Bitbond – internationale P2P-Darlehen dank Bitcoin

Bitbond bringt dank Bitcoin weltweit Darlehensgeber und -nehmer zusammen. Im Interview gewährt Radoslaw Albrecht, CEO von Bitbond, Einblicke.



Gerade Kleinunternehmer können davon ein Lied singen: man hat ein Unternehmen, möchte expandieren- und hat das Geld nicht. Bootstrapping ist nicht immer eine Möglichkeit und nicht in jedem Land sind die Möglichkeiten, Kredite zu erhalten so gut wie in Deutschland.

Wie kann aber ein Unternehmen in diesen Ländern dennoch an Geld kommen? Sicherlich existieren Möglichkeiten wie Kiva oder ähnliches in Schwellenländern, aber hier hat man wieder einen Mittelsmann. Oft ist es notwendig, dass der Darlehensnehmer über ein klassisches Bankkonto verfügen muss, was auch nicht überall so trivial ist wie hier.

Neben den Unternehmen, die nach Geld suchen, gibt es oft auch jene, die ihr Geld gerne verleihen würden – natürlich zu günstigen Konditionen. Nichte jeder potentielle Darlehensgeber kann sich die Gebühren im klassischen Verfahren leisten.

Bitbond löst diese Probleme und baut ein internationales Peer to peer lending Netzwerk auf. Dabei setzt es auf Bitcoin. Mithilfe von Bitcoin brauchen beide Seiten kein klassisches Bankkonto, man kann international Geld verleihen und kann deutlich schneller aus bei den klassischen Prozessen zu einem Darlehen kommen.

Bitbond tut das ganze keineswegs auf einer dubiosen Basis, sie sind sogar von der BaFin lizensiert. Das ist nicht nur für Bitbond selbst sowie die Darlehensnehmer und -geber schön, dass sie damit auf einer rechtlich sicheren Seite stehen; im Bitcoin-Rahmen ist Bitbond damit eine Sensation.

Das Unternehmen zeigt, dass Bitcoin nicht einfach ignoriert wird oder sofort mit Darknet und Terrorismus assoziiert wird, sondern dass es, im richtigen Rahmen, vollkommen legitim als Basis eines Geschäftsmodells genutzt werden kann. Damit ist Bitbond ein guter use case für das, was Thema auf dem vor einigen Tagen vorgestellte Deloitte-Symposium war. Grund genug, mit Radoslaw Albrecht, dem CEO und Gründer von Bitbond, zu reden.

Bitbond – was ist das?

Fangen wir mit Dir an, Radko! Wie kamst du dazu?

Ich habe Wirtschaftswissenschaften studiert und als Schwerpunkt mich auf Finanzdienstleistungen fokussiert. Nach dem Studium habe ich bei der Deutschen Bank im Handel und danach bei dem Beratungsunternehmen Roland Berger gearbeitet.

Ab 2011 habe ich mich sehr für Peer 2 Peer lending interessiert. Das war damals zwar noch nicht neu, ich habe aber gesehen, dass diese bisher nur in einem Land tätig waren. Darlehensgeber und – nehmer waren also darauf angewiesen, dass es im selben Land jeweils den Gegenpart gab. Problem war, dass bei klassischen Paymentmethoden die Grenzüberschreitung zu teuer und zu aufwändig ist.

Diese Probleme werden durch Bitcoin gelöst, wie ich bei Recherchen herausfand. Bitcoin ist halt ein grandioses Zahlungssystem, dass internationale Zahlungsprozesse sehr gut abbilden kann. 2013 habe ich deshalb darauf basierend Bitbond als internationale Peer 2 Peer Plattform gegründet. Wir sind dann weiter gewachsen und sind dadurch inzwischen sechs Mann.

Bitcoin ist ein p2p-Netzwerk, das sicherlich gerade für Leute in Schwellen- und Entwicklungsländer gut ist. Kannst du darauf eingehen?

Im Endeffekt ist Bitbond für jeden zugänglich, der Zugang zum Internet hat- das ist unser Ziel. Damit wird gerade Leuten, für die der Zugang zu Finanzdienstleistungen deutlich schwieriger als in Europa oder Nordamerika ist, ein solcher ermöglicht. Jeder hat dadurch die Möglichkeit, sein Geld anzulegen oder Darlehen aufzunehmen.

Bei den Darlehensnehmern konzentrieren wir uns auf Selbständige und Kleinunternehmer.Grund ist, dass bei Darlehen ein großes Stichwort die Bonitätsprüfung ist. Da diese sich bei unterschiedlichen Zielgruppen stark unterscheidet haben wir uns auf obige fokussiert. Dort haben wir eine große Expertise und können ziemlich gut die Bonität von Unternehmen bewerten.

