DeFi braucht Alternativen DAI: Achillesverse von Decentralized Finance?

Dr. Philipp Giese

von Dr. Philipp Giese

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Dr. Philipp Giese

Dr. Philipp Giese arbeitet als Chief Analyst für BTC-ECHO und ist auf die Bereiche Chartanalyse und Technologie spezialisiert. Der promovierte Physiker kann dabei auf jahrelange Berufserfahrung als technologischer Berater zurückgreifen. Zudem ist er zentraler Ansprechpartner im Discord-Channel von BTC-ECHO und pflegt als Speaker und Interviewer den Austausch mit Startups, Entwicklern und Visionären.

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Steine aufeinander gestapelt, schwierige Balance.

Quelle: Shutterstock

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Im Nachgang des Marktcrashes von März wird Kritik am Stable Coin DAI laut. Die zentralisierte Maker-Governance, die Verwebung mit anderen Decentralized-Finance-Projekten und die komplexe Kollateral-Struktur wird kritischer gesehen. Doch Alternativen werden diskutiert.

DAI und dem DeFi-Ökosystem geht es nicht gut. Der Marktcrash von März, die Liquidierungswelle und die sich anschließenden Kollateral-Auktionen sorgten für eine Menge Kontroversen – die wiederum eine Anklage nach sich ziehen.

Die Maker-Governance versuchte, derartigen Problemen Herr zu werden, indem USDC zur Absicherung von DAI zugelassen wird. Dennoch – oder vielleicht deshalb – reißt die Welle der Kritik nicht ab.

DAI und MakerDAO: Systemrisiken für DeFi

Die Kritikpunkte gehen dabei vom allgemeinen zum konkreten. Zum Einen wird mit Sorge festgestellt, dass ein Großteil des DeFi-Ökosystems auf dem Stable Coin DAI aufbaut. Fällt DAI, fällt damit Decentralized Finance, um es dramatisch auszudrücken.


Eine Stärke, und einer der dezentralen Aspekte von Decentralized Finance ist die Interaktion zwischen verschiedenen kleineren DeFi-dApps. Diese Stärke wird jedoch schnell zu einem Risiko, wenn all jene dApps auf einer einzelnen aufbauen. Dieses Risiko ist aktuell dank der Omnipräsenz von DAI durchaus vorhanden.

Macht die Absicherung mit mehreren Rücklagentypen Sinn?

Warum sollte DAI ein Problem darstellen? Weil die Absicherung der Kollateral-Positionen, und damit der Ursprung der DAI-Generierung, alles andere als selbstverständlich ist. Hier greift vieles ineinander, was seinerseits zu Unsicherheiten führen kann:

  1. Die Absicherung einer Kollateralposition auf DAI, bei welcher Anleger gegen eine ETH-Einlage DAI erhalten, ist den Marktunruhen unterworfen.
  2. Die Orakel, welche für das Errechnen der Liquidationsrate und anderer Dinge zuständig sind, werden von der Maker Governance ausgewählt. Hier kann eine Zentralisierung stattfinden.
  3. Zentralisierung ist eines der (pun intended) zentralen Stichwörter in der Kritik an DAI beziehungsweise an der MakerDAO. Die fünfzig reichsten Adressen besitzen 50 Prozent der Stimmrechte. Viel dramatischer ist jedoch, dass Entscheidungen nur von einem Bruchteil der Stimmberechtigten gefällt werden.

Bezüglich der Punkte 1. und 2. versuchte die Maker-Governance, gegen den Einfluss der Volatilität seitens Ethereums die Einlage von Alternativen Assets zuzulassen. BAT und USDC können nun als Pfand für die Generierung von DAI genutzt werden. Hier stellen sich jedoch zwei Fragen: Zum Einen ist es unklar, warum ich USDC für einen weiteren Stable Coin als Sicherhheitsrücklage ablegen sollte. Sowohl bei BAT als auch bei USDC kommt zusätzlich die Sorge auf, ob man damit das Problem der Volatilität Ethereums nur übertüncht. Erstens wird der Basic Attention Token ebenfalls an einem Ethereum-Kurssturz leiden, zweitens wird bei dramatischen Ether-Kursschwankungen das gesamte Ethereum-Ökosystem darunter leiden. Das gilt dann auch für USDC und BAT. Ob man sich also mit dem Multi-Collateral DAI wirklich eine größere Sicherheit erkaufte? Manche sehen das kritisch.

DeFi braucht eine Vielfalt bei Stable Coins

Wie könnte Decentralized Finance das Problem lösen? Weniger über Zulassen einer neuen Sicherheitsrücklage bei DAI: Wie oben dargestellt wird die Situation durch immer neue Rücklagen-Typen nicht einfacher, sondern komplizierter. Die Anzahl der Risiken nimmt nur zu.

Doch ein anderer Ansatz könnte vielversprechend sein: Dezentralität ist basiert nicht alleine auf der dezentralen Governance eines einzelnen Projekts gegeben, sondern vielmehr Vielfalt der unabhängigen Projekte. Unabhängigkeit ist dabei ein wichtiger Punkt, ist diese nicht gegeben hängen alle Projekte von einem einzigen ab. Ist dieses zentralisiert, gilt das auch alle darauf aufbauenden Projekte ebenfalls zentralisiert sein. Ebenso werden alle auf diesem Kernprojekt aufbauenden Projekte dieselben Risiken wie das zugrunde liegende Projekt teilen.

Diversifizierung könnte also die Antwort lauten. Es sollte mehr Projekte geben, welche statt DAI auf andere Stable Coins beziehungsweise Asset backed Token setzen. Zum Einen würden sich – oh, Graus! – zentralisierte Stable-Coin-Alternativen oder WBTC anbieten. Doch auch dezentrale Alternativen zu MakerDAO existieren: MetaCoin, das Projekt von Ameen Soleimani, möchte ebenfalls ein dezentraler Ethereum-gedeckter Stable Coin sein, setzt jedoch nicht auf unterschiedliche Sicherheitsrücklage. Ebenso soll die Kopplung zum US-Dollar nicht über zentral gewählte Oracles erfolgen. Schließlich soll die Stability Fee durch einen Algorithmus ermittelt werden.

Ob nun MetaCoin alle Probleme der MakerDAO lösen wird, kann aktuell noch niemand sagen. Negativ fällt indessen auf, dass die ursprüngliche Tokenverteilung sehr zentralisiert daher kommt. Neue Projekte, gerade im DAI-Bereich, sollte diesbezüglich von Beginn anmit Argusaugen verfolgen. Auch wenn Projekte bisweilen argumentieren, dass diese Zentralisierung zu Beginn notwendig wäre, bleibt dann häufig abzuwarten, ob beziehungsweise wann sie ihre Macht abgeben. Dennoch ist es sinnvoll, wenn ein weiterer Stable Coin Anbieter das DeFi-Spielfeld betritt. Und sei es nur, um von DAI ausgehende Risiken abzufangen.


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