Das Schreckgespenst Libra: Wenn Banken sich den Sozialismus wünschen

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Das Schreckgespenst Libra: Wenn Banken sich den Sozialismus wünschen

In den letzten Wochen und Monaten haben sich unzählige Politiker und Vertreter von Behörden negativ zum Kryptowährungsprojekt Libra geäußert. Unterstützung erhielten sie diese Woche von den größten Banken der USA. In einem Meeting des Federal Advisory Council haben diese ihre Bedenken zu Stable Coins geäußert. Warum Banken durch Libra noch stärker auf Kuschelkurs mit der Politik gehen, warum auch die Supermarktkette Rewe Teil des Finanzmarkt-Strukturwandels ist und Banker die neuen Taxifahrer sind.

Es verwundert nicht, dass das Urteil der Banken über Libra negativ ausfällt. Durch Stable Coins sehen die Banker die Finanzstabilität in ernster Gefahr. In der Sitzung fällt sogar das Wort Schattenbankensystem, das droht, die herrschenden Finanzstandards zu untergraben. Sicherlich nicht ganz ungewollt weckt man so Assoziationen an das Darknet. Dass Libra das exakte Gegenteil davon ist, wird verschwiegen.

Niemand mag neue Wettbewerber: Brandbeschleuniger Blockchain

Dass Banken versuchen, Ängste gegenüber neuen privaten Krypto-Zahlungsinitiativen zu schüren, ist absolut nachvollziehbar. Schließlich stellt Libra eine direkte Konkurrenz dar, die unabhängig von der bestehenden Bankeninfrastruktur funktionieren kann. Entsprechende Lobbyarbeit gegen bankenunabhängige Finanzlösungen, wie eben Libra, ist daher selbstverständlich, um die eigene Wertschöpfungskette abzusichern.

Dabei geht es nur mittelbar um Libra selbst. Libra ist vielmehr ein Puzzlestück, das die durch Digitalisierung ausgelöste Disruption im Finanzsektor auf ein neues Level hebt. Die traditionelle Bankenwelt wird seit vielen Jahren immer stärker durch neue Anbieter aus vermeintlich fachfremden Branchen herausgefordert. Die Blockchain wirkt vielmehr als Brandbeschleuniger im eigenen Strukturwandel.

Supermarkt, Kaffee- oder Möbelhaus: Banking findet nicht mehr in Banken statt   

Dass Banken immer stärker als Dienstleister oder Lizenzgeber in den Hintergrund gedrängt werden, zeigt sich an einer der rudimentärsten Bankdienstleistungen: der Bereitstellung von Bargeld. Schon seit einiger Zeit braucht es nicht mehr den Gang zur Bank respektive zum Bankautomaten, wenn man Bargeld abheben möchte. Inzwischen bieten große Supermarktketten wie Rewe oder Lidl die Bargeldabhebung an der Supermarktkasse bequem beim Wocheneinkauf an.


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Die Bereitstellung von Finanzdienstleistungen durch Nicht-Banken, sei es durch Konsumkredite beim bekannten schwedischen Möbelhaus oder Kreditkarten von Tchibo, nehmen immer weiter zu. Banken verschwinden also zunehmend aus der öffentlichen Wahrnehmung. Auf den ersten Blick ist dies für die Banken auch nicht weiter schlimm. Schließlich verdienen sie als Dienstleistungspartner oder Lizenzgeber im Hintergrund ordentlich mit. Problematisch wird es hingegen, wenn neue Player versuchen, ihre gesamte Finanzinfrastruktur zu hintergehen – siehe Libra.

Mit Libra ändern sich die Zeiten: Regulierung hui, Deregulierung pfui

Grundsätzlich sind Banken dafür bekannt, nach weniger Regulierung zu rufen, um profitablere Geschäfte durchführen zu können. Die Deregulierung des Finanzsektors ist ein vielfach diskutiertes Streitthema der letzten drei Jahrzehnte. Durch die immer größere Konkurrenz aus dem FinTech-Bereich und dem Aufkommen neuer Technologien, die die bestehenden Infrastrukturen in Frage stellen, entpuppen sich hohe regulatorische Hürden allerdings als Segen für die traditionelle Bankenwelt.

So sehr man auch Rechts- und Compliance-Abteilungen über die bürokratischen Auflagen jammern hört: Letztlich sichern diese das Geschäftsmodell der Banken ab. Eine umfassende Regulatorik funktioniert vor allem als staatlicher Schutzwall, der durch hohe Eintrittsbarrieren neue Konkurrenz aus dem FinTech- bzw. Blockchain-Sektor zurückhält. Nationale und internationale Regulierungsrichtlinien sowie Finanzaufsichtsbehörden verschaffen der in vielen Fällen wenig innovativen Bankenwelt zusätzliche Zeit. So ist es nachvollziehbar, dass Banken ihr staatlich reguliertes „Nest“ gegenüber neuen Innovationen und Akteuren verteidigen.

Uber und Airbnb lassen grüßen

Während manche Aspekte der Blockchain-Technologie wohlwollend von der Bankenwelt aufgenommen werden – man denke hier nur an die DLT-Wertpapierabwicklung, die Effizienzvorteile verspricht – sind es Stable Coins, die alle Alarmglocken der Banken läuten lassen. Ein privates Zahlungsnetzwerk mit Stable Coin stellt den Zahlungsverkehr und die Geldverwaltung durch Banken in Frage. Libra ist damit ein Angriff auf das bislang unbestrittene Hoheitsgebiet der Banken und Zentralbanken.

Durften Banken bei Apple Pay und der Apple-Kreditkarte (von Goldman Sachs herausgegeben) noch als Partner mitverdienen, werden sie mit Stable Coins ausgegrenzt. Man kommt theoretisch größtenteils auch ohne Banken aus. Das Bankenmonopol hat angefangen, zu bröckeln. Was für den Taxifahrer Uber ist und für den Hotelier Airbnb, das ist für den Banker Libra.

Framing: Ein gemeinsames Feindbild schweißt zusammen

Die Behauptung, dass mit Libra ein Schattenbankensystem entsteht und Finanzstandards untergraben werden, ist vor allem eine Schutzbehauptung. Das Libra-Zahlungsnetzwerk, das sich allen Rechtsstandards unterwerfen muss wie jedes traditionelle Finanzinstitut, ist in keinster Form anonym. Es würde sogar die Standards, was Geldwäsche- und Terrorismusfinanzierung angeht, erhöhen. Dass sich Banken nun als Retter der Privatsphäre positionieren und gleichzeitig Libra als Schattenbankensystem bezeichnen, zeigt doch eine gewisse Widersprüchlichkeit.

Wie die Stable-Coin-Debatte im Zuge der Blockchain-Strategie der Bundesregierung bereits gezeigt hat, geht es um die eigene Deutungshoheit. Mit gezieltem Framing versucht man private Stable Coins als eine große Gefahr für die Demokratie darzustellen. Dies mag in Teilen auch stimmen, allerdings werden die Argumente nicht aus Sorge um die Privatsphäre der Bürger, sondern aus Angst vor dem eigenen Kontrollverlust aufgeführt.

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