Libra, Das Schreckgespenst Libra: Wenn Banken sich den Sozialismus wünschen

Quelle: Shutterstock

Das Schreckgespenst Libra: Wenn Banken sich den Sozialismus wünschen

In den letzten Wochen und Monaten haben sich unzählige Politiker und Vertreter von Behörden negativ zum Kryptowährungsprojekt Libra geäußert. Unterstützung erhielten sie diese Woche von den größten Banken der USA. In einem Meeting des Federal Advisory Council haben diese ihre Bedenken zu Stable Coins geäußert. Warum Banken durch Libra noch stärker auf Kuschelkurs mit der Politik gehen, warum auch die Supermarktkette Rewe Teil des Finanzmarkt-Strukturwandels ist und Banker die neuen Taxifahrer sind.

Es verwundert nicht, dass das Urteil der Banken über Libra negativ ausfällt. Durch Stable Coins sehen die Banker die Finanzstabilität in ernster Gefahr. In der Sitzung fällt sogar das Wort Schattenbankensystem, das droht, die herrschenden Finanzstandards zu untergraben. Sicherlich nicht ganz ungewollt weckt man so Assoziationen an das Darknet. Dass Libra das exakte Gegenteil davon ist, wird verschwiegen.

Niemand mag neue Wettbewerber: Brandbeschleuniger Blockchain

Dass Banken versuchen, Ängste gegenüber neuen privaten Krypto-Zahlungsinitiativen zu schüren, ist absolut nachvollziehbar. Schließlich stellt Libra eine direkte Konkurrenz dar, die unabhängig von der bestehenden Bankeninfrastruktur funktionieren kann. Entsprechende Lobbyarbeit gegen bankenunabhängige Finanzlösungen, wie eben Libra, ist daher selbstverständlich, um die eigene Wertschöpfungskette abzusichern.

Dabei geht es nur mittelbar um Libra selbst. Libra ist vielmehr ein Puzzlestück, das die durch Digitalisierung ausgelöste Disruption im Finanzsektor auf ein neues Level hebt. Die traditionelle Bankenwelt wird seit vielen Jahren immer stärker durch neue Anbieter aus vermeintlich fachfremden Branchen herausgefordert. Die Blockchain wirkt vielmehr als Brandbeschleuniger im eigenen Strukturwandel.

Supermarkt, Kaffee- oder Möbelhaus: Banking findet nicht mehr in Banken statt   


Libra, Das Schreckgespenst Libra: Wenn Banken sich den Sozialismus wünschen
[Anzeige]
Bitcoin kaufen mit dem Bitwala Konto. Warum ein Bankkonto bei Bitwala? Ein Bankkonto “Made in Germany” mit Einlagensicherung bis zu 100.000 Euro; 24/7 Bitcoin Handel mit schneller Liquidität; Gehandelt werden ausschließlich ‘echte’ Bitcoin – keine Finanzderivate wie CFDs; Sichere Nutzerkontrolle über das Bitcoin Wallet und den private Schlüssel; Mit der kontaktlosen Debit-Mastercard weltweit abheben und bezahlen.

Jetzt kostenloses Konto eröffnen

Dass Banken immer stärker als Dienstleister oder Lizenzgeber in den Hintergrund gedrängt werden, zeigt sich an einer der rudimentärsten Bankdienstleistungen: der Bereitstellung von Bargeld. Schon seit einiger Zeit braucht es nicht mehr den Gang zur Bank respektive zum Bankautomaten, wenn man Bargeld abheben möchte. Inzwischen bieten große Supermarktketten wie Rewe oder Lidl die Bargeldabhebung an der Supermarktkasse bequem beim Wocheneinkauf an.

Die Bereitstellung von Finanzdienstleistungen durch Nicht-Banken, sei es durch Konsumkredite beim bekannten schwedischen Möbelhaus oder Kreditkarten von Tchibo, nehmen immer weiter zu. Banken verschwinden also zunehmend aus der öffentlichen Wahrnehmung. Auf den ersten Blick ist dies für die Banken auch nicht weiter schlimm. Schließlich verdienen sie als Dienstleistungspartner oder Lizenzgeber im Hintergrund ordentlich mit. Problematisch wird es hingegen, wenn neue Player versuchen, ihre gesamte Finanzinfrastruktur zu hintergehen – siehe Libra.

