Nach FSB-Studie Wie gefährlich sind Stable Coins?

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 5 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Nahaufnahme einer Seismograph-Maschinennadel

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Der neue Bericht des Financial Stability Boards (FSB) geht intensiv auf die Risiken von Stable Coins ein. Warum die Analysen des FSB nur bedingt unabhängig sind, Facebooks Libra schneller als gedacht das Stable-Coin-Ökosystem auf den Kopf stellen könnte und Stable Coins den Einfluss der G20-Staaten schmälern können. Ein Kommentar zum aktuellen FSB-Bericht.

Das Financial Stability Board (FSB) der G20-Staaten hat gestern, am 14. April, einen Bericht über die regulatorischen Herausforderungen von Stable Coins veröffentlicht. Dieser Finanzstabilitätsrat nimmt eine wichtige Überwachungs- und Policyfunktion für die globale Finanzstabilität ein. Ausführlich werden im aktuellen Bericht mögliche Risiken von globalen Stable Coins dargelegt.

Neues Medium, alte Richtlinien


Grundsätzlich spricht sich das FSB dafür aus, dass sämtliche Stable-Coin-Initiativen die gleichen Richtlinien erfüllen müssen wie sonstige Finanzkonstruktionen aus der Nicht-Blockchain-Welt. Doch auch wenn sich Stable Coins in das regulatorische Korsett drängen, sind die Risiken hoch. Zwar wird das aktuelle Marktvolumen der Stable Coins als nicht systemrelevant bewertet, dennoch räumt man ein, dass sich dies in Zukunft ändern könnte.

Gerade Facebooks Libra dürfte hier einiges dazu beigetragen haben, dass Studien wie diese von den wichtigsten Finanzinstitutionen auf dieser Welt durchgeführt werden. Das Thema Stable Coins wird also durchaus ernst genommen. Sodass der Bericht zu dem Schluss kommt, dass Stable Coins, sofern es zu einer flächendeckenden Etablierung kommt, einen signifikanten Einfluss auf die Realwirtschaft nehmen können. Entsprechend wichtig ist daher die Überwachung und Regulierung, wie die Autoren der Studie mehrfach betonen.

Stable Coins: Stabilität in Grenzen

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Sorge bereitet den Autoren dabei die Stabilität der Stable Coins. Dass Stable Coins immer in der Lage sind das beabsichtigte Werteverhältnis zum Basiswert nachzubilden, wird angezweifelt. Gerade in Folge einer größeren Adaption sieht man die Gefahr, dass sich Haushalte und Unternehmen zu sehr auf Stable Coins verlassen und Risiken unterschätzen. So können neben Marktrisiken, auch Sicherheitsdefizite in der Handhabung von Wallets und Private Keys Risiken beherbergen.

Auch das reguläre Finanzsystem könnte durch eine Skalierung von Stable Coins überfordert werden, wenn Kapital aus bestehenden Nicht-Token-Infrastrukturen in Euro–Token, Gold-Token oder Währungskorb-Token etc. fließt. Man befürchtet im Grunde, dass durch das zunehmende Vertrauen in Stable Coins, das Vertrauen in die alte Finanzinfrastruktur geschwächt wird, was wiederum zu systemischen Instabilitäten führen kann. Hier werden vor allem Markt-, Kredit- und Liquiditätsrisiken aufgeführt.

Vorgeschobene Sorgen?

Das Aufzeigen der makroökonomischen Risiken ist sicherlich berechtigt und wichtig, dennoch scheint es hierbei vor alle um eine Sorge zu gehen: Kontrollverlust. Die Aufgabe des Finanzstabilitätsrates FSB ist es schließlich die Übersicht und Kontrolle über unser Finanzsystem zu behalten, im Interesse der dahinterstehen G20-Nationen. Stable Coins sind daher vor allem eine Gefahr für die Kontrolle der Staaten und Institutionen über das Finanzsystem.

Schließlich können Stable Coins auch außerhalb der gut kontrollierten Geschäftsbanken-Infrastruktur versendet und verwahrt werden. Eng mit dem FSB ist auch die Bank aller Banken, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS), vernetzt. Schließlich befindet sich der Sitz des FSB in den gleichen Räumlichkeiten der BIS (Basel). Gleichzeitig sind neben den Mitgliedsstaaten auch Weltbank, EZB und Europäische Kommission Mitglied im FSB. Entsprechend naheliegend ist es, dass das FSB zu einer gleichfalls kritischen Position über Stable Coins kommt wie die Regierungschefs und Finanzminister, die sich aus den G20-Nationen zahlreich kritisch zu privaten Stable Coins geäußert haben.

Central Bank Digitial Currency (CBDC) vs. Libra

Die „Ur-Angst“ zeigt sich an dem Facebook-Projek Libra. Selbst die Chinesische Notenbank hatte ihre digitale Zentralbankwährung bereits damit begründet, dass es wichtig ist, den privaten Stable-Coin-Initiativen wie Facebooks Libra etwas entgegenzusetzen.

Wenn nun aber private Stable Coins an den CBDC-Projekten der Zentralbanken vorbeiziehen, dann ist das sehr nachteilig für die traditionellen Finanzinstitutionen und Staaten. Genau wie für Geschäftsbanken wird die ehemals lästige Regulierung zu einem immer stärkeren Schutzwall für die Hoheit im Finanz- und Geldsystem.

Auch wenn der Stable Coin von Libra in seiner ursprünglichen Konzeption, der eines Währungskorbes, vorerst nicht zugelassen wird, hat man bereits einen vielversprechenden Ausweg gefunden. Libra hat sein Konzept umgestellt und versucht nun jeweils eine einzelne Fiatwährung, ähnlich wie Tether, abzubilden. Es existieren nicht verifizierte Gerüchte, dass sehr zeitnah mit Updates von Facebook zu rechnen ist. Wie dem auch sei, dürfte das Thema Stable Coins durch Facebook in den nächsten Wochen und Monaten deutlich an Fahrt aufnehmen. Auch ein Go live von Libra ist damit dieses Jahr noch denkbar.

Kompetent restriktiv

Neben einem Bedeutungsverlust durch nicht staatliche Krypto-Infrastrukturen, besteht die Sorge, dass Stable Coins Geldwäsche begünstigen und Kapitalverkehrskontrollen unterminieren. Auch hier greift die Logik, dass es keiner Geschäftsbanken-Infrastruktur für Stable Coins bedarf. Politische Maßgaben können also einfacher umgangen werden. Gerade die Beachtung unterschiedlicher Jurisdiktionen stellt hier eine große Herausforderung dar, zumal es an verbindlichen Standards fehlt.

Man denke hier zum Beispiel an den Transaktionsstandards SWIFT, der einen internationalen Standard für den Zahlungsverkehr darstellt sowie klare Regeln definiert und über den auch Sanktionen ausgeübt werden können. Mit Stable Coins würde man diesen Standard schwächen beziehungsweise in Teilen umgehen können.

Trotz dieser restriktiv wirkenden Argumentation hat das FSB einen kompetenten Bericht erstellt, der ausführlich die Risiken und regulatorischen Herausforderungen von Stable Coins skizziert. Die Empfehlungen, die das FSB ausspricht, dürften als wichtige Grundlage für zukünftige regulatorische Entscheidungen von Regierungen und Institutionen herhalten. Man darf dabei nicht vergessen, dass es sich nicht um die Innovationsabteilung von Facebook handelt, sondern um einen Rat, der der Finanzstabilität und den Interessen seiner Mitglieder verpflichtetet ist.

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