Bitfinex und Tether wegen massiver Marktmanipulation angeklagt

Anton Livshits

von Anton Livshits

Am · Lesezeit: 5 Minuten

Anton Livshits

Anton Livshits absolviert ein Masterstudium der Kulturwissenschaften an der Universität Leipzig. Seine Beschäftigung mit Krypto-Themen ist das Resultat eines grundlegenden Interesses am Wechselspiel von technischer Innovation und gesellschaftlichem Wandel.

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Quelle: Shutterstock

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Der Streit um die Bitcoin-Börse Bitfinex und das Stable-Coin-Unternehmen Tether geht in die nächste Runde. Die beiden Schwesterfirmen sind erneut Gegenstand einer Klage. Die Vorwürfe, darunter Marktmanipulation, wiegen schwer, insbesondere im Angesicht der Summe, die hierbei auf dem Spiel steht. Indessen scheint die ganze Klage mit einer bis lang unveröffentlichten Studie zusammenzuhängen.

Die Kontroverse um die Bitcoin-Börse Bitfinex und ihr Schwesterunternehmen Tether dauert an. Eine am 6. Oktober in New York eingereichte Klage wirft den beiden Krypto-Unternehmen vor, durch gezielte Manipulation in den Krypto-Markt eingegriffen zu haben. Der so entstandene Schaden soll sich auf  astronomische 1,4 Billiarden US-Dollar belaufen.

Die Klage stammt von diversen Krypto-Investoren und ist als Sammelklage konzipiert. Als Anwälte der Ankläger treten Vel Freedman und Kyle Roche auf, die kürzlich unter anderem einen Prozess gegen Craigh Wright gewonnen hatten. Die Klage richtet sich gegen Tether, Bitfinex, deren Mutterkonzern ifinex und eine Reihe weiterer mit ihnen verbundenen Unternehmen und Persönlichkeiten. Im Zentrum der Anklage stehen jedoch klar Bitfinex sowie Tether, das mit USDT für den ersten und erfolgreichsten Stable Coin verantwortlich ist. Der Anklageschrift nach haben die beiden Unternehmen gezielt Kryptowährungen verwendet, „um Investoren zu betrügen, Märkte zu manipulieren und illegale Erlöse zu verschleiern.“

Bitfinex und Tether sollen den Krypto-Markt gezielt beeinflusst haben

Die Vorwürfe gegen die beiden Unternehmen wiegen in der Tat schwer, auch wenn die meisten von ihnen schon länger in der Krypto-Szene Thema sind. Tether und Bitfinex sollen so zum einen das Maß ihrer Zusammenarbeit systematisch verschwiegen haben. Der Kern des Problems ist laut der Anklageschrift jedoch die von Tether geleistete Behauptung, der USTD-Wert sei stets im 1:1-Verhältnis an den US-Dollar gekoppelt. Jeder herausgegebene USDT-Token sollte demnach für einen zusätzlichen US-Dollar stehen, der in den Krypto-Markt hineingeflossen ist. Die Verfasser der Anklageschrift meinen, darin eine Lüge zu erkennen. Tether soll stattdessen weitaus mehr USTD gedruckt haben, um so ein falsches Marktwachstum anzudeuten.


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Mit den so gedruckten USDT-Token sollen Tether und Konsorten dann andere Kryptowährungen erworben haben, auch der Marktumsatz von Bitfinex wurde dadurch künstlich aufgebläht. Als Resultat soll sich nicht weniger als die „größte Marktblase in der Geschichte der Menschheit“ gebildet haben. Demnach gingen durch ihr Platzen innerhalb eines Monats 450 Milliarden US-Dollar an Wert verloren. Die Verfasser der Anklageschrift führen sogar das jetzige Schwächeln des Krypto-Marktes hierauf zurück.

Die Anklageschrift wirft Tether und Bitfinex folglich den Burch von zahlreichen Gesetzen vor. Darunter auch einen Verstoß gegen die Rico-Statuten, die in den USA einst für den Kampf gegen das organsierte Verbrechen eingeführt wurden.