Mit Libra ändern sich die Zeiten: Regulierung hui, Deregulierung pfui

Grundsätzlich sind Banken dafür bekannt, nach weniger Regulierung zu rufen, um profitablere Geschäfte durchführen zu können. Die Deregulierung des Finanzsektors ist ein vielfach diskutiertes Streitthema der letzten drei Jahrzehnte. Durch die immer größere Konkurrenz aus dem FinTech-Bereich und dem Aufkommen neuer Technologien, die die bestehenden Infrastrukturen in Frage stellen, entpuppen sich hohe regulatorische Hürden allerdings als Segen für die traditionelle Bankenwelt.

So sehr man auch Rechts- und Compliance-Abteilungen über die bürokratischen Auflagen jammern hört: Letztlich sichern diese das Geschäftsmodell der Banken ab. Eine umfassende Regulatorik funktioniert vor allem als staatlicher Schutzwall, der durch hohe Eintrittsbarrieren neue Konkurrenz aus dem FinTech- bzw. Blockchain-Sektor zurückhält. Nationale und internationale Regulierungsrichtlinien sowie Finanzaufsichtsbehörden verschaffen der in vielen Fällen wenig innovativen Bankenwelt zusätzliche Zeit. So ist es nachvollziehbar, dass Banken ihr staatlich reguliertes „Nest“ gegenüber neuen Innovationen und Akteuren verteidigen.

Uber und Airbnb lassen grüßen

Während manche Aspekte der Blockchain-Technologie wohlwollend von der Bankenwelt aufgenommen werden – man denke hier nur an die DLT-Wertpapierabwicklung, die Effizienzvorteile verspricht – sind es Stable Coins, die alle Alarmglocken der Banken läuten lassen. Ein privates Zahlungsnetzwerk mit Stable Coin stellt den Zahlungsverkehr und die Geldverwaltung durch Banken in Frage. Libra ist damit ein Angriff auf das bislang unbestrittene Hoheitsgebiet der Banken und Zentralbanken.

Durften Banken bei Apple Pay und der Apple-Kreditkarte (von Goldman Sachs herausgegeben) noch als Partner mitverdienen, werden sie mit Stable Coins ausgegrenzt. Man kommt theoretisch größtenteils auch ohne Banken aus. Das Bankenmonopol hat angefangen, zu bröckeln. Was für den Taxifahrer Uber ist und für den Hotelier Airbnb, das ist für den Banker Libra.

Framing: Ein gemeinsames Feindbild schweißt zusammen

Die Behauptung, dass mit Libra ein Schattenbankensystem entsteht und Finanzstandards untergraben werden, ist vor allem eine Schutzbehauptung. Das Libra-Zahlungsnetzwerk, das sich allen Rechtsstandards unterwerfen muss wie jedes traditionelle Finanzinstitut, ist in keinster Form anonym. Es würde sogar die Standards, was Geldwäsche- und Terrorismusfinanzierung angeht, erhöhen. Dass sich Banken nun als Retter der Privatsphäre positionieren und gleichzeitig Libra als Schattenbankensystem bezeichnen, zeigt doch eine gewisse Widersprüchlichkeit.

Wie die Stable-Coin-Debatte im Zuge der Blockchain-Strategie der Bundesregierung bereits gezeigt hat, geht es um die eigene Deutungshoheit. Mit gezieltem Framing versucht man private Stable Coins als eine große Gefahr für die Demokratie darzustellen. Dies mag in Teilen auch stimmen, allerdings werden die Argumente nicht aus Sorge um die Privatsphäre der Bürger, sondern aus Angst vor dem eigenen Kontrollverlust aufgeführt.

Mehr zum Thema:

Ähnliche Artikel

Libra, Das Schreckgespenst Libra: Wenn Banken sich den Sozialismus wünschen
Zeit der Kooperationen – Warum der Zusammenschluss der deutschen Blockchain-Szene zur richtigen Zeit kommt
Kommentar

Teamplay ist nicht nur im Sport wichtig, sondern auch innerhalb eines Wirtschaftszweiges beziehungsweise einer Branche. Die Fähigkeit, sinnvolle Kooperationen mit anderen Unternehmen einzugehen, kann über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Wie es die Blockchain-Branche in Deutschland mit Kooperationen hält und warum uns die Verbandsarbeit in Deutschland einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber den USA und China sichern kann. Ein Kommentar.

