Was ist Aave (AAVE)?
DeFi-Protokoll
Aave ist ein dezentrales, nicht-verwahrtes Liquiditätsprotokoll auf Ethereum, das es Nutzern ermöglicht, Kryptowährungen zu verleihen und zu leihen. Einzahler stellen Liquidität bereit und erhalten zinstragende aTokens. Das Protokoll ist bekannt für Flash Loans, überbesicherte Kredite und den GHO-Stablecoin. Der AAVE-Token dient als Governance- und Sicherheitstoken des Protokolls.
- Gründer
- Stani Kulechov
- Gründung (als ETHLend)
- 2017
- Mainnet-Relaunch (Aave)
- Januar 2020
- Ticker
- AAVE
- Blockchain
- Ethereum (+ Multi-Chain)
- Besonderheit
- Flash Loans, aTokens, GHO
Von ETHLend zu Aave: Gründung und Rebranding
Stani Kulechov, ein finnischstämmiger Jurastudent, gründete 2017 ETHLend als dezentrale Kreditplattform auf Ethereum. Im November 2017 brachte das Projekt durch einen Token-Sale rund 17 Millionen US-Dollar ein. Das ursprüngliche Modell war Peer-to-Peer: Kreditgeber und -nehmer wurden direkt zusammengebracht. Im Januar 2020 folgte das Rebranding zu “Aave” (finnisch für “Geist”) und gleichzeitig ein grundlegender Wechsel hin zum Liquiditätspool-Modell. Dieser Wechsel machte Aave zu einem der meistgenutzten DeFi-Protokolle: Statt individuelle Kreditanfragen abzustimmen, zahlen Einzahler in gemeinsame Pools ein, aus denen Kreditnehmer direkt schöpfen können.
Liquiditätspools und aTokens: Wie Aave funktioniert
Nutzer hinterlegen Kryptowährungen in Aave-Liquiditätspools und erhalten im Gegenzug aTokens, zum Beispiel aUSDC für eingezahlten USDC oder aETH für eingezahltes Ether. Diese aTokens akkumulieren kontinuierlich Zinsen direkt im Wallet. Kreditnehmer müssen überbesichert einzahlen, also mehr Kapital als die Kreditsumme hinterlegen. Überschreitet die Schuldenquote einen bestimmten Schwellenwert, wird die Sicherheit automatisch liquidiert. Die Zinssätze werden algorithmisch anhand der Auslastung eines Pools berechnet: Hohe Nachfrage erhöht die Zinsen, geringe Nachfrage senkt sie. Je nach Netzwerk und Vermögenswert unterstützt Aave unterschiedliche Zinsmodelle, darunter variable und teilweise feste Kreditzinsen.
Flash Loans: Unbesicherte Blitzkredite
Flash Loans sind eine von Aave popularisierte Innovation im DeFi-Bereich. Es handelt sich um unbesicherte Kredite, die innerhalb einer einzigen Blockchain-Transaktion aufgenommen und zurückgezahlt werden müssen. Gelingt die Rückzahlung nicht, wird die gesamte Transaktion rückgängig gemacht. Dieser atomische Mechanismus macht Flash Loans für Arbitrage zwischen verschiedenen Protokollen, Liquidationen und Besicherungstausch nutzbar. Da kein Kapital vorab nötig ist, öffnet das Modell bestimmte Finanzstrategien für Nutzer ohne großes Eigenkapital. Flash Loans stellen damit ein Beispiel dafür dar, was durch die Programmierbarkeit von Smart Contracts auf Ethereum möglich wird.
AAVE Token, Governance und Safety Module
Der AAVE-Token entstand im Oktober 2020 durch Migration vom ursprünglichen LEND-Token (Verhältnis 1 AAVE = 100 LEND). Das maximale Angebot beträgt 16 Millionen AAVE. Als Governance-Token ermöglicht AAVE seinen Inhabern Abstimmungen über Protokollentscheidungen durch Aave Improvement Proposals. Zusätzlich können AAVE-Inhaber ihre Token im Safety Module staken (als Netzwerksicherheit einsetzen): Im Fall eines Protokollausfalls (Shortfall Event) wird ein Teil der gestakten Token zur Deckung von Verlusten verwendet. Als Ausgleich erhalten Staker regelmäßige Sicherheitsanreize aus dem Protokoll.
GHO, Multi-Chain und institutionelle Nutzung
Im Juli 2023 führte Aave den GHO-Stablecoin ein, einen überbesicherten, USD-gebundenen Token, der ausschließlich durch Aave-Liquidität geprägt wird und vollständig durch die Aave-DAO gesteuert wird. Parallel dazu ist Aave längst über Ethereum hinausgewachsen: Das Protokoll ist auf mehreren Netzwerken aktiv, darunter Polygon, Avalanche, Arbitrum und Optimism. Mit Aave V3 wurden neue Funktionen eingeführt, die unter anderem effizientere Sicherheitennutzung und risikoisolierte Märkte ermöglichen. Das Protokoll erschließt zunehmend den Bereich der Real-World-Assets (tokenisierte physische Vermögenswerte) für institutionelle Kreditnehmer.
