Wieso Bitcoin das knappste Gut der Menschheit ist und was das für den Kurs bedeutet

David Scheider

von David Scheider

Am · Lesezeit: 5 Minuten

David Scheider

Kryptowährungen sind Davids Leidenschaft. Deshalb studiert er jetzt Digital Currency an der Universität Nicosia – und schreibt nebenher für BTC-ECHO. Von Bitcoin hält David einiges, vom allgemeine Hype um die Blockchain-Technologie eher weniger.

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Quelle: Shutterstock

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Die Wirtschaftswissenschaft beschäftigt sich mit der Frage, wie sich knappe Güter effizient verteilen lassen. Durch den Mechanismus von Angebot und Nachfrage erhalten die Güter einen Marktpreis, der Auskunft über die Knappheit des Gutes gibt. Bitcoin ist das seltenste Gut, das die Menschheit kennt. Wieso Bitcoins Knappheit sein ultimatives Wertversprechen ist.

„Zeit ist Geld“: Geld, so sagt man, ist ein Medium, um getätigte Arbeit zu quantifizieren und zu speichern. In der Geldtheorie spricht die Literatur von der sogenannten „Wertspeicherfunktion“. Individuen vertrauen darauf, dass sich der Wert des Geldmittels auf lange Sicht nicht signifikant vermindert, und sind daher bereit, ihre begrenzte Zeit auf Erden gegen Geld (bzw. Arbeit) zu tauschen. Wer nach Venezuela, Argentinien oder Simbabwe blickt, der stellt fest, dass mit der Wertspeicherfunktion des Geldmittels nicht immer zu rechnen ist. Massive Verwässerungen der Geldmenge kann mittelfristig zu steigenden Preisen und langfristig zu einer handfesten Wirtschaftskrise führen, die das Vertrauen in die Währung gänzlich zerstört. Das Ergebnis ist nicht selten Hyperinflation: eine völlige Entwertung des Geldes und infolgedessen die Zerstörung von Sparguthaben ganzer Generationen.

Zentralbanken als Monopolisten der Geldschöpfung

Eine hohe Inflation ist häufig Ergebnis expansiver Geldpolitik der Zentralbanken. Als Monopolist lenken Notenbanken den Leitzins und nehmen so direkten Einfluss auf die umlaufende Geldmenge, sprich die Inflationsrate. Dabei haben sie – je nach Gesetzgebung – weitestgehend freie Hand.

Obgleich die Inflationsraten in demokratischen Ländern des Westens gering sind, strebt auch die Europäische Zentralbank (EZB) eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent an. Das ist angesichts der stabilisierenden Wirkung von Geldpolitik vertretbar. Allerdings bedeutet eine jährliche Entwertung des Geldes von etwa zwei Prozent einen zwanzigprozentigen Wertverlust des Sparguthabens bereits nach zehn Jahren. Und mehr: Die geringen Zinsen auf Sichteinlagen oder Festgeldkonten treiben Sparer zu immer riskanteren Vermögensanlagen. Wer merkt, dass sich der reale Wert des gehaltenen Geldes mit der Zeit in Luft auflöst, parkt sein Geld in ertragreicheren – aber damit auch risikobehafteten – Vermögensanlagen.


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Nicht von der Hand zu weisen ist beispielsweise der Zusammenhang von Niedrigzinspolitik und steigenden Immobilienpreisen. „Betongold“ gilt als Wertspeicher und Spekulationsobjekt.

Bitcoin als Hartgeldalternative

Zum Glück gibt es Bitcoin. Denn zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit gibt es ein Gut, das genau wie die menschliche Lebenszeit nachweislich endlich ist. Mit mathematischer Sicherheit lässt sich zeigen, dass niemals mehr als 21 Millionen Einheiten des digitalen Goldes zirkulieren werden. Für die Wertspeicherfunktion eines Geldmittels ist dies ein unschlagbares Argument. Schließlich wissen Anleger zum Zeitpunkt ihres Kaufs genau, welchen Anteil an einem endlichen Asset sie mit dem Kauf akkumuliert haben. Der Transparenz der Blockchain sei Dank.

