DeFi: Compound erhält 25 Millionen US-Dollar Finanzierung

Jutta Schwengsbier

von Jutta Schwengsbier

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Jutta Schwengsbier

Jutta Schwengsbier arbeitet seit rund 30 Jahren als Journalistin und berichtet aus vielen Ländern über Themen, die die Welt verändern. Auch beherrscht sie mehrere Programmiersprachen und ist im Zuge dessen auf die Blockchain-Technologie aufmerksam geworden.

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Quelle: Shutterstock

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DeFi-Spezialist Compound will mit neuer Finanzspritze Krypto-Lending massentauglich machen.

Das Krypto-Lending-Unternehmen Compound hat eine Finanzierung von 25 Millionen US-Dollar in der Serie A-Runde erhalten. Als Lead-Investor ist dabei die Risikokapitalgesellschaft Andreessen Horowitz aufgetreten. Das Start-up aus San Francisco ist auf „dezentrale Finanzierungen“ mit Krypto-Krediten spezialisiert. Es handelt sich dabei gewissermaßen um eine blockchainbasierte Version von Crowd Lending. Interessenten können auf der Compound-Plattform sowohl Zinsen verdienen als auch Coins leihen, ohne Vermittler und ohne auf eine direkte Gegenpartei angewiesen zu sein.

In einem Interview mit dem US-amerikanischen Wirtschaftsmagazin Fortune sagte Gründer Robert Leshner, dass Compound jetzt Vermögenswerte von über 150 Millionen US-Dollar auf seiner Plattform verwalte. Zu den Kreditnehmern zählten demnach einerseits Krypto-Unternehmen, die durch ICOs große Summen in Ethereum einsammeln konnten und diese nun dazu verwenden, um Kredite für ihre laufenden Ausgaben abzusichern. Andererseits nutzen Krypto-Trader und -Hedgefonds für die Plattform zur Finanzierung kurzfristiger Investitionen.

Mithilfe der Finanzspritze soll der Service nun auch für weniger krypto-affine Menschen zugänglicher gemacht werden. Also für Leute, die bislang nichts mit Bitcoin & Co. zu tun hatten und weder etwas mit „privaten Schlüsseln“ noch mit Wallets anfangen können.

So funktioniert Compound


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Die Zinssätze bei Compound schwanken in Echtzeit und hängen direkt von Angebot und Nachfrage ab. Investoren wissen also nie im Voraus, wie viel Zinsen sie genau erhalten werden. Auf der anderen Seite wissen die Kreditnehmer nicht, wie viel sie zurückzahlen müssen. Ein nicht ganz ungefährliches Geschäftsmodell. Bei ausreichender Liquidität sind die Zinssätze niedrig. Wenn weniger Menschen ihre Kryptowährungen verleihen wollen, steigen die Zinssätze. In der Theorie soll das ein Anreiz für neue Krypto-Kreditangebote sein und die Rückzahlung von Krediten beschleunigen.

Das Compound-Angebot soll bis Ende 2020 in Krypto-Börsen, Depotbanken und Wallets integriert werden, sagte Leshner. Verbraucher könnten ihre Kryptowährung dann etwa über Bitcoin-Börsen wie Coinbase oder Kraken gegen Zinsen ausleihen.

In anderen Worten: Normale Verbraucher sollen künftig Krypto-Hedgefonds und Krypto-Unternehmen zu Zinssätzen von derzeit 5 bis 8 Prozent finanzieren. Ein durchaus riskantes Geschäft, bei vergleichsweise niedrigen Zinssätzen. Insbesondere wenn man bedenkt, dass allein 2018 über 1.000 Krypto-Projekte vom Markt verschwanden, wie unter anderem TechCrunch berichtete.

Die Idee der dezentralen Finanzierung

DeFi ist bislang mehr ein Konzept als eine bestimmtes Finanzgeschäft. Im Prinzip sollen alle Bankgeschäfte, Kredite und Derivate irgendwann über Blockchain laufen und damit Banken als Zwischenhändler ausgeschaltet werden.

Indem sie Finanzdienstleistungen auf eine Blockchain setzen, sagen DeFi-Fürsprecher, sollen Finanztransaktionen schneller, billiger und global zugänglich werden. DeFi soll also im übertragenen Sinne das Internet des Geldes werden.

Auch Facebook will zum Beispiel bei der Dezentralisierung der Finanzen dabei sein, mit seiner vorgeschlagenen Kryptowährung Libra. Die Risikokapitalgesellschaft Andreessen Horowitz, die jetzt Compound eine neue Finanzspritze gewährt hat, setzt auch auf Libra und andere DeFi-Projekte.

Derzeit fließt also viel Geld in DeFi-Unternehmen, auch wenn nur wenige bislang praktikable Produkte anbieten.

Bancor, ein DeFi-Projekt, hat 2017 in nur drei Stunden 150 Millionen US-Dollar eingesammelt. Zwei Jahre später liegt das tägliche Handelsvolumen auf seiner Plattform bei gerade mal 8 Millionen US-Dollar. Das ist deutlich weniger als das, was die Macher sich in der Blütezeit des Krypto-Markts vorgestellt hatten. Für US-Kunden ist Bancor überhaupt nicht mehr verfügbar. Offensichtlich wegen der „erhöhten regulatorischen Unsicherheit“.

Steht die dezentrale Finanzierung über Blockchain also in absehbarer Zeit vor dem großen Durchbruch? Wohl eher nicht. Obwohl einige überzeugte Gläubige einen boomenden Markt dafür sehen, scheinen Angebot und Nachfrage nach Krypto-Darlehen eher zurückzugehen.

Noch ist es aber zu früh, DeFi vollständig abzuschreiben, denn die DeFi-Bewegung repräsentiert eine frustrierte und wachsende Gruppe von Menschen, die ein faireres Finanzsystem fordern.


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