Bitcoin vor dem Genesis-Block – Botschaften aus der Vergangenheit

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Bitcoin vor dem Genesis-Block – Botschaften aus der Vergangenheit

Ein alter Quellcode wirft Licht auf Bitcoin vor dem Genesis-Block. Krypto-Archäologen können verworfene Ansätze Satoshi Nakamotos studieren – die auch Craig Wrights Anspruch auf dieses Pseudonym anfechten. 

Wer nicht von dreitausend Jahren Sich weiß Rechenschaft zu geben, Bleib im Dunkeln unerfahren, Mag von Tag zu Tage leben“ wusste schon Goethe. Die Bitcoin-Blockchain ist zwar noch lange keine dreitausend Jahre alt, aber auch hier lässt sich viel aus der Vergangenheit lernen. Jüngst haben einige Twitter-User wieder einen Blick auf die Vor- und Frühgeschichte von Bitcoin geworfen. Allein die dort diskutierte Quelle selbst ist von Ende 2013, greift aber noch weiter in die Vergangenheit zurück.

Ray Dillinger, im Internet bekannter unter dem Pseudonym Cryddit, schenkte der Bitcointalk-Community am 23. Dezember 2013 ein kleines Weihnachtsgeschenk: Er veröffentlichte Quellcodes des Bitcoin Clients von 2008, sprich noch aus einer Zeit vor dem Genesis Block. Bitcoin-Geschichte vor Bitcoin, sozusagen.

Über eine Mailing List ist bekannt, dass Satoshi Nakamoto Interessierten den Quellcode des ersten Bitcoin-Clients gesendet hätte. Allein, dass dieser Code überhaupt anderen als Satoshi Nakamoto bekannt war, ist äußerst interessant, lässt das doch den Schluss zu, dass schon zu Zeiten des Genesis Blocks mehrere Miner vorhanden waren. Ein interessanter Nebenpunkt ist, dass der Begriff Miner zwar nicht im White Paper, wohl aber in den ältesten Quellcodes vorkommt:

Doch der Quellcode ist nicht einfach wegen einigen Begrifflichkeiten spannend. Ironischerweise greift der Quellcode einige „Heilige Kühe“ der Bitcoin-, Bitcoin-Cash- und Blockchain-Community an.

Timechain statt Blockchain


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Das White Paper spricht zwar von Blöcken und auch von einer längsten Kette, der Begriff Blockchain ist jedoch nicht bekannt. Der Quellcode geht sogar noch einen Schritt weiter: Hier wird von der Timechain gesprochen:

Das ist so interessant, dass sich einige Bitcoin-Maximalisten mit dem Begriff „Timechain“ anfreunden:

Ist also „Timechain statt Blockchain“ die Antwort vom Bitcoin-Maximalisten auf das alte „Blockchain statt Bitcoin“? Jedenfalls finden in diesem Begriff philosophische Implikationen um Gemeinsamkeiten zwischen Zeit und Bitcoin einen Namen. Und mit Nic Carter könnte man sagen, dass Blockchain nur ein Buzzword sei.

Bevor wir jedoch alle von einer Timechain sprechen: Nicht alle sehen eine Notwendigkeit für einen Begriffswandel. Peter Todd, selbst Urgestein der Bitcoin-Community, steht diesem Begriff kritisch gegenüber. Er geht sogar so weit, in diesem eher eine Propaganda von IOTA zu sehen:

Wo war die Limitierung?

Jenseits der Begrifflichkeiten gibt es jedoch noch weitere, signifikante Unterschiede zum Bitcoin, wie wir ihn jetzt kennen. Während der Begriff „Miner“ schon bekannt war, finden sich zwei Charakteristiken nicht: Die Blockgröße beziehungsweise die Limitierung derselben auf einen MB findet sich im Quellcode nicht. Zwar existiert eine Variable namens MAX_SIZE, die jedoch nichts mit der Blockgröße zu tun hat. Erst im Juli 2010 führte Satoshi Nakamoto das bekannte Block Size Limit von einem MB ein:


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Ray Dillinger weiß dazu zu berichten, dass Satoshi Nakamoto und er selbst eigentlich keine großen Freunde des Limits waren. Damals war jedoch ein beliebter Angriffsvektor, das Netzwerk mit großen Transaktionen zu fluten und so eine DoS-Attacke auszuführen. Durch Begrenzung der Blockgröße konnte diesen Angriffen standgehalten werden.

Soweit könnte man „Bitcoin Cash/SV is the real Bitcoin“ sagen. Doch das ist längst nicht die einzige Abweichung zu dem, was heute Normalsterbliche unter dem echten Bitcoin verstehen. Die Grenze von 21 Millionen Token kam sogar erst etwas später vor:

Die ursprüngliche Vision Satoshis hatte also den maximalen Supply nicht explizit im Code stehen. Ein anderes interessantes Detail an dieser Stelle sind die Größen „Coin“ und „Cent“. Anscheinend hatte Satoshi Nakamoto ursprünglich vor, direkt im Code eine Art Bitcoin-Cent zu implementieren. Dieser Bitcoin-Cent wäre beim aktuellen Bitcoin-Kurs knapp 50 US-Dollar wert.

Marktplätze und Bitcoin-Atome

Bei diesen Fragestellungen kann man immer noch von einfachen Varianten sprechen. Ein Blick auf alte Code-Fragmente zeigt jedoch, dass es ein Konzept namens Atoms gab. Bitcoin-Atome sollten im Rahmen von User Reviews weitergegeben werden:

Mike Haern konnte ein wenig Licht in den Sinn hinter diesen Atomen bringen: Ursprünglich wollte Satoshi Nakamoto eine Art Peer-to-Peer-Marktplatz integrieren. Reviews auf diesem Markt sollten basierend auf dem Mining eines jeden Einzelnen gewichtet werden. Jene, die mehr Blöcke fanden und so dem Netzwerk mehr halten, sollten mehr Bitcoin-Atome erhalten und so bei Reviews eine signifikantere Stimme erhalten. Der kritische Leser merkt schnell, dass Satoshi Nakamotos ursprüngliche Vision nicht von einer Dominanz des Pool Minings ausging.

Wikileaks und Archive.org vergessen nie


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Warum sind derartige Fragestellungen wichtig? Zum einen ist es einfach immer wieder spannend, mehr über die Ursprünge Bitcoins zu erfahren, doch es ist noch mehr: Die Entwicklung in den Urtagen Bitcoins zeigt, dass Bitcoin als ein lebendes Projekt gedacht war. Es ging Satoshi Nakamoto nicht einfach darum, die Charakteristika in einem neunseitigen Paper festzuhalten, nachdem nichts mehr geändert werden sollte.

In diesem Kontext kann die Urzeit Bitcoins auch die Claims von Craig Wright anfechten. Wenn Satoshi Nakamoto von einer Timechain sprach und wenn Bitcoin-Atome angedacht waren – warum nutzt die Person, welche Satoshi Nakamoto sein soll, nicht genau diese Sprache? Er hätte immerhin derartige Begriffe verwenden können, als er über seine „Arbeit über Kryptowährungen“ geschrieben hat. Oder auch nicht.

Auf welcher Seite des Streits über die Person von Craig Wright man auch stehen mag: Die Urgeschichte Bitcoins lehrt uns, dass die Mutter aller Kryptowährungen von mehreren Seiten entwickelt und debuggt wurde, dass Satoshis Vision nicht so in Stein gemeißelt war, wie manche behaupten und dass womöglich sogar das Mining in alten Tagen dezentral geschah. Vielleicht sollte man gar nicht so viel auf die Fragestellung, wer der echte Satoshi ist, geben.

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