Libra, Das Schreckgespenst Libra: Wenn Banken sich den Sozialismus wünschen
New Yorker Finanzaufsicht ändert Richtlinien der BitLicence
Regulierung

Die Geschäftslizenz für Kryptowährungen – die BitLicence – wurde seit der Einführung 2015 nicht mehr von der New Yorker Finanzaufsicht überarbeitet. Das soll sich nun ändern. Insbesondere die Richtlinien für Listings werden aktualisiert.

Newsletter

Die aktuellsten News kostenlos per E-Mail

Aktuell

Libra, Das Schreckgespenst Libra: Wenn Banken sich den Sozialismus wünschen
65 Prozent der Bitcoin Mining Hash Rate steht in China – kein Grund zur Panik
Bitcoin

CoinShares verortet 65 Prozent der Bitcoin Hash Rate in China – davon 54 Prozent alleine in der Provinz Sichuan. Wieso das kein Grund zur Sorge ist.

Libra, Das Schreckgespenst Libra: Wenn Banken sich den Sozialismus wünschen
Zeit der Kooperationen – Warum der Zusammenschluss der deutschen Blockchain-Szene zur richtigen Zeit kommt
Kommentar

Teamplay ist nicht nur im Sport wichtig, sondern auch innerhalb eines Wirtschaftszweiges beziehungsweise einer Branche. Die Fähigkeit, sinnvolle Kooperationen mit anderen Unternehmen einzugehen, kann über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Wie es die Blockchain-Branche in Deutschland mit Kooperationen hält und warum uns die Verbandsarbeit in Deutschland einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber den USA und China sichern kann. Ein Kommentar.

Libra, Das Schreckgespenst Libra: Wenn Banken sich den Sozialismus wünschen
DLT-Genossenschaft „govdigital“ will den öffentlichen Sektor auf Blockchain stellen
Unternehmen

Über die neu gegründete Genossenschaft govdigital wollen IT-Dienstleister gemeinsam mit Vertretern aus der Politik die Blockchain-Technologie nutzen, um öffentliche IT-Infrastrukturen für Behörden zu entwickeln. Das Netzwerk könnte der Umsetzung blockchainbasierter Anwendungen im öffentlichen Sektor neue Impulse verleihen.

Libra, Das Schreckgespenst Libra: Wenn Banken sich den Sozialismus wünschen
xx Coin: White Paper zu David Chaums Projekt veröffentlicht
Altcoins

Krypto-Koryphäe David Chaum will mit dem xx Coin und dem Praxxis-Netzwerk eine quantensichere Kryptowährung schaffen. Nun sind Details zum geplanten Token Sale bekannt.

Angesagt

New Yorker Finanzaufsicht ändert Richtlinien der BitLicence
Regulierung

Die Geschäftslizenz für Kryptowährungen – die BitLicence – wurde seit der Einführung 2015 nicht mehr von der New Yorker Finanzaufsicht überarbeitet. Das soll sich nun ändern. Insbesondere die Richtlinien für Listings werden aktualisiert.

Bitcoin-Börse BitMEX sieht sich 300 Millionen US-Dollar Klage gegenüber
Sicherheit

Eine der beliebtesten Krypto-Handelsplattformen, BitMEX, und ihr Gründer Arthur Hayes machen eine schwere Zeit durch. Denn Investoren der Krypto-Börse haben eine Klage über 300 Millionen US-Dollar eingereicht. Angeblich soll Hayes die Anleger mit falschen Informationen getäuscht haben. Ein harter Schlag nach regulatorischen Schwierigkeiten und einem Datenleck in diesem Jahr.

Letzte Chance für Teilnahme am Innovationswettbewerb „Schaufenster Sichere Digitale Identitäten“
Sicherheit

Das Bundeswirtschaftsministerium sucht Lösungen für die technische Realisierung digitaler Identitäten. Dafür wurde ein Innovationswettbewerb ins Leben gerufen, der Projekte zur Umsetzung bestimmter Identifikationsanwendungen finanziell fördert.

Schweiz: Krypto-Bank SEBA erweitert Geschäftsfeld und erreicht Deutschland
Unternehmen

Die SEBA Bank erweitert ihr Geschäftsfeld auf neun weitere Jurisdiktionen. Die von der schweizerischen Aufsichtsbehörde FINMA lizensierte Bank für traditionelle und digitale Vermögenswerte bietet Dienstleistungen im Kryptoverwahrgeschäft künftig auch in Deutschland an.

Warte mal kurz ... !

Kennst du schon unseren Newsletter? Wir versorgen dich kostenlos mit den spannendsten News der Krypto- und Blockchainszene: