Bitcoin und Co. als Stabilitätsanker der Weltwirtschaft

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 6 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

Teilen
Teamwork

Quelle: © fovito - Fotolia.com

BTC10,674.32 $ 3.65%

Es sind weniger die Vorteile der digitalen Währungen, sondern vielmehr die Probleme der globalen Finanz- und Notenbankpolitik, die zum Erfolg von Bitcoin und Co. entscheidend beitragen.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30. Juni 2019 05:06 Uhr von Mark Preuss

Die Schulden in den westlichen Industrienationen sind so hoch wie nie und gleichzeitig sind sämtliche, seriöse Instrumente der Notenbanken aufgebraucht. Angesichts der Schuldenstände ist spätestens seit der Griechenlandkrise jedem klar, dass ohne einen Schuldenschnitt, praktisch keine andere Notenbankpolitik, außer die einer hochriskanten und maximal expansiven, möglich ist. Die Gefahr, die dabei von einer derartigen Notenbankpolitik ausgeht, ist nur wenigen bewusst.

Nachdem der Ankauf von Staatsanleihen nicht die erhoffte Wirkung gebracht hat werden nun von der Europäischen Zentralbank Unternehmensanleihen aufgekauft. Die Gefahr einer Blasenbildung und unkalkulierbaren Preisverzerrungen an den Märkten nimmt damit deutlich zu. Noch dramatischer als die Gefahren dieser Politik sind die Auswirkungen auf das Vertrauen gegenüber der europäischen Währung, dem Euro. Wenn nun unsere Währungshüter, bedingt durch wirtschaftliche und finanzpolitische Instabilität, von den Staaten dazu gedrängt werden, jede makroökonomische Seriosität über Bord zu werfen, dann geht dies mit einem massiven Vertrauensverlust gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung einher. Aber auch die japanische und amerikanische Notenbank haben längst eine stabilitätsorientierte Notenbankpolitik aufgegeben.

Was ist die Konsequenz dieser globalen Abwertungsspirale?

Unternehmen, Investoren und private Haushalte suchen nach vertrauenswürdigeren Alternativen. Dies können zum einen Staaten mit einer soliden Finanz-und Notenbankpolitik sein oder aber, viel entscheidender, politisch respektive staatlich unabhängige Währungen, wie eben Bitcoin.


Die Unabhängigkeit von politischen und wirtschaftlichen Krisen, der Brexit ist das beste aktuelle Beispiel, ist die entscheidende Stärke der digitalen Währungen. Die Flucht in digitale Währungen zeigt sich in der positiven Korrelation zu Krisen. Nach dem Brexit-Votum stieg der Bitcoin Kurs signifikant, weitere Beispiele gibt es zuhauf.

Folglich können digitale Währungen dazu beitragen unser Wirtschaftssystem zu stabilisieren, da insbesondere in Krisenzeiten Bitcoin und Co. als flexible Alternativen dafür sorgen können den wirtschaftlichen Austausch sicherzustellen.

So hätten beispielsweise die wirtschaftlichen und sozialen Verwerfungen in Griechenland, in der Zeit als das Bankensystem zum Erliegen gekommen ist, durch digitale Währungen abgemildert werden können. Dadurch, dass in dieser Krisenzeit das Bargeld rationiert wurde kam es zu enormen Entbehrungen bei Händlern und Verbrauchern. Hätte es zu diesem Zeitpunkt eine ausgebaute Bitcoin-Infrastruktur gegeben, wäre dies in diesem Maße wahrscheinlich nicht passiert.

Ein anderes Beispiel stellen Argentinien, Venezuela oder weitere südamerikanische Länder, welche oftmals mit hoher Inflation zu kämpfen haben, dar. Digitale Währungen können hier die nötige Stabilität für Unternehmen und Konsumenten gewährleisten, die durch die Inflation geraubt wird. Länder, die mit einer starken Abwertung der eigenen Landeswährung gegenüber anderen Währungen zu ringen haben, könnten durch die Nutzung digitaler Währungen ihren Import, zumindest in Teilen, auch in schweren Zeiten sicherstellen.

Was bedeutet das für die Weltwirtschaft?

Digitale Währungen sollten von Staaten nicht bekämpft, sondern als Anker der Stabilität angesehen werden. Insbesondere Länder, die zu einer instabilen und inflationären Währungs- und Geldpolitik neigen, sollten überlegen, ob es nicht vielleicht sinnvoller wäre “zweigleisig” zu fahren .

