonomie des Individuums erhöhen. Nicht mehr Facebook, Google oder Amazon sollen auf den Datensilos sitzen, sondern jeder soll selbst über seinen Datenschatz verfügen und die Datentransparenz kontrollieren.

Bis dato wird mit Bestätigung der AGBs und dem damit verbundenen Nutzungsrecht der persönlichen Daten eine Transparenzvollmacht an das jeweilige Unternehmen, den Staat oder die Organisation ausgestellt. Man bezahlt die Dienstleistungen nicht mit seinem Geld, sondern mit seinen Daten. Geht es nach den Vorstellungen einiger Blockchain-Befürworter, so sollte diese „Vorauswahl“ nicht automatisch zentralen Entitäten zugesprochen werden.

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Die Gefahr von Datenlecks und Vorfälle wie Cambridge Analytica unterminieren das Vertrauen in zentralisierte Datenzentren. Stattdessen strebt man eine Abwicklung über dezentrale Infrastrukturen, die eine Transparenzkontrolle ausgehend vom Nutzer ermöglicht, an. Es besteht dann keine zentrale Entität mehr, die die Daten sammelt, verifiziert und monetarisiert, sondern ein dezentrales Netzwerk, das all diese Aufgaben durchführt.

Transparenz wider Willen: Der Haken mit der Privatsphäre

Ob man Privatsphäre-Eingeständnisse zulässt, um Gegenleistungen wie Geld oder Zugang zu Dienstleistungen zu bekommen oder sich Eintritt zu verschaffen, hängt von der Entscheidung des Individuums ab. Ohne Transparenz-Eingeständnisse kann man allerdings nicht reisen, bekommt keinen Job und kann bislang nicht mal ein Fahrrad ausleihen. Jeder muss etwas über sich preisgeben, wenn er etwas haben möchte – ökonomisch, sozial und gesellschaftlich.

Fragen müssen neu gestellt werden

Durch die potentielle Möglichkeit zur Anonymisierung und Eigenverwaltung von Daten und der damit einhergehenden Transparenzhoheit, stehen wir vor neuen Fragestellungen. Bis zu welchem Grad muss ich meine persönlichen Daten noch preisgeben, wenn Dienstleistungen über Blockchain-Plattformen abgewickelt werden? Wie stark kann die Blockchain-Anonymisierung zum Privatsphäreschutz effektiv beitragen? Wie viel sind meine Daten, was ist mir meine Privatsphäre wert? Und vor allem: Ist es nicht nur eine vermeintliche Wahl, wenn ich zwar selbst über die Freigabe meiner Daten entscheiden kann, aber aufgrund von ökonomischen oder gesellschaftlichen Zwängen am Ende doch keine Wahl habe?

Wenn mir beispielsweise ein soziales Netzwerk für die Offenlegung meiner persönlichen Daten 120 Euro im Monat bezahlt und ich auf dieses Geld angewiesen bin, dann wird Transparenz vor allem eines: ein Gradmesser zwischen arm und reich. Bereits heute zeigt sich, dass man viel mehr über Armut als über Reichtum weiß. Reichtum ist viel schwerer statistisch zu erfassen und zu definieren als Armut. Wenn Privatsphäre zukünftig immer stärker zu einem Luxusgut wird, dann wird auch dies die Unterschiede zwischen arm und reich noch weiter befeuern.

Während sich die vermögende Person Privatsphäre leisten kann, ist der Mittellose zur absoluten Transparenz gezwungen. Um diesen sozioökonomischen Konflikt zu unterbinden, ist es essentiell, nicht zuletzt durch staatliche Gesetze, personenbezogene Daten zu anonymisieren und von der Einsicht zentraler Intermediäre zu schützen.

Dass Institutionen und Behörden hier in einem Interessenkonflikt stecken, ist naheliegend. Das Problem dabei ist nicht die Verwendung der Daten an sich, sondern vielmehr die Zuordnung der Daten zu einem bestimmten Menschen. Die Kryptographie, die die Blockchain-Technologie bietet, ist also elementar, wenn man ernsthaft beabsichtigt, die Privatsphäre aller Bevölkerungsschichten zu schützen.

Blockchain ist mehr als nur ein Tool für Daten-Hypochonder

Die ökonomische Relevanz von Daten wächst geradezu exponentiell. Wertschöpfung und Interaktion werden immer stärker durch Technologien wie Künstliche Intelligenz, das Internet der Dinge oder Virtual Reality ins Digitale, ergo ins Datenbasierte, transformiert.