Ihr macht also eine eigene Bonitätsprüfung und greift nicht auf Auskunfteien wie Creditreform oder Schufa zurück. Sehe ich das richtig?

Wir greifen auf viele Daten zurück, wozu aber nicht Auskunftei-Scores zählen. Die sind von Land zu Land unterschiedlich. Diese Scores sind schwer vergleichbar. Das steht im Widerspruch zu unserem Ziel, eine internationale Lending-Plattform zu sein.

Deshalb greifen wir auf international gültige und vergleichbare Daten zurück. Bei online-Shops beispielsweise erbitten wir Zugriff auf das Zahlungskonto, um die Umsätze beurteilen zu können.

Wie funktioniert technisch gesehen die Bonitätsprüfung und wie ist das Zusammenspiel der von euch entwickelten technischen Lösungen mit den anderen Stakeholdern, d.h. den Darlehensgebern und -nehmern?

Wir bieten die Plattform, auf der beide genannten Gruppen zueinander finden können, ermöglichen einen Bitcoin Lending-Prozess und informieren über die Bonität. Auf der Basis können die beiden Parteien miteinander in Kontakt kommen und einen Handel abschließen.

Die Bonitätsprüfung selbst ist semihändisch: wir gucken auf die Bonität vieler Antragsteller nochmal drauf – wobei jene, bei denen sozusagen alle Haken auf grün sind, mittlerweile vollautomatisch durchgehen. Die Daten werden mit machine learning Algorithmen ausgewertet, unser Prozess lernt also dazu.

Falls dieser Algorithmus alles ok sieht winken wir das, wie gesagt, inzwischen durch. Ansonsten gehen wir persönlich nochmal ran und erfragen bestimmte Details.

Wie steht es mit Ermessensspielraum? Gibt es da Spielraum bspw bei Antragstellern aus Schwellenländern?

An sich arbeiten wir sehr regelbasiert, um so zu gute oder zu schlechte Bewertungen zu vermeiden. Zwar gibt es Fälle, wo nicht alles eindeutig ist, aber wir versuchen, aus solchen zu lernen und allgemein gültige Regeln zu schaffen.

Darlehen gehen bis zehntausend Dollar. Wir haben sehr viele Kunden aus dem Online-Händler-Bereich. Wir haben da viel gelernt und können dadurch gut einschätzen, ob der potentielle Darlehensnehmer auf absehbare Zeit das Darlehen zurückzahlen kann.

Wie verdient ihr Geld? Bekommt ihr dann eine bestimmte Gebühr?

Wir nehmen eine Vermittlungsprovision, die der Darlehensnehmer im Erfolgsfall zahlen muss. Diese beträgt 1-3 % der Darlehenssumme.

Bitcoin, Bitbond und BaFin

Ihr habt eine Bafin-Lizenz. Wie kam es dazu? Braucht es die oder ist es eher bzgl Werbung ein gutes nice 2 have?

Ja, die braucht es. Zu Beginn dachten wir, an bräuchte es nicht. Wir haben aber sehr schnell die BaFin angeschrieben, da wir lernten, dass Finanzdienstleister eine solche Lizenz brauchen. Ohne diese macht man sich in Deutschland strafbar.

Anfangs wusste die Bafin erstmal selber gar nicht, wie man uns einordnen soll – als internationaler p2p-lending-Provider mit Bitcoin als Basis war das für sie neu!

Nach ca zwei Jahren ist die Bafin zum Schluss gekommen, dass wir als Finanzdienstleister unter die Bafin-Regularien fallen. Wir haben dann unsere Lizenz beantragt – und bekommen.

Dabei handelt es sich um eine Lizenz zur Anlagevermittlung. Letztlich trifft das auf uns ganz gut zu: wir vermitteln den Darlehensgebern sinnvolle Möglichkeiten, wie sie ihr Geld anlegen können.

Wie ist das bezüglich der BaFin Regulierung und Bitcoin? Nutzen die Darlehensgeber und -nehmer klassische Wallets und wenn ja, wie sind die KYC- und AML-Regularien Genüge getan?

Die Nutzer, die sich bei uns anmelden, haben ein Webwallet, d.h. es läuft über unsere Plattform und wir helfen bei der Abwicklung. Wir entsprechen bei der Registrierung der Nutzer den Regularien.

Kann man sehen, dass sich die Akzeptanz von Bitcoin in den Jahren verbessert hat? Jetzt weniger bei Techies, eher bei den Laien. Und wie ist es bei der Bafin?

