Bitpanda-CEO Eric Demuth im Interview: „Institutionelle Investoren steigen immer stärker in den Markt ein”

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 5 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Quelle: APA/Bitpanda

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Der österreichische Krypto-Broker Bitpanda zählt zu den führenden Anlaufstellen für Kryptowährungen in Europa. Trotz des Bärenmarkts 2018 konnte das bereits 2014 gegründete Broker-Unternehmen seinen Wachstumskurs fortsetzen. Wir haben einen der beiden CEOs und Gründer, Eric Demuth, zum Interview getroffen und mit ihm über die Zukunft des Krypto-Broker-Geschäfts, Goldsparpläne sowie die Regulierung in Österreich gesprochen.

BTC-ECHO: Seit dem ICO-Hype Ende 2017 müssen viele Krypto-Börsen und Broker schließen. Geht der Trend weiter?

Eric Demuth: Das hat mit dem ICO-Hype nichts zu tun. ICOs wurden damals [während des Hypes in 2017] von Trittbrettfahrern, die der Szene bis dahin fern waren, missbraucht. Davon war Bitcoin aber nur indirekt betroffen. ICOs waren nur eine Testphase für das, was in Zukunft kommen wird, nämlich transparentere IPO-Möglichkeiten. ICOs haben gezeigt, dass man durch Tokenisierung viel kosteneffizienter am globalen Kapitalmarkt handeln kann.

Gerade im Broker-Bereich gab es seit 2013 unglaublich viele Markteinsteiger. Das verhielt sich aber wie in anderen Branchen: Wenn das Team und die zugrundeliegende Substanz schlecht ist, kann das Start-up langfristig nicht überleben. Das hat man bei Mt.Gox ja auch gesehen: Das Team war einfach überfordert.


BTC-ECHO: Also ein ganz normaler Aussiebungsprozess, bei dem sich die Spreu vom Weizen trennt?

Eric Demuth: Absolut! Das hat mit Krypto oder ICO nichts zu tun, wie in jedem Markt setzen sich diejenigen Unternehmen durch, die ein gutes Produkt liefern. Und dann gibt es wie in jeder Branche Opportunisten, die mit Geld [in den Markt] gehen und genauso schnell wieder verschwinden.

Im Gegensatz zu den anderen Unternehmen wurden wir nicht durch VC Money [Venture Capital, Risikokapital] hochgepusht, sondern haben es geschafft, ein gutes Produkt zu bauen, mit dem wir seit über zwei Jahren rentabel sind. Im neuen Büro in Wien sind wir mittlerweile 110 Leute. Wir haben nie aufgehört, zu recruiten.

BTC-ECHO: Immer mehr etablierte Finanzinstitutionen wie traditionelle Börsen oder Vermögensverwaltungen drängen ebenfalls in den Krypto-Markt. Seht ihr hier eine Bedrohung für euer Geschäftsmodell?

Eric Demuth: Das ist eigentlich etwas Gutes. Das fing in den USA an. Dort sind die Finanzmärkte zuerst in den Krypto-Markt gegangen, haben gutes Geld in die Hand genommen und Teams aufgebaut. Da ist auf jeden Fall Bakkt, die New York Stock Exchange, Fidelity und J.P. Morgan zu nennen. Jeder ist da irgendwie beteiligt. Europa zieht jetzt zögerlich nach. Jetzt merkt man: Von Monat zu Monat werden die Anfragen größer. Der Markt professionalisiert sich und die institutionellen Investoren steigen immer stärker in den Markt ein.

BTC-ECHO: Nun bietet ihr seit Kurzem auch den Erwerb von physisch besichertem Silber und Gold an. Wie kann man sich das vorstellen, was ist der Unterschied zu klassischen Zertifikaten?

Eric Demuth: Wir haben das ursprünglich gemacht, weil der Goldhandel extrem beliebt ist. Das Problem an der Sache ist, dass das häufig intransparente Produkte mit hohen versteckten Kosten sind. Wir haben uns dann gedacht, ein Produkt auf den Markt zu bringen, das alle Vorteile von Gold vereint, aber trotzdem dem digitalen Zeitalter gerecht wird.

Wir haben uns dann entschieden, physisches Gold zu nehmen, das in gesicherten Lagern in der Schweiz liegt und versichert ist.

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BTC-ECHO: Und wie funktioniert das jetzt mit der Verbuchung bei euch?

Eric Demuth: Ganz einfach. Genau wie du über uns Kryptowährungen kaufen kannst, kannst du das digitalisierte Gold auf deine Wallet laden. Die Lagerung und Versicherung kostet pro Woche nur 0,0125 Prozent; das ist unschlagbar.

BTC-ECHO: Wo ist dann euer Business Case, wenn die Gebühren so niedrig sind?

Eric Demuth: Das ist eigentlich kein sehr profitables Geschäft, aber dient dazu, das Ökosystem unserer Plattform zu stärken. Letztlich wollen wir ja den Finanzmarkt sowohl demokratisieren als auch digitalisieren. Ein Kilo Gold zu kaufen, kostet derzeit etwa zwei Prozent Gebühren. Wenn du aber nur ein Gramm Gold für 37 Euro kaufst, hast du einen Aufpreis von fast 50 Prozent. In beiden Fällen liegt der Aufpreis bei uns bei lediglich 0,5 Prozent. Übrigens kannst du bei uns auch einen Sparplan für Gold, Silber und Kryptowährungen anlegen.

BTC-ECHO: Selbst Binance, die größte Krypto-Börse der Welt, wurde gehackt. Wie schaffen es die Hacker immer wieder, Börsen und Broker zu infiltrieren?

Eric Demuth: Das sind doch keine Hacks, das sind meistens Inside Jobs. In erster Linie hat das was mit internen Policies zu tun. Häufig ist es eine Frage der Bequemlichkeit. Oft wollen die Exchanges bei hoher Nachfrage nicht ständig an die Cold Storage herangehen und lassen große Summen [an Kryptowährungen] auf der Hot Wallet liegen und schon hast du das Malheur.

Die Frage ist einfach: Wie viel Aufwand bist du bereit in die Sicherheitsinfrastruktur zu investieren.

BTC-ECHO: Ihr sitzt in Österreich. Wie empfindet ihr die Regulierung dort? Habt ihr schon mal überlegt, euren Sitz in eine andere Jurisdiktion zu verlegen?

Eric Demuth: Wir haben in Österreich begonnen, zu einer Zeit, in der es keine Rolle gespielt hat, wo du ein Krypto-Business startest. Das hat sich bisher gut entwickelt. Wir bleiben jetzt in Österreich. Dort haben wir ein neues Büro gebaut, mit knapp 3.000 Quadratmetern Fläche. Also durchaus eine Zukunftsinvestition.

Was die Regulierung angeht: Wir haben jetzt die PSD2-Lizenz [Payment Service Directive, eine EU-weite Regelung für die FinTech-Branche] von der Finanzaufsicht bekommen. Das war die schnellste Zahlungsdienstleiterkonzession, die jemals ausgegeben wurde. Das zeigt doch die Offenheit der Behörde gegenüber Krypto-Start-ups.


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