Payment-Infrastruktur Vorherrschaft ums Geld: Wie Facebook mit WhatsApp gegen WeChat ankämpft

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

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Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Donald Trump und Xi Jinping stehen sich gegenüber mit den Logos von WhatsApp und WeChat

Quelle: BTC-ECHO

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Der Facebook-Konzern hat diese Woche bekanntgegeben, dass in Brasilien mit der Messenger-App WhatsApp ab sofort bezahlt beziehungsweise Geld versendet werden kann. Warum es auch um Facebooks Krypto-Infrastruktur Libra geht, wir in Brasilien einen Stellvertreterkrieg der digitalen Infrastrukturen zwischen den USA und China erleben und der 5G Netzausbau in einem politischen Zusammenhang mit digitalen (Zentralbank-)Währungen steht. Das Freitagskommentar.

Auf den ersten Blick hat die Meldung von der Facebook-Tochter WhatsApp nichts mit Blockchain und Token zu tun. So gab WhatsApp diesen Montag bekannt, dass brasilianische WhatsApp-Nutzer ab sofort mit dem Messenger-Dienst Geldüberweisungen vornehmen können. Die Bezahlvorgänge laufen über die traditionelle Finanzinfrastruktur, ergo über die Kreditkartenanbieter wie Mastercard oder VISA sowie über Geschäftsbanken wie Banco di Brasil oder Nubank.

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Der Facebook-Konzern schafft damit ein neues Level an benutzerfreundlichen Finanzdienstleistungen. Mit 120 Millionen Brasilianern, die WhatsApp nutzen, mehr als jeder zweite, verfügt WhatsApp über eine hervorragende Ausgangsposition. Banken werden damit zu einfachen Dienstleistern degradiert, die im Hintergrund die Zahlungen abwickeln. Stattdessen rückt sich Facebook als Finanzdienstleister Nr.1 in den Vordergrund.

Die Facebook-Strategie: Ohne Vertrauen ist alles nichts

Dass Facebook mit seinen Messengerdiensten wie WhatsApp oder Instagram in den Banking-Bereich vordringen möchte, ist längst bekannt. So wird auf der technischen Grundlage von Facebook Pay fast die halbe Weltbevölkerung – zusammengerechnet kommt der Konzern auf 2,6 Milliarden Nutzer – als Bankkunde gewonnen. Vorerst auch gemeinsam mit den Banken, sodass die Wertschöpfung zwischen dem Tech-Konzern und den traditionellen Finanzdienstleistern aufgeteilt wird. Wenn auch nicht in Deutschland, so ist es aber in den USA und einzelnen anderen Ländern bereits möglich Facebook Pay zu nutzen.

Da Geld beziehungsweise Finanzangelegenheiten immer etwas mit Vertrauen zu tun haben, ist der Silicon-Valley-Konzern gut beraten nichts zu überstürzen. Stattdessen nutzt dieser die bereits vertraute und benutzerfreundliche Infrastruktur, um langsam seine Nutzer an die neue Finanzrealität heranzuführen. Dass erstmal eine traditionelle Geschäftsbankeninfrastruktur zum Einsatz kommt und keine tokenbasierte, ist erstmal zweitrangig. Facebook setzt gerade – und das anscheinend erfolgreich – einen Fuß in die Tür.

Nächste Stufe Libra und Token

Schaut man sich das Vorgehen von Facebook an, dann drängt sich sehr stark der Eindruck auf, dass es sich hierbei um Vorbereitungen für die eigene Kryptowährung aus dem Libra-Konsortium handelt. Zwar gibt es aus technischer Sicht keine konkrete oder öffentlich bekannte Verbindung zwischen der Libra-Finanzinfrastruktur und Facebook Pay, dennoch wäre es schon ziemlich unlogisch, wenn Facebook Zeit und Geld in eine Payment-Lösung steckt, um diese dann wieder für den Libra Stable Coin komplett einzureißen.