Schließlich sind digitale Währungen viel besser als Zigaretten und Schnaps, welche in vergangenen Krisenzeiten als Schwarzmarktwährungen herhalten mussten, geeignet. Aber bereits schon längst vor diesem Krisenszenario kann eine Koexistenz von staatlichen und digitalen Währungen durchaus sinnvoll sein.

Durch die Wahlmöglichkeit, die dadurch Konsumenten und Kaufleuten gegeben wird besteht ein Anreiz für die staatlichen Währungen bzw. die Notenbanken eine vertrauenswürdige Alternative zu den digitalen Währungen darzustellen. Dieser Wettbewerb könnte dazu führen, dass Notenbanken wieder stärker dazu gezwungen werden eine stabile Notenbankpolitik zu verfolgen. Korrespondierend dazu werden Staaten stärker dazu gedrängt notwendige Reformen vorzunehmen, da die Notenbanken aufgrund des gestiegenen Wettbewerbsdrucks nicht mehr alle Wünsche des Staates erfüllen können.

Eine solche Koexistenz, oder eben auch Konkurrenz, würde bedeuten, dass der Staat proaktiv den Ausbau notwendiger digitaler Infrastrukturen vornimmt, rechtliche Rahmenbedingungen zur Akzeptanz von digitalen Währungen schafft und diese an die Bevölkerung, Institutionen und Unternehmen deutlich kommuniziert.

Neben der binnenwirtschaftlichen Stabilität können Staaten durch Berücksichtigung digitaler Währungen zusätzlichen Handlungsspielraum an den internationalen Finanzmärkten gewinnen. Aufgrund des aktuell niedrigen Ölpreises bieten sich vor allem Russland und die Arabischen Emirate als Beispiel an. Diese verbrennen zurzeit enorme Summen an Währungsreserven, um ihren Staatshaushalt zu finanzieren, da die Einnahmen durch Öl und Gas massiv eingebrochen sind. Diese Situation führt gleichzeitig zur Schwächung der eigenen Währung. Entsprechend hart trifft es dann einen Staat, wenn er dazu gezwungen ist eingebrochene Einnahmen durch den Verkauf einer immer weniger werthaltigen (bezogen auf den Außenwert) Währung zu kompensieren. Dies gilt vor allem für die Bedienung von Verbindlichkeiten in einer ausländischen Währung. Schließlich sind viele Staaten dazu gezwungen Anleihezinsen in US-Dollar zurückzuzahlen. Bei einem starken Außenwert der eigenen Währung und einem entsprechend günstigen Wechselkurs ist dies kein Problem, umgekehrt aber schon. Würde der Staat nun einen Teil seiner Währungsreserven in Bitcoin parken, so könnte er sich den im Zweifel besseren Bitcoin / USD Wechselkurs zu Nutze machen.

Natürlich gibt es zu dieser Hypothese auch das Gegenargument, dass eine Akzeptanz von Bitcoin, wie ich sie oben vorgeschlagen habe, die Abwertung der eigenen Währung nur noch verstärken würde. Es ist sicherlich richtig, dass in Krisenzeiten private Haushalte und Unternehmen die Möglichkeit in Bitcoin zu flüchten stärker nutzen würden und damit die Schwächung der eigenen Währung weiter vorantreiben würden. An dieser Argumentation ist soweit auch nichts auszusetzen. Allerdings sollte immer die Frage gestellt werden, wie die maximale wirtschaftliche Wohlfahrt bzw. die maximale wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleiben kann. Entsprechend dieser Annahmen kann es daher durchaus sinnvoll sein, unter Abwägung der Alternativen, eine Schwächung der eigenen Währung, bedingt durch eine Verlagerung auf Bitcoin, in Kauf zu nehmen.

Vielleicht kann eine monetäre Vielfalt dazu beitragen, die komplexen globalen Interdependenzen und die damit einhergehenden Verzerrungen abzufedern – wir werden sehen.

Sven Wagenknecht, BTC-Echo


Teilen

Die aktuellsten News kostenlos per E-Mail

Ich stimme zu, dass meine E-Mail-Adresse für den Versand des Newsletters gespeichert und verarbeitet wird. Weitere Hinweise
BTC-ACADEMY

Kryptowährungen einfach kaufen und verkaufen

Ein Bankkonto, Krypto-Wallets und Trading vereint

  • Einfach, sicher und zuverlässig
  • Kontoeröffnung in nur 5 Minuten
  • Nur 1% Handelsgebühr
  • Made in Germany