Hongkong „Bitcoin lässt dich nie im Stich“: Anzeige stachelt Hongkonger zum BTC-Kauf an

Anton Livshits

von Anton Livshits

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Anton Livshits

Anton Livshits absolviert ein Masterstudium der Kulturwissenschaften an der Universität Leipzig. Seine Beschäftigung mit Krypto-Themen ist das Resultat eines grundlegenden Interesses am Wechselspiel von technischer Innovation und gesellschaftlichem Wandel.

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Dass Bitcoin keiner staatlichen Aufsicht unterliegt, war schon immer ein Eckpfeiler des Krypto-Narrativs. Eine Werbeanzeige im gebeutelten Hongkong hat dieses Motiv nun aufgegriffen.

Hongkong durchlebt turbulente Zeiten. Die chinesische Zentralregierung erhöht ihren Druck auf die einstige Sonderverwaltungszone und reiche Bürger bringen Kapital in Form von Gold aus der Stadt. Andere Hongkonger scheinen indes Bitcoin als Wertspeicher zu präferieren. Denn im örtlichen Boulevardblatt Apple Daily erschien am 24. August eine seitenfüllende Werbeanzeige für die Kryptowährung Nr. 1.


Die Anzeige mit dem Titel „Bitcoin lässt dich nie im Stich“ war auf der Titelseite der regierungskritischen Zeitung abgedruckt. Sie hatte einen deutlich politischen Unterton. Als wesentliches Argument für Bitcoin führte sie seine Unabhängigkeit von Regierungsinstanzen ins Feld . Der Text ist in chinesischer und englischer Sprache abgefasst. Ins Deutsche übersetzt lautet er:

Bitcoin ist digitales Geld. Kein Staat oder Unternehmen gibt Bitcoin aus oder kontrolliert es. Niemand kann Sie daran hindern, Transaktionen über das Netzwerk abzuwickeln, und es kann nicht abgeschaltet werden. Bitcoin ist für jedermann verfügbar, ungeachtet seiner Nationalität, seines Geschlechts oder seiner Überzeugungen. Bitcoin begann mit dem Genesis-Block während der Finanzkrise von 2009. Jetzt ist seine Zeit gekommen.

Druck auf Pro-Demokratie-Bewegung wächst

Als einstige britische Kolonie genoss Hongkong nach seiner Wiedereingliederung einen gewissen Grad an Unabhängigkeit von Pekings autoritärem Regierungsapparat. In den letzten Jahren begann Chinas Führung jedoch ihren Einfluss auf die Stadt auszuweiten. Teile von Hongkongs Bevölkerung reagierten mit pro-demokratischen Demonstrationen, die teilweise ein blutiges Ende fanden. Das Ringen der Hongkonger um den Erhalt der eigenen Autonomie mündete dieses Jahr schließlich in das umstrittene Sicherheitsgesetz. Der vom Volkskongress in Peking verabschiedete Erlass richtet sich gegen terroristische und aufrührerische Aktivitäten. Kritiker sehen darin vornehmlich ein Mittel im Kampf gegen Hongkongs pro-demokratische Opposition.

Auch der Apple Daily-Besitzer Jimmy Lai bekam die Auswirkungen des Sicherheitsgesetzes zu spüren. Sicherheitskräfte verhafteten am 10. August den Medienunternehmer und Chef jener Zeitung, die nun die Bitcoin-Anzeige geschaltet hat. Nach 40 Stunden kam Lai gegen Kaution frei. 200 Polizeibeamten durchsuchten unterdessen die Redaktionsräume von Apple Daily. Am 26. August kam es in Hongkong zu einer neuerlichen Verhaftungswelle.

China bleibt Bitcoin-skeptisch

Während die Anzeige Hongkongs Bürger zur Investition in Bitcoin aufruft, ist das Verhältnis der chinesischen Machthaber zur wichtigsten Kryptowährung nach wie vor zwiegespalten. Denn während chinesische Unternehmen im Schürfen von Bitcoin weltweit führend sind, ist der BTC-Handel im Reich der Mitte weitestgehend untersagt.

Ein Bericht der Pekinger NGO Beijing Arbitration Commission (BAC) legt unterdessen nahe, dass Bitcoin in China nicht gänzlich verboten ist. Zwar könne es nicht als Zahlungsmittel angesehen werden, das Gesetz betrachtet es laut der BAC jedoch als virtuelles Gut. Dadurch ist etwa der Besitz von BTC in China nicht strafbar.

Der anhaltenden Bitcoin-Skepsis zum Trotz, zeigt Peking im Übrigen ein deutliches Interesse an Kryptowährungen unter staatlicher Kontrolle. Die geplante chinesische digitale Zentralbankwährung befindet sich bereits in einer fortgeschrittenen Testphase.

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