Für den Endverbraucher dürfte es in Zukunft keine große Umgewöhnung bedeuten, wenn Facebook seine alternative Zahlungsinfrastruktur mit seinen Partnerunternehmen aus dem Konsortium startet. Vielmehr kann der aktuelle Schachzug als eine Zwischenetappe gewertet werden, um einen fließenden Übergang von traditioneller Banken-Infrastruktur zur eigenen Krypto-Infrastruktur zu gewährleisten.

Brasilien ist kein Zufall

Dass Facebook auf das größte Land Lateinamerikas schielt, ist kein Zufall. Während in den USA eine hohe Sättigung an Finanzdienstleistungen vorhanden ist – man spricht hier auch von overbanked –, ist dies in Südamerika weniger der Fall. Das Potential ist enorm und die regulatorischen Hürden oftmals weniger hoch.

Vor allem aber geht es auch darum, Marktanteile zu sichern. So besteht die Befürchtung, dass sich die chinesische Einflusssphäre durch Geld und Digitaltechnologien weiter ausweitet. Der realpolitische Konflikt, Westen gegen Osten oder USA gegen China, zeigt sich vor allem in digitalen Infrastrukturfragen. Es wäre ein herber Niederschlag für die USA, wenn Menschen aus Lateinamerika mit chinesischen Apps wie WeChat ihre Finanz- und Datentransaktionen abwickeln.

WeChat vs. WhatsApp = Digitaler Yuan vs. Libra?

WeChat ist das WhatsApp Chinas mit dem Mutterkonzern Tencent im Rücken. Da China im Mobile Payment den USA und erst recht Europa einige Jahre voraus ist, ist es naheliegend, dass eher der Westen von China kopiert als umgekehrt. Was für uns im Westen innovativ sein mag, ist in China selbstverständlich.

Nun sind Tencent mit WeChat Pay und Alibaba mit Alipay die zwei dominierenden Bezahl-Apps in Asien. Beide Konzerne sind zeitgleich, aber auch eng mit der staatlichen Blockchain-Strategie verknüpft. Wie sehr, zeigt die aktuelle Testphase des digitalen Yuan. So testet China seine digitale Zentralbankwährung (CBDC) auf Tokenbasis gemeinsam mit Alipay. Auch wird deutlich, dass China einen Schritt weiter ist und das “chinesische WhatsApp” bereits auf Token einstimmt.

Digitale Infrastrukturen: Stellvertreterkrieg ist im vollen Gange

Dass sich der Westen und der Osten im Wettstreit, um die besten digitalen Infrastrukturen befinden, ist kein Geheimwissen. Das digitale Aufrüsten wird vor allem durch die Tech-Plattformgiganten vorangetrieben. So heißt es von offizieller chinesischer Seite, dass man Libra, ergo Krypto-Derivate von US-Dollar, Euro und anderen westlichen Währungen, etwas mit der chinesischen CBDC entgegensetzen möchte. In Europa und den USA ist man zwar auch kein Fan von Libra, aber inzwischen haben die Regierungen und Zentralbanken verstanden, dass sie einen digitalen US-Dollar und Euro herausbringen müssen. Sollten sie dies nicht tun, dann wird unser westlich geprägtes Finanzsystem – man denke hier nur an die Standards SWIFT oder VISA – ein asiatisch geprägtes werden.

Vor allem aber werden, genau wie im kalten Krieg, neue Einflusssphären geschaffen. Die Frage nach Libra, WhatsApp und den digitalen Euro, steht in einer ähnlichen politischen Konfliktlinie wie die 5G Ausrüstung durch den chinesischen Mobilfunkkonzern Huawei in Europa. Dass die USA absolut gegen einen 5G Mobilfunkausbau durch Huawai in Europa sind, zielt in die gleiche Kerbe wie die digitalen Zahlungsinfrastrukturen und dazugehörigen tokenbasierten Währungen. Am Ende entscheidet die Frage, wer die Infrastrukturstandards von morgen bestimmt, das politische Kräftemessen.

Dass wir in Zukunft also auch tokenbasierte Lösungen bei Facebook Pay sehen werden, wenn auch unter anderem Namen, ist mehr als wahrscheinlich. Alles andere würde einer Kapitulation gleichkommen.

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