Häufige Fragen zu Aave (AAVE)
Was ist Aave (AAVE)?
Aave ist ein dezentrales Liquiditätsprotokoll auf Ethereum, das Verleihen und Leihen von Kryptowährungen ohne zentrale Vermittler ermöglicht. Einzahler erhalten zinstragende aTokens, Kreditnehmer stellen Sicherheiten bereit. Das Protokoll startete 2017 als ETHLend und wurde im Januar 2020 zu Aave umgebaut. Der AAVE-Token dient als Governance- und Sicherheitstoken.
Wie funktioniert das Aave-Protokoll?
Aave nutzt Liquiditätspools: Einzahler stellen Kapital bereit und erhalten aTokens, die kontinuierlich Zinsen ansammeln. Kreditnehmer hinterlegen Sicherheiten und leihen sich Mittel aus diesen Pools. Die Zinssätze werden algorithmisch auf Basis der Pool-Auslastung berechnet. Unterschreitet die Besicherungsquote eines Kredits den Mindestwert, wird die Sicherheit automatisch liquidiert.
Was sind Flash Loans bei Aave?
Flash Loans sind unbesicherte Kredite, die innerhalb einer einzigen Blockchain-Transaktion vollständig aufgenommen und zurückgezahlt werden müssen. Gelingt die Rückzahlung nicht, wird die gesamte Transaktion rückabgewickelt. Dieses Prinzip wird für Arbitrage, Liquidationen und Besicherungstausch genutzt. Flash Loans wurden von Aave popularisiert und sind ein typisches Beispiel für die Möglichkeiten programmierbarer Smart Contracts.
Ist Aave ein Coin oder ein Token?
AAVE ist ein ERC-20-Token auf Ethereum und kein nativer Coin einer eigenen Blockchain. Die Bezeichnung “Token” ist technisch korrekt, da AAVE auf einer bestehenden Infrastruktur (Ethereum) aufbaut. Davon zu unterscheiden sind die aTokens, die Einzahler im Protokoll erhalten und die Zinsen akkumulieren.
Was ist das Governance-Modell bei Aave?
Aave wird durch die Aave-DAO (Dezentrale Autonome Organisation) gesteuert. AAVE-Inhaber können Aave Improvement Proposals (AIPs) einreichen und darüber abstimmen. Entscheidungen betreffen unter anderem neue Märkte, Risikoparameter, Protokollgebühren und Upgrades. Je mehr AAVE ein Nutzer hält oder gestakt hat, desto größer ist sein Stimmgewicht.
Warum schränkt Aave das Verleihen bestimmter Token ein?
Aave wendet für jeden hinterlegbaren Vermögenswert Risikoparameter an, die durch die Aave-DAO festgelegt werden. Dazu gehören Loan-to-Value-Werte, Liquidierungsschwellen und Obergrenzen für die Gesamthinterlegung. Assets mit geringerer Liquidität, höherer Volatilität oder spezifischen Sicherheitsrisiken werden in ihrer Nutzung als Sicherheit eingeschränkt oder ganz ausgeschlossen, um das Protokoll vor Systemrisiken zu schützen.
Was unterscheidet Aave von anderen DeFi-Protokollen?
Aave zeichnet sich durch seinen breiten Asset-Support, Flash Loans, das Safety Module und die DAO-Governance aus. Gegenüber Compound, einem weiteren Lending-Protokoll, bietet Aave mehr Assets, stabile Zinssätze und den GHO-Stablecoin. Aave ist zudem auf mehr Netzwerken aktiv. Das Protokoll gilt als einer der Pioniere des DeFi-Sektors und hat mehrere Protokollinnovationen eingeführt.
Ist Aave Open Source?
Ja, der Aave-Protokollcode ist quelloffen und auf GitHub öffentlich einsehbar. Die Smart Contracts wurden mehrfach durch unabhängige Sicherheitsfirmen geprüft. Die DAO-Governance sorgt dafür, dass Codeänderungen öffentlich diskutiert und abgestimmt werden, bevor sie umgesetzt werden. Diese Transparenz ist ein Merkmal der meisten großen DeFi-Protokolle.
Was ist der GHO-Stablecoin?
GHO ist ein dezentraler, überbesicherter Stablecoin, der im Juli 2023 von der Aave-DAO auf Ethereum eingeführt wurde. Nutzer können GHO gegen hinterlegte Sicherheiten in Aave prägen. Der Kurs ist an den US-Dollar gebunden. Zinsen auf ausgegebene GHO fließen direkt in die Aave-DAO-Kasse. GHO-Nutzer, die AAVE im Safety Module gestakt haben, erhalten vergünstigte Konditionen.
Wer kontrolliert das Aave-Protokoll?
Aave wird durch die Aave-DAO kontrolliert, in der AAVE-Inhaber über Protokolländerungen abstimmen. Es gibt keine zentrale Instanz mit Alleinentscheidungsrecht. Die Aave Companies (das Unternehmen hinter der ursprünglichen Entwicklung) kann Vorschläge einbringen, hat aber kein Vetorecht. Die Protokollsteuerung liegt bei der DAO, die Kernentwicklung bei verschiedenen Teams, deren Vorschläge die DAO beschließen muss.