Zentral, dezentral? Deutsche Bundesbank: Ein weiter Weg bis zur CBDC-Einführung

Alexander Leyde

von Alexander Leyde

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Alexander Leyde

Alexander absolvierte seinen Bachelor in Geschichte, Politik und Soziologie in Würzburg, bevor er in Heidelberg mit dem Geschichts-Masterstudium beginnen wird. Bei BTC-ECHO möchte er sich mit den gesellschaftlichen Implikationen der Blockchain-Technologie auseinandersetzen.

Gerade Straße in den USA

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Jens Weidmann sprach in Frankfurt über die mögliche Einführung einer digitalen Zentralbankwährung (CBDC). Konkrete Aussagen traf er allerdings nicht.

In Frankfurt sprach der Präsident der Deutschen Bundesbank Dr. Jens Weidmann in einer Rede am 11. September über mögliche Formen zukünftiger Bezahlsysteme. Die Einführung einer digitalen Zentralbankwährung (CBDC) bildete den Fokus seiner Ausführungen. Zuerst kam er auf Möglichkeiten der CBDC zu sprechen, anschließend widmete er sich den Vorteilen und Risiken und wägte abschließend Alternativen ab.


In der Debatte über Zahlungssysteme identifiziert er zwei Schlüsselthemen. Einerseits gehe es um die Entwicklung und Vermittlung einfacher, sicherer und effizienter Zahlungsmethoden für den Konsumenten. Daran anknüpfend stellt sich die Frage, welche Rolle Zentralbanken dabei spielen.

In Bezug auf CBDC sprach er von einer gewissen Ironie: Wollte man der Ursprungsidee nach mit der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) Zentralbanken eigentlich umgehen, so sind von ebendiesen Banken entwickelte CBDC fast schon paradox. Eine Zentralbank muss deshalb als erstes wissen, welche Ziele sie mit einer digitalen Ausgabe ihrer Währung verfolgt. Danach muss sie sich fragen, ob eine Einführung dieser Digitalwährung andere Ziele beeinträchtigt, beispielsweise die Preisstabilität.

CBDC und Dezentralität sind vereinbar

Hierzu sind laut Weidmann ausschlaggebende Fragen: Geht es um ein insgesamt besseres Transaktionssystem oder um die Ersetzung von Bargeld? Ob die Zentralbank CBDC Konsumenten anbietet oder es über Mittelsmänner in Umlauf bringt, muss ebenso geklärt werden. Soll es Zinsen geben und gibt es einen Maximalbestand, den jemand haben kann? Die Antworten auf diese technischen und wirtschaftlichen Fragen hängen vom Ziel jeder Zentralbank ab.

Ein Argument für die Einführung von CBDC laute, dass sie eine Alternative zu Geschäftsbanken bieten. Diesen Standpunkt lässt Weidmann allerdings nicht unkommentiert stehen. Man sorge sich um die Souveränität der europäischen Zentralbanken, wenn internationale Unternehmen außerhalb ihres typischen Sektors Fuß fassen. Durch billigere Transaktionen könnten aber neue Geschäftsmodelle entstehen (Schlagwort Mikrozahlungen). Auch Zinsen könnten die Geldpolitik-Effizienz erhöhen.

Dass man jedoch Bargeld nicht ersetzen wolle, stehe außer Frage. Anonyme und nicht auf Technologien angewiesene Zahlungen wollen europäische Zentralbanken den Bürgern nicht nehmen. Die Verwendung von Zentralbankgeld wäre allerdings wegen Regularien und rechtlicher Rahmenbedingen weit weniger anonym als Bargeld.

CBDC muss europäischen Ansprüchen gerecht werden

Zu einem Risiko von CBDC gehört die radikale Änderung des Finanzsystems. Wenn Anleger nur noch CBDC hätten, würden Geschäftsbanken über wenig Geld verfügen. Wegen Geldmangels könnten sie bei der Kreditvergabe an kleine Unternehmen und Privatpersonen Schwierigkeiten bekommen, zitiert Weidmann den amerikanischen Ökonomen Kenneth Rogoff. Er spricht es nicht an, aber: Abhilfe könnte – zumindest im kleinen Rahmen – Decentralized Finance (DeFi) schaffen.

Durch DeFi können auch Kleinstanleger Kredite leicht aufnehmen. Das sehr junge Feld ist bisher allerdings noch stark risikobehaftet und kann dem bisherigen Volumen nach nur einen kleinen Teil in der Kapitalverteilung übernehmen.

Ein nicht auf DeFi aufbauender Lösungsvorschlag ist deshalb eine niedrige Verzinsung hoher CBDC-Beträge. Geschäftsbanken wären immer noch liquide, da die Motivation niedrig wäre, CBDC zu halten. Wegen der aktuell ohnehin niedrigen Zinsen ist diese Aussage allerdings wohl eher auf die Zukunft denn auf die momentane Situation am Markt bezogen. Ein niedrigeres Risiko von Bankenkrisen, die Wettbewerbssteigerung und neue Dienstleistungen wären wohl nach Weidmann dennoch die Folge einer CBDC-Einführung.

„Besonnen und vorsichtig“: Bundesbank von Entscheidung noch weit entfernt

Viele Überlegungen und Analysen der Bundesbank sind für eine abschließende Entscheidung für oder gegen einen E-Euro noch nötig – Weidmann möchte deshalb nicht, dass Beobachter bestehende Arbeitsgruppen zu einer CBDC als Zeichen eines positiven Urteils werten. Konkrete Angaben zu dessen Stand machte er ebenso wenig. Erstaunlich in Anbetracht der Aussage von Christine Lagarde am vorherigen Tag, die Europäische Zentralbank (EZB) wolle sich in den kommenden Wochen zur Einführung eines E-Euros äußern.

Weidmann stellte klar, dass statt CBDC auch andere Bezahlformen denkbar seien. Nach Auffassung des 52-Jährigen sind Zentralbanken für das Finanzsystem im Ganzen zuständig, Geschäftsbanken allerdings für spezielle Fragen. Eine Lösung auf dieser Ebene wäre demnach ebenso denkbar. Die European Payments Initiative (EPI) von 16 Zentralbanken, die eine einzige Karte und Wallet für ganz Europa etablieren möchte, ist außerdem an der Problemlösung beteiligt.

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