Wer aktuell zum Beispiel nur einen einzigen Bitcoin hält, weiß, dass es maximal 21 Millionen Individuen geben kann, die einen ähnlichen Anteil halten. Mitglieder des „21-Million-Clubs“ gehören bereits heute zu den vermögendsten 2,3 Prozent aller Bitcoin-Besitzer.

Die Bitcoin Rich List listet die vermögendsten Bitcoin-Besitzer auf. Quelle: https://bitinfocharts.com/top-100-richest-bitcoin-addresses.html.

Difficulty Adjustment als Knappheitsgarant

Alle historischen Geldmittel haben eine Gemeinsamkeit: Sobald sich die Menschheit darauf einigt, sie als Wertspeicher und Tauschmittel zu nutzen, erhöht sich logischerweise ihr Kurs. Schließlich steigt mit wachsender Nutzerzahl die Nachfrage und somit der Preis. Dies jedoch hat zur Folge, dass auch die Angebotsseite reagiert: Eine höhere Nachfrage generiert ein höheres Angebot, sprich Inflation.

Anders als bei allen bisher dagewesenen Geldmitteln ist eine Angebotserhöhung bei erhöhter Nachfrage im Bitcoin-Netzwerk nicht möglich. Möglicherweise führt eine hohe Nachfrage nach Bitcoin zwar zum Markteintritt von Minern. Aufgrund des sogenannten Difficulty Adjustments erhöht sich die Bitcoin-Geldmenge dadurch aber nicht. Lediglich die Difficulty, also die rechnerische Schwierigkeit, die kryptographischen Proof-of-Work-Rätsel zu lösen, steigt. Im Schnitt kommt trotz erhöhter Hash Power alle zehn Minuten ein Block ins Netzwerk und die Geldmenge erhöht sich um (aktuell) 12,5 BTC.

In der Wirtschaftswissenschaft spricht man von der Preiselastizität des Angebots, also der angebotsseitigen Reaktion auf Nachfrageschocks – und die ist bei Bitcoin sogar noch geringer als bei Gold. Kurz: Eine Erhöhung der Nachfrage ist zwangsläufig positiv mit dem Kurs korreliert.

Stock-to-Flow-Rate abnehmend – Ein bullishes Signal für Bitcoin

Bitcoins Wertversprechen als das seltenste Gut der Menschheit (neben der Lebenszeit), manifestiert sich auch im Verhältnis von bestehendem Supply (Stock) und der prozentual hinzukommenden Geldmenge (Flow). Das Verhältnis aus Stock und Flow nennt man Stock-to-Flow-Rate; und die ist bei Bitcoin äußerst gering.

Aktuell beträgt sie 25 (17,5 Millionen BTC, pro Jahr kommen 0,7 Millionen hinzu = SF 25). Damit ist Bitcoin hinsichtlich der Knappheit mit Silber vergleichbar, nach dem nächsten Reward Halving (alle vier Jahre verringert sich der Coinbase Reward pro Block um 50 Prozent) beträgt die SF-Rate 50 und ist damit beinahe so hoch wie die von Gold. Je höher die SF-Rate, desto schwerer lässt sich die bestehende Geldmenge verwässern.

Marktanalyst @planB hat daraus einen Modell-Kursverlauf geschustert, auf den wir an dieser Stelle eingehen.

Fazit

Zum ersten Mal in der Geschichte haben Menschen die Möglichkeit, Wert in einem Asset zu speichern, das nachweisbar knapp ist. Je mehr Individuen Bitcoin annehmen, desto stärker ist das Vertrauen in seine Wertspeicherfunktion und desto höher steigt der Kurs. Bitcoin ist in der Tat digitales Gold.

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