Von Bitcoin und Blasen – Teil 1: Was sind Investment-Blasen?

Von Bitcoin und Blasen – Teil 1: Was sind Investment-Blasen?

Von Bitcoin und Blasen – in unserem Dreiteiler erkunden wir, was Spekulationsblasen ausmacht, ob wir uns momentan in einer Blase befinden und wie die Zukunft aussehen könnte. Heute: Was sind Investment-Blasen?



„Geld allein macht nicht glücklich. Es gehören auch noch Aktien, Gold und Grundstücke dazu.“

Danny Kaye

Der Vergleich mit der Seifenblase kommt nicht von ungefähr: Sie schillert, enthält im Prinzip nur Luft, hat eine kurze Lebensdauer und platzt dann einfach so. Investment-Blasen sind ähnlich. Irgendetwas wird künstlich aufgepumpt, sodass es von außen sehr viel wichtiger und vor allem wertvoller erscheint, als es tatsächlich ist. In der Hoffnung, schnell reich zu werden, zahlen Menschen dann zu hohe Preise, ohne dass es der tatsächliche Wert rechtfertigen würde.

Alles schillert so schön bunt – doch was steckt dahinter?

Die Tulpenmanie – teure Tulpen, gierige Anleger

Ein beliebtes Beispiel für Spekulationsblasen ist die Tulpenmanie in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts. Tulpen waren hier ein beliebtes Schmuckstück – gerade Mitglieder der reicheren Häuser schmückten ihre pompösen Gärten gerne mit den ansehnlichen Liliengewächsen. Zunächst tauschten die Mitglieder der Adelshäuser untereinander – schließlich wollte man eine hohe Vielfalt in seinen Gärten bekommen.

Dann nahm sich der Markt der Sache an – mehr und mehr Menschen erkannten, dass den Tulpen bzw. ihren Zwiebeln ein hoher Wert zugeschrieben wurde. So begann ein wilder Handel, der auf Spekulation basierte: Die Menschen zahlten immer mehr Geld für ihre Tulpenzwiebeln. Das zog sich letztlich durch alle Bevölkerungsschichten; hinter jeder Tulpenzwiebel verbarg sich plötzlich das Versprechen, reich zu werden.

Vom Platzen der Blase

Die Blase schwoll an – während der Preis weiter stieg, blieb der Wert derselbe – abgesehen vom Versprechen, zu einem Schmuckstück heranzuwachsen, bot die Tulpe nicht viel. (Man mag sie essen können, doch der Nährwert ist hier sehr gering). Dementsprechend sank der Preis auch schnell wieder. Viele Spekulanten hatten Haus und Hof verzockt und saßen nun mit ihren wertlosen Tulpenzwiebeln da – die Blase war geplatzt.

Dafür war ein Faktor maßgeblich verantwortlich. Der Unterschied zwischen Fundamentalwert und der Blasenkomponente. Während ersterer den stofflichen Eigenwert der Tulpen darstellt, ist letztere – stark heruntergebrochen – die Option auf Gewinn. Doch schreiten wir weiter in die Zukunft.

Alles Blase oder was? Von der Tulpenmanie zur DotCom-Bubble

Die Dotcom-Blase

Eine Blase, die deutlich weniger weit zurückliegt als die Tulpenblase, ist die Dotcom-Blase. Wenn es sich auch um ein viel aktuelleres Phänomen handelt, der Mechanismus war derselbe: Viele waren gierig, investierten (zu) viel Geld und verloren es.

Die Rede ist dieses Mal von den zahlreichen Start-ups, die die New Economy mit sich brachte. Während das Internet in den 1990er-Jahren seinen Siegeszug antrat, sprossen die neuen Unternehmen aus dem Boden. Und alle versprachen sie gleichsam eine goldene Zukunft, ohne genügend technischen Back-up zu haben, um diese Versprechen jemals zu erfüllen.

