Blockchain, IoT, Künstliche Intelligenz und ihre Bedeutung für Digitale Zwillinge

Christopher Klee

von Christopher Klee

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Christopher Klee

Christopher Klee hat Literatur- und Medienwissenschaften sowie Informatik an der Universität Konstanz studiert. Seit 2017 beschäftigt sich Christopher mit den technischen und politischen Auswirkungen der Krypto-Ökonomie.

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Das EU Blockchain Observatory and Forum hat eine Analyse zur Verflechtung von Zukunftstechnologien durchgeführt. In dem Report des Informatikers Prof. Dr. Tim Weingärtner geht es um das Zusammenspiel von Blockchain, dem Internet der Dinge (IoT) und Künstlicher Intelligenz (KI) – und eine Zukunft, die von Digitalen Zwillingen geprägt ist.

Die Grenze zwischen der physischen Welt und der Domäne der Nullen und Einsen verschwimmt sichtlich. Schon seit Langem kann nicht mehr von einer Parallelexistenz von Cyber und Meat Space die Rede sein. Das wird zum Beispiel jeder bezeugen können, der etwa in sozialen Medien provokante Aussagen trifft und sich danach in der „realen Welt“ für diese rechtfertigen muss. Umgekehrt gilt freilich dasselbe: Der berüchtigte Shitstorm ist ein im Cyberspace häufig anzutreffendes Wetterphänomen. Aus der immer stärkeren Verschränkung der beiden Welten ergeben sich Konsequenzen, die neue Technologien erfordern. Wenn es nach Dr. Tim Weingärtner von der Hochschule Luzern geht, wird es in Zukunft auf ein Zusammenspiel der – Zitat – „Mega-Trends“ Blockchain, IoT und KI hinauslaufen.

Digitale Zwillinge

Der Informatiker beschreibt in seinem Bericht für das EU Blockchain Observatory and Forum die wachsende Bedeutung von Digitalen Zwillingen. Unter einem digitalen Zwilling versteht man in erster Linie eine digitale Kopie eines physischen Objekts oder Prozesses. Diese digitalen Abbilder werden in der Praxis vor allem im Bereich physischer Produktionsprozesse, wie z. B. im Bau von Flugzeugtriebwerken, genutzt. Dabei können unter anderem Sensoren zum Einsatz kommen, die Daten vom realen Gegenstück auf den „Digital Twin“ projizieren. So ist es möglich, dass die digitalen Zwillinge Daten zum Betriebszustand des physischen Objekts liefern und dadurch sowohl Überwachung als auch Steuerung enorm optimieren können. Digitale Zwillinge bildeten übrigens auch ein Schwerpunktthema in der Märzausgabe des Kryptokompass.

Damit Digitale Zwillinge exisitieren können, brauchen sie eine Umgebung, die ein Analogon zur „realen“ Welt bildet. Für Weinmeister übernehmen Blockchain, IoT, KI und Big Data dabei die Rolle digitaler „Organe“. So fungieren die Sensoren der Geräte im Internet der Dinge als die Sinnesorgane der digitalen Welt. Roboter sind in der Lage, Veränderungen in der phyischen Welt vorzunehmen und sind damit Aktore („Actuators“) der digitalen Welt. Künstliche Intelligenz wird zum – man ahnt es – „Gehirn“ des Cyberspace. Die Methoden des Machine Learning erlauben es Maschinen, autonome und nachvollziehbare Entscheidungen zu treffen. Big Data bildet nach Weingärtner schließlich das Gedächtnis der digitalen Welt. Smart Contracts verknüpfen die digitale mit der physischen Welt und regisitrieren die Veränderungen auf beiden Seiten.

Das Zusammenspiel der Zukunftstechnologien


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Die Vorteile der digitalen Welt liegen auf der Hand, meint der Informatiker: In ihr können Distanzen ohne Zeitverlust überbrückt und Objekte beliebig oft kopiert werden. Letzteres kann allerdings zum Nachteil werden, wenn es um digitale Identität oder die Übertragung von Werten in Form von Währung oder Security Token geht. Nicht umsonst ist der Bitcoin-Begründer Satoshi Nakamoto seinerzeit angetreten, das Double-Spending-Problem zu lösen – und entwickelte als Antwort die Blockchain-Technologie. Diese berge in Verbindung mit IoT ein enormes Potenzial zur Gestaltung effizienterer Prozesse, gerade was Logistikanwendungen betrifft. Doch auch für die Sharing Economy und der Handel mit Daten könnten sich der Hochzeit von Blockchain und IoT signifikante Vorteile ergeben. Dasselbe gelte für Identitäts- und Netzwerkmanagement und den Bereich der Automatisierung.

Der Luzerner Professor geht auch kurz auf die Gefahren ein, die eine Verknüpfung von IoT und Blockchain mit sich bringt. So könnten Sensoren und das Interface einer Blockchain manipuliert werden. In Bezug auf KI könne die Blockchain-Technologie durch die Erschaffung von Datenmarktplätzen für eine „Demokratisierung der Daten“ sorgen, so Weingärtner. Diese Marktplätze exisitieren bereits heute, man denke etwa an den Data Marketplace von IOTA, auch wenn es sich bei IOTAs Tangle streng genommen nicht um eine Blockchain handelt. Überdies können Distributed-Ledger-Technologien bzw. die Blockchain die Authentizität von Daten gewährleisten. Ein entscheidender Use Case im Zeitalter der „Fake News“, meint Weingärtner. Letztlich könne die Künstliche Intelligenz auch das Auditieren von Smart Contracts übernehmen.

Der Apell an die Regierungen: Einheitliche Regeln für Blockchain & Co.

Was sich teilweise nach einer technologischen Utopie anhört, ist bereits im Begriff, Wirklichkeit zu werden. Damit die Verzahnung der Zukunftstechnologien Blockchain, KI, IoT und Big Data funktioniert, brauche es eine einheitliche Regulierung, so Weingärtner. Deshalb sollten die Regierungen der Europäischen Union und dem Rest Europas enger zusammen arbeiten und nicht in Grabenkämpfe verfallen.

Rechtliche und regulatorische Rahmenbedingungen sind entscheidend. Viele neue Geschäftsmodelle werden erst möglich, wenn die rechtlichen Grundlagen geschaffen und gesichert sind. Rechtsunsicherheit führt zu einer Lähmung der Innovation oder zur Migration in rechtssichere Länder.

Schließlich, so Weingärtner, richtet sich die digitale Welt nicht nach nationalen Grenzen. Und es klingt fast wie eine Drohung, wenn der Professor abschließend bemerkt:

Versuche, die Freiheit in der digitalen Welt zu begrenzen, werden scheitern, da es nur einen Klick dauert, um in ein anderes Land zu ziehen.

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