Wie ist die Lage für Kryptowährungen in Russland?

Am Dienstag meldete sich ein Vertreter der russischen Zentralbank zu Wort und ließ durchklingen, harte Maßnahmen gegen Kryptowährungen zu planen. Kurze Zeit später äußerte sich auch Russlands Staatspräsident Wladimir Putin und teilte Bedenken bezüglich der digitalen Währungen mit.

Die russische Zentralbank erwägt möglicherweise drastische Schritte gegenüber Kryptowährungen. Wie Sergei Shvetsov, der Vize-Gouverneur der RZB, bekannt gab, könnte Russland Websites sperren lassen, die in den Handel mit Kryptowährungen involviert sind, etwa Krypto-Börsen oder andere Austausch-Plattformen. Dies schrieb die Zentralbank am Dienstag in einer Stellungnahme.

Demnach seien Bitcoin und andere Token von Natur aus verdächtig, insbesondere als Investmentmöglichkeit für Privatinvestoren. Diesem unkalkulierbar hohen Risiko müsse der russische Staat entgegentreten und seine Staatsbürger vor der Gefahr warnen, die Kryptowährungen mit sich bringen. Speziell Privatpersonen, denen Shvetsov eine geringe Erfahrung mit Investments und somit eine hohe Anfälligkeit für Betrüger nachsagt, aber auch russische Unternehmen müssen so geschützt werden.

Des Weiteren sieht er Kryptowährungen, allen voran den Bitcoin, als Schneeballsystem an. Diesen Schluss ziehe er aus einer genauen Betrachtung der Entwicklung des Bitcoin-Kurses im Verlauf der letzten zwei Jahre. „Wenn dieses Schneeballsystem anwächst, ist es klar, dass das Interesse daran analog zum Profit ansteigt“, sagte Shvetsov bei einem internationalen Finanzforum in Moskau.

Selber Tag, anderer Ort:

Wenig später meldete sich dann auch Russlands Staatspräsident Wladimir Putin zu Wort. Bei einem Regierungstreffen in der südrussischen Hafenstadt Sotschi kam der Präsident unter anderem auch auf Kryptowährungen und deren potentiellen Risiken zu sprechen, wie das Nachrichtenportal Reuters sowie die russischen Staatsnachrichten RT berichteten.

Demnach sei sich Putin sowohl über die in den letzten Jahren global extrem angestiegene Rolle, die Kryptowährungen als Bezahlung sowie als Investment einnimmt, als auch über die zuvor geäußerte Position seiner Zentralbank im Klaren. Er unterstützt die Aussagen Shvetsovs ausdrücklich, indem er angibt, das Thema wiederholt mit dem Gouverneur der Zentralbank besprochen zu haben. Man sei sich einig gewesen, dass Kryptowährungen neben den Möglichkeiten auch erhebliche Risiken trügen. Dazu zählen etwa der Missbrauch für kriminelle Zwecke, Geldwäsche, Steuerhinterziehung oder die Finanzierung von Terrorismus. Auch der von Shvetsov bereits erwähnte Betrug am Investor durch ungedeckte Token gehöre dazu.

Trotz einer eher skeptischen Haltung gegenüber Kryptowährungen finden sich weder bei Shvetsov noch bei Wladimir Putin Anzeichen eines drohenden ICO-Verbots, was zuletzt in China und Südkorea zu einem beliebten Instrument der Regulierung ausgewachsen war. Dementsprechend schnell erholten sich auch die Kurse der größten Kryptowährungen, die nach den ersten Äußerungen des russischen Zentralbänkers kurzzeitig gefallen waren.

BTC-ECHO

Über Tobias Schmidt

Tobias SchmidtTobias ist seit August 2017 als Redakteur im Team von BTC-ECHO tätig. Sein Studium hat er im Fach Politik und Wirtschaft an der Universität Münster mit dem Bachelor abgeschlossen und war während seines Studiums zudem am Lehrstuhl als studentische Hilfskraft tätig. Darüber hinaus sammelte er berufliche Erfahrungen in der parlamentarischen Arbeit und in der strategischen Kommunikation, bevor er in das journalistische Fach wechselte. Seit 2017 widmet er sich der Blockchain-Technologie, wobei ihn insbesondere die vielen verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft interessieren.

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