Goldgräberstimmung

Und dennoch: Die Menschen investierten – reichlich. Überall herrschte Aufbruchstimmung im Hinblick auf die neue Technologie. Die meisten Start-ups gingen direkt an die Börse, die meisten Anleger kauften die Aktien – teilweise genauso blind und verblendet wie so viele niederländische Anleger Jahrhunderte zuvor. Das Investmentobjekt Aktie wurde salonfähig – ob Lieschen Müller oder Franz von nebenan – jeder konnte plötzlich Aktien kaufen. Das führte dazu, dass sich die Börsenbewertung vieler Unternehmen ab Mitte 1999 vervielfachte – die Blase schwoll an.

Viel Aufregung um Nichts – Wenig Rendite trotz Goldgräberstimmung

Shut up and take my money!

Angefüllt war die Dotcom-Blase mit den Hoffnungen und der Gier vieler Anleger sowie dem Expansionsdrang vieler Unternehmen. Wer durch die Börsengänge mehr wert war, investierte die gewonnenen Mittel weiter, während neue Anleger von zweistelligen Kurssteigerungen gelockt wurden. Im Zuge dessen etablierten sich viele Daytrader, die sich (zumindest zum Teil) der Blasenkomponente durchaus bewusst waren, aber zumindest von den täglichen Kursanstiegen dennoch profitieren konnten. Die Stimmung war eindeutig bullish: Alle rannten mit dem Kopf voraus in Richtung Investment – „Shut up and take my money“ war die Devise an vielen Orten.

Im Jahr 2000 war die Blase dann zum Bersten gefüllt – es ging nichts mehr. Der Börsenwert vieler Unternehmen war nicht durch materielle Gegenwerte gedeckt – das Kapital war nicht im klassischen Sinne materieller Güter greifbar. Viele der Unternehmen meldeten Insolvenz an, es kamen Meldungen von fingierten Umsätzen auf. Während die Luft aus der Blase schon entwich, klammerten sich viele Anleger noch an die Hoffnung, dass sie sich nochmal füllen würde – und verpassten den Punkt zum Ausstieg.

Shut up and take my money – Blinde Investitionen sind selten ratsam

Vom Wert der Blasen

Was zeigen uns diese beiden Beispiele nun? Eine Spekulationsblase ist eine Marktsituation, in der die Preise von (Spekulations-)Objekten (weit) über ihrem Wert liegen. Am Anfang rechnen viele Menschen damit, dass sie mit dem Verkauf der Objekte große Gewinne einstreichen können. Deswegen kaufen sie letztlich viel davon ein. Dadurch wird die Nachfrage groß. Wenn die Anleger nun aber bemerken, dass der Preis deutlich über dem Wert der Güter liegt, greift FUD: Schnell verkaufen, solange noch kein Totalverlust da ist. Dadurch steigt das Angebot und die Preise sinken – die Luft entweicht aus der Blase. Das Ergebnis: Wer rechtzeitig verkauft, gewinnt, wer zu spät kommt, den bestraft das Kapital.

Viele Verlierer, wenige Gewinner

Ob es nun um Tulpen oder Tech-Start-ups geht: Menschen denken, dass sie mit waghalsigen Investitionen in kurzer Zeit viel Geld verdienen können – mit Waren, deren tatsächlichen Wert sie nicht kennen und einschätzen können. Die Preise sind volatil – sie steigen und fallen in kurzer Zeit im bis zu zweistelligen Bereich. Wenn die Blase dann platzt, verlieren viele ihr eingesetztes Kapital, während die wenigen übrig bleiben, die das richtige Händchen hatten.

Dieses war der erste Streich – doch der zweite, auch der dritte folgt zugleich.

BTC-ECHO

Über Phillip Horch

Phillip HorchPhillip Horch hat im Oktober 2017 sein Masterstudium in Literatur-Kunst-Medien an der Uni Konstanz abgeschlossen. Bereits während des Studiums arbeitete er bei diversen Redaktionen und ist nun Redakteur bei BTC-ECHO. Im Fokus seiner Arbeit steht das disruptive sozio-ökonomische Potenzial der Blockchain-Technologie.

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