Mit folgendem fiktiven Beispiel kann man sich dieses Wachstum vorstellen. Angenommen, die Daten eines durchschnittlich vermögenden Mitteleuropäers sind heute 2.000 Euro wert. Dann werden sie in fünf Jahren 6.000 Euro und in 15 Jahren 40.000 Euro wert sein. Warum? Weil die Wertschöpfung zunehmend im digitalen Raum und automatisiert geschieht und nicht mehr im physischen sowie manuellen. Ergo nähert sich der Wert der Daten immer stärker der eigentlichen Kaufkraft des jeweiligen Individuums an.

In diesem Digitalkreislauf werden Daten zu einem Treibstoff, ohne den praktisch nichts mehr funktioniert. Die Frage danach, wie viel Transparenz wir zulassen, wird ökonomisch auf die Spitze getrieben. Wir bezahlen mit unseren Daten und werden nach eben diesen vermessen und bewertet.

Der Zero Knowledge Proof

Konkret geht es also um die Begrenzung der persönlichen Transparenz gegenüber der Außenwelt. Die einzige Möglichkeit, diese in einer vollends digitalisierten Welt zu schützen, besteht in der Verschlüsselung und damit einhergehenden Anonymisierung. Es braucht also eine Art Zwischenlayer, bei dem personenbezogenen Daten verarbeitet werden, ohne dass Menschen diese einsehen können. Unter dem Begriff Zero Knowledge Proof werden Projekte und Konzepte zusammengefasst, die genau dies versuchen umzusetzen.

Ausschlaggebend ist hierbei die Kryptographie, die diesen Privatsphäreschutz gewährleisten kann. Bei diesem Privatsphäreschutz geht es nicht um anarchistisches Wunschdenken. Es geht nicht darum, mit anonymen Kryptowährungen wie Zcash im Darknet zu bezahlen, sondern darum, den Ausverkauf unserer Person zu verhindern. Wenn wir in Zukunft Gehirncomputer tragen werden, wie sie beispielsweise Elon Musk mit Neurolink erforscht, wir in der Virtual Reality ein Geschäftsmeeting oder ein Date haben und wie bereits heute unsere Gesundheitsdaten durch Apps auslesen lassen, dann müssen wir alles daransetzen, unsere Daten zu schützen. Durch Daten werden wir in der Lage sein, unvorstellbare Fortschritte in der Menschheitsgeschichte – siehe Künstliche Intelligenz – zu erleben. Gleichzeitig wird dieses Zugeständnis an persönlichen Daten auch uns als Menschen in unserem Sein, in unserer Einzigartigkeit gefährden.

Darum ist Dezentralität die Zukunft

Diese digitale Infrastruktur kann, so umständlich es heute noch sein mag, daher nur dezentral aussehen. Ohne eine dezentrale Infrastruktur, auf der man sensible Datentransaktionen unabhängig von einer einzelnen Entität tätigen kann, kann kein vollumfängliches automatisiertes Digitalökosystem funktionieren. Schließlich werden die Anforderungen an eine zentrale Stelle ab einem gewissen Punkt an Interdependenzen, Schnittstellen und beteiligten Akteuren nur noch schwer abbildbar.

Zentralität bedeutet auch immer die Existenz von Flaschenhälsen, von hierarchisch-manuellen Entscheidungen und Informationsasymmetrien. In einem zukünftigen Szenario einer automatisierten Machine-to-Machine-Ökonomie sind diese zentralen Entscheidungsstellen nicht mehr effizient genug. Schleichend erleben wir so einen Transformationsprozess, bei dem die gegenwärtig überlegenen zentralen Strukturen den dezentralen Strukturen weichen müssen, da sie mit der Interkonnektivität überfordert sind. Der sogenannte Single Point of Failure, der einer zentralen Architektur innewohnt, wird also nicht nur aus Sicherheitsgründen kaum vertretbar sein.

Quantencomputer und Künstliche Intelligenz kennen keine Privatsphäre

In diesem Zukunftsszenario, bei dem die Informationsverarbeitung durch Quantencomputer eine Echtzeit-Analysefähigkeit ermöglicht, wird auch die Privatsphäre vor neuen Herausforderungen gestellt. Da alles unmittelbar ausgelesen, analysiert und verknüpft wird, ist der Grad an Transparenz ein vollkommen neuer. Auch wenn wir unsere Privatsphäre nicht mehr vor Maschinen beziehungsweise Computersystemen schützen können, so können wir zumindest die Dateneinsicht durch andere Menschen regulieren.

Dieser drohenden totalitären Transparenz, wie sie nur einer Diktatur gleichkommen kann, muss man durch eine neue sichere Dateninfrastruktur Einhalt bieten. Von dieser passenden Infrastruktur sind die heutigen Blockchain-Infrastrukturen noch weit entfernt. Auch wenn es sich um ein Zukunftsszenario handelt, müssen wir bereits heute damit anfangen, eine dezentrale Architektur zu errichten, um nicht die Kontrolle über uns selbst zu verlieren.

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