Zensur YouTube schwingt den Bannhammer – Was heißt das für die Krypto-Szene?

Dr. Philipp Giese

von Dr. Philipp Giese

Am · Lesezeit: 5 Minuten

Dr. Philipp Giese

Dr. Philipp Giese arbeitet als Chief Analyst für BTC-ECHO und ist auf die Bereiche Chartanalyse und Technologie spezialisiert. Der promovierte Physiker kann dabei auf jahrelange Berufserfahrung als technologischer Berater zurückgreifen. Zudem ist er zentraler Ansprechpartner im Discord-Channel von BTC-ECHO und pflegt als Speaker und Interviewer den Austausch mit Startups, Entwicklern und Visionären.

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Youtube löscht Krypto-Influencer

Quelle: Shutterstock

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Seit dem 23. Dezember löscht YouTube vermehrt Videos aus der Krypto-Szene. Aktuell gibt es noch keine Klarheit über Gründe für diese Entscheidungen. Ist es ein Angriff gegen Kryptowährungen oder nur ein Säubern von betrügerischen Inhalten?

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 29. Dezember 2019 10:12 Uhr von Mark Preuss

Die Krypto-Szene war aus Sicht von YouTube dieses Jahr wohl unartig. So kam es kurz vor den Weihnachtsfeiertagen zu einer großen Welle an Videolöschungen auf der bekannten Videoplattform. Die Videos hatten eine Sache gemeinsam: Die Inhalte betreffen grundsätzlich Bitcoin und andere Kryptowährungen.

Verschiedene bekannte YouTuber aus dem Krypto-Bereich sind betroffen. So beklagt sich Chris Dunn, ein Trader, der schon 2016 über Bitcoin und andere Kryptowährungen berichtete:

@YouTube hat gerade die meisten meiner Krypto-Videos entfernt. Ich soll „schädliche oder gefährliche Inhalte“ produziert und den „Verkauf von regulierten Gütern“ motiviert haben… es sind 10 Jahre Videos, 200k+ Abonnenten und 7M+ Videoansichten. @TeamYouTube, was zum Geier macht ihr da?!

Besonders dramatisch liest sich die Kritik von Alex Saunders, dem CEO von NuggetNews:

Hallo @TeamYouTube, in den letzten 24 Stunden habt ihr über 100 Videos entfernt und ich habe 2 Strikes erhalten. Das alles ohne eine Mail von euch. Das ist wirklich beängstigend. Wir haben neue Mitarbeiter eingestellt. Ich habe eine Frau und ein Kind zu ernähren. Ich kann das Problem nicht lösen, wenn ich nicht einmal weiß, was ich getan habe oder mit wem ich kommunizieren soll!

YouTube-Zensur: Nicht nur Krypto-Scammer sind betroffen

Nun mag die erste Reaktion vieler Leser sein, dass ein konsequenteres Vorgehen gegen Scammer wünschenswert ist. Gerade auf YouTube hat sich tatsächlich ein großes Netzwerk von mehr als fragwürdigen Krypto-Influencern entwickelt. Mit der Reichweite, die diese haben, sind Vorwürfe, dass hier Pump-and-Dump-Systeme unterstützt werden, nicht von der Hand zu weisen. Das ist besonders der Fall, wenn die betreffenden YouTuber irgendwelche bisher unbekannten Altcoins als „den nächsten Bitcoin“ shillen. Obige Beispiele kann man jedoch beispielsweise nicht eindeutig in diese Ecke stellen. Ebenso überrascht zum Teil die Wahl der gelöschten Videos. Das Video, um das es geht, ist eines über Paper Wallets, also weit von etwaigen Investment-Vorschlägen entfernt.

Dennoch gibt es, zumindest aktuell noch, einige nicht betroffene Kanäle. Der bekannte Bitcoin-Evangelist Jimmy Song musste beispielsweise bisher noch keine Repressalien von YouTube erleiden. Entsprechend steht er ein wenig zwischen den Stühlen und bemüht sich um eine salomonische Position:

Zur Causa @YouTube: Ich mag es nicht, dass sie Videos löschen. Sie nutzen ihr Semi-Monopol, das sie bei der Veröffentlichung von Videos haben, aus. Aber sie sind eine Firma in privater Hand. Wem das Verhalten einer derartigen Firma stört, der kann über seine Tastatur eine Stimme abgeben [sprich seinen Account bei YouTube löschen oder ähnliches – Anm. d. Red.]

Nur ein Versehen von YouTube oder Teil einer größeren Entwicklung?

Das Internet-Magazin Decrypt ließ nun verlauten, dass es sich bei der Aktion um ein schreckliches Missverständnis seitens YouTube handeln würde. Es war alles ein Versehen und die Videos würden wieder hochgeladen werden. Nicht jeder glaubt dieser Nachricht. Auf Twitter sprechen verschiedene YouTuber von Fake News. (Update am 27.12. um 11:41: Inzwischen hat sich die von Decrypt verbreitete These bestätigt, dass es sich hier um ein Versehen handelt.)

Jedoch auch wenn es sich nur um ein Versehen handelt, fragt man sich, wie es zu diesem kommen könnte. Es könnte sein, dass die Anpassungen an bestimmte amerikanische Gesetze zum Schutz Minderjähriger hier ziehen oder dass YouTube diesbezüglich schon vorausschauend agieren möchte. Es ist bekannt, dass YouTube seit November an der Implementierung des sogenannten COPPA-Gesetzes arbeitet. Dieses sorgt schon seit einiger Zeit für gewisse Sorgen in der YouTuber-Welt jenseits von Bitcoin und anderen Kryptowährungen.

COPPA oder der Children’s Online Privacy Protection Act soll die Privatsphäre von Minderjährigen im Netz wahren. Das bedeutet beispielsweise, dass Inhalte für Minderjährige keine Werbung mehr beinhalten dürfen – was die Möglichkeiten der Monetarisierung schmälert. Es kann in diesem Zusammenhang sein, dass man ebenfalls „zum Schutze Minderjähriger“ pauschal Inhalte von Krypto-YouTubern löschen möchte. Diese werden wohl eher bei Millenials, Generation Z und noch Jüngeren denn bei der Babyboomer-Generation ankommen.

Gerade hier in Deutschland hatten wir im letzten Jahr ein ähnliches Beispiel: Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) forderte ein Werbeverbot im Rahmen von Kryptowährungen. Dabei ging es, so die Sprecherin, um den „Verbraucherschutz“. Ob dabei wirklich der Verbraucher die Motivation war, sei jetzt dahingestellt. Ebenso fragt man sich, ob YouTube mit Frontalangriffen wie der Usetzung von COPPA oder dem aktuellen Zensurwahn im Krypto-Bereich wirklich Verbraucher oder Minderjährige schützen wollen.

YouTube-Zensur: Ein Fallbeispiel für den Sinn dezentraler Plattformen

Was können also die nächsten Schritte sein? Viele sehen gerade in dem Verhalten YouTubes die Chance von dezentralen Projekten wie Steem oder DTube. Eine wirklich dezentrale Plattform wäre nicht zensierbar (ihre Frontends jedoch schon, wie man am Beispiel Steemit sehen kann). Sicherlich könnten derartige dezentrale Alternativen eine Lösung darstellen, jedoch helfen sie den betroffenen Kanälen aktuell nicht. Dennoch zeigen „Unfälle“ wie der aktuelle die Stärke dezentraler Lösungen. Vielleicht ist es tatsächlich Zeit, sich nach Alternativen zu Diensten wie YouTube umzuschauen.

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