Causa John McAfee: Warum Promi-Coins dem Krypto-Ökosystem mehr schaden als nutzen
Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 2 Minuten

Quelle: Woman kissing the mirror in the bathroom via Shutterstock

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Was ist das Höchste im Leben eines Narzissten? Neben Präsidentschaften und akademischer Titel sind es Währungen mit dem eigenen Konterfei. Dank der Krypto-Ökonomie entdecken diese Form der Selbstadelung auch immer mehr Promis für sich. Sei es der Fußballspieler James Rodriguez vom FC Bayern (ehemals Real Madrid), der amerikanische Rapper Young Dirty Bastard oder nun der kontroverse Krypto-Influencer Nr.1 John McAfee – sie alle wollen Zentralbank spielen und bewirken damit nicht nur Gutes.

Neben Narzissmus und Größenwahnsinn ist es vor allem das ökonomische Kalkül, selbst am meisten von der emittierten Kryptowährung zu profitieren. Eine eigene Währung als Marketingtool, als Selbstzweck zum Gelddrucken – im wahrsten Sinne des Wortes. Das bisherige Problem: Digitale Währungen sind, wie der Name schon aussagt, digital und verfügen daher nicht über die physisch-visuelle Präsenz von Banknoten. Um genau dies zu ändern, hat McAfee nun bekannt gegeben, Krypto-Banknoten drucken zu lassen – McAfee zum Anfassen.

Krypto goes Paper


Die Idee, Kryptowährungen in Form physischer Banknoten zu emittieren, ist nicht neu, besteht bei vielen Menschen doch das Bedürfnis, Bargeld anstatt Kreditkarte & Co. mit sich zu führen. Schon im Juni soll die Fiat-Alternative umgesetzt werden. Laut einem Tweet von McAfee sind die Scheine serialisiert, mit der Blockchain verbunden, einlösbar, konvertierbar und sammelbar. Viel mehr Informationen zu den McAfee-Scheinen gibt es jedoch nicht. Ein technologisch oder ökonomisch durchdachtes Konzept existiert schlichtweg nicht – genau wie bei jeder anderen Promi-Kryptowährung. Dies soll nicht heißen, dass die Idee physischer Banknoten, die Kryptowährungen verbriefen, per se schlecht ist – das Problem liegt vielmehr in der Art und Weise bzw. beim Herausgeber.

Was in der Öffentlichkeit hängen bleibt

Nun könnte man argumentieren, dass diese Promi-Währungen dabei helfen, die Krypto-Adaption zu fördern. Schließlich erschließen die Reichweiten der Promis Personen- bzw. Interessensgruppen, die sonst in vielen Fällen keinerlei Bezug zur Krypto-Ökonomie haben und erst dadurch auf Kryptowährungen aufmerksam werden. So positiv dies im ersten Moment klingen mag, wird dabei doch eine entscheidende Frage vergessen: Welche Botschaft über Kryptowährungen kommt im sogenannten Mainstream an? Was denkt Max Mustermann, wenn er von den Rapper- oder Fußballer-Coins hört? Die Wahrnehmung solcher Selbstmarketing-Stunts wird in vielen dieser Fälle sein, dass Kryptowährungen eine substanzlose Spielerei sind. Doch Kryptowährungen haben mehr zu bieten als die Selfpromotion von Einzelpersonen. Genau diese Ernsthaftigkeit geht hier allerdings vollkommen verloren.

Promi-Coins schaden damit den Kryptoprojekten, die die ernsthafte Absicht haben, einen Mehrwert zu stiften, die mehr als nur Marketing-Vehikel sein wollen. Im öffentlichen Diskurs wird nur schwer zwischen innovativen Projekten und Promi-Coins unterschieden werden. Das Ergebnis ist eine verzerrte Wahrnehmung von Kryptowährungen in der breiten Öffentlichkeit und Munition für all diejenigen, denen die Krypto-Ökonomie ein Dorn im Auge ist.

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