Ich persönlich habe keine kritischen Nutzer erlebt – was auch daran liegen kann, dass die, die sehr kritisch sind eher fern bleiben. Die Nutzer sind anfangs neugierig und mit etwas Erfahrung sehr zufrieden. Mein Eindruck ist, dass die Mainstreampresse Sensationsgeschichten (Darknet, Terror, Mtgox…) schreiben.

Das führt natürlich zu einer verzerrten Darstellung von Bitcoin. Die Leute von der BaFin sind sehr nüchtern. Letztlich schauen sie auf Regelwerk, wer wann was darf. Es gibt keine extra strengen Regeln für Bitcoin – aber auch keine Vereinfachungen.

Wer nutzt Bitbond?

Ihr habt ja Kunden von beiden Seiten des p2p-Lending, wobei die Darlehensnehmer oft aus dem Bereich Online-Handel kommen. Wie kann man diese Klientengruppe umschreiben? Sind das primär Techies, die schon mit Bitcoin im Kontakt stehen?

Primäre Motivation der Nutzer ist, ein Darlehen aufzunehmen. Oft wissen sie gar nicht, wie wir das im Hintergrund regeln. Für die ist das anscheinend sekundär. Im Zuge des Prozesses lernen sie dann, dass es über Bitcoin abgewickelt wird.

Jenen, die Bitcoin noch nicht kennen, stehen wir beratend zur Seite, so dass bei der Abwicklung alles glatt geht. Das heißt, wir helfen dabei, dass sie ihr Darlehen abheben können, die Bitcoins in lokale Währungen zu tauschen etc.

Die Kunden sind, was Bitcoin betrifft, eher agnostisch. Sie freuen sich, wenn sie über bitcoin eine Möglichkeit finden, ihre Geschäftsideen zu realisieren.

Die Geschäfte rangieren von traditionellen Läden – Bekleidung oder ähnliches – bis hin zu Techieläden. Dadurch, dass es hier oft um Online-Händler geht, ist eine gewisse Tech-Affinität natürlich da.

Ihr macht das Lending über Bitcoin, um international Darlehensgeber und Darlehensnehmer zusammenzubringen. Nun ist die Volatilität von Bitcoin und, wenn wir an Venezuela denken, auch von Fiatwährungen durchaus bekannt. Wie gewährleistet man, dass der Darlehensnehmer zu seinem angefragten Geld kommt?

Ein Großteil der Darlehen ist in Us-Dollar angegeben. Die Rückzahlungen werden zwar in Bitcoin bezahlt – aber Verhandlungsbasis sind immer Dollar. Damit sind wir von Kursschwankungen unabhängig – bzw haben uns darauf geeinigt, als Basis den US-Dollar zu nehmen.

Ihr habt ja ein gut laufendes Geschäftsmodell. Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Wir wollen weiter wachsen. Dafür möchten wir Online-Händler diversifizieren, so dass der Bekanntheitsgrad erhöht wird. Das Gros der Online-Händler arbeitet über ebay und amazon und wir wollen auch andere Plattformen und unabhängige Händler ansprechen.

Ein weiteres Ziel ist, die Anzahl der Investoren zu erhöhen. Aktuell werden 2/3 der Darlehen finanziert. Das ist natürlich schade: die Darlehen, die auf unserer Seite online geschaltet sind, haben wir hinsichtlich der Bonität überprüft und halten wir für valide.

In der Hinsicht wäre es schön, sowohl mehr Privatinvestoren als auch mehr institutionelle Investoren zu finden, die diese neue Anlagekategorie für sich entdecken. Letztlich ist zur Zeit diese Art von Anlage hinsichtlich des Zinsniveaus deutlich besser als klassische Investments.

Radko, vielen Dank für das Interview!

BTC-ECHO

Über Dr. Philipp Giese

Dr. Philipp GieseDr. Philipp Giese arbeitet nebenberuflich als Analyst für BTC-ECHO und ist auf die Bereiche Chartanalyse und Technologie spezialisiert. Zudem engagiert er sich aktiv für die Krypto-Community – sowohl online als zentraler Ansprechpartner im Slack-Channel von BTC-ECHO als auch offline als Speaker und Interviewer pflegt er stets den Austausch mit Startups, Entwicklern und Visionären. Der promovierte Physiker kann auf jahrelange Berufserfahrung als Projektleiter und technologischer Berater zurückgreifen. Philipp begeistert sich dabei seit vielen Jahren nicht nur für die technologische Dimension von Kryptowährungen, sondern auch für die dahinterliegende sozioökonomische Vision.

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