Tether und Bitfinex rechneten mit Klage

Interessant ist indessen, dass Bitfinex und Tether die drohende Klage bereits antizipiert hatten. In zwei nahezu identischen Pressemitteilungen vom 5. Oktober führen die beiden Unternehmen den Trubel auf ein unveröffentlichtes Paper zurück, das Tether und Bitfinex ebenjene bewusste Manipulation des Bitcoin-Marktes unterstellt. In ihren Stellungnahmen distanzieren sich die beiden Unternehmen von dieser Studie, diese sei demnach nicht durch den Prozess der Peer-Review gegangen. Das würde heißen, dass sie nicht den gewohnten wissenschaftlichen Standards entspricht. Sowohl das Paper als auch die eigentliche Klage seien demnach bodenlos und nichts weiter als Ausdruck von Geldgier und Opportunismus:

Wir erwarten voll und ganz, dass Söldneranwälte dieses zutiefst fehlerhafte Paper verwenden, um die Kläger für eine opportunistische Klage zu gewinnen, die möglicherweise das wahre Motiv der Studie gewesen ist. Tatsächlich wären wir nicht überrascht, wenn eine solche Klage unmittelbar eingereicht würde. Im Vorfeld jeder Einreichung möchten wir unsere Position klarstellen, dass alle Ansprüche, die auf diesen Unterstellungen beruhen, wertlos, leichtsinnig und ein schamloser Versuch eines Geldraubs sind. Dementsprechend wird sich Bitfinex in einer solchen Klage energisch verteidigen.

Welches Paper?

In ihrem Statement lassen beide Unternehmen allerdings offen, auf welche Studie sie sich konkret beziehen. Das Finanznachrichtenportal Financial Magnate spekuliert, dass ein Artikel der Nachrichtenplattform Bloomberg von vergangener Woche den Auslöser für die prophylaktische Verteidigung der Unternehmen markierte. Der Artikel stützt sich auf Zahlen der Blockchain-Analysefirma TokenAnalyst. Deren Recherchen haben ergeben, dass der Bitcoin-Kurs in 70 Prozent der Fälle bei Auszahlung von Tether auf der Ethereum Blockchain stieg. Auf Omni, das mit dem Hauptbuch von Bitcoin verbunden ist, stieg der Bitcoin-Kurs in 50 Prozent der Fälle.

Dabei wäre die Studie nicht die erste, die Bitfinex und Tether einen erheblichen Einfluss auf den Bitcoin-Kurs attestiert. Einen ähnlichen Verdacht haben die beiden Finanzforscher John M. Griffin und Amin Shams bereits in ihrem – wissenschaftlichen – Paper „Is Bitcoin Really Un-Tethered?“ bereits im Juni 2018 geäußert.

Bitfinex und Tether: schon immer kontrovers

Es ist bei Weitem nicht das erste Mal, dass Tether und Bitfinex im Verdacht stehen, gemeinsam Kursmanipulation am Krypto-Markt zu betreiben. Bereits im vergangenen Jahr wurde gegen die Unternehmen Anklage wegen Veruntreuung erhoben. Im Raum stand hierbei ein Betrag von rund 850 Millionen US-Dollar. Laut der damaligen Anklageschrift soll Tether im November 2018 650 Millionen US-Dollar an Bitfinex überwiesen haben. Dadurch konnte die Krypto-Börse weitere Zahlungen an ihre Kunden gewährleisten. Des Weiteren soll eine Kreditlinie von Tether eingeräumt worden sein, wodurch Bitfinex Zugriff auf weitere Tether-Reserven erhielt. Brisant ist das Ganze natürlich deshalb, weil beide Firmen über dieselbe Eigentümerstruktur verfügen.

Ein häufig erhobener Vorwurf lautet zudem, dass die Bitfinex nicht genügend Geldreserven habe, um ihre Kunden auszuzahlen. Dass die Noble Bank 2018 den Tether-Nachschub nicht mehr decken konnte, rief daher eine Vielzahl verprellter Bitfinex-Nutzer auf den Plan. Sie bemängelten, dass Abhebungen nicht möglich waren, ihre Bitcoin verschwanden und dass Bitfinex nicht auf Kundenanfragen reagierte.

Im Lichte der aktuellen Klage könnten auch die hier aufgelisteten Vorwürfe nochmals bedeutend werden.



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