Attacke auf ETC? Ups! Chain Reorg bei Ethereum Classic (ETC)

David Scheider

von David Scheider

Am · Lesezeit: 3 Minuten

David Scheider

Kryptowährungen sind Davids Leidenschaft. Deshalb studiert er jetzt Digital Currency an der Universität Nicosia – und schreibt nebenher für BTC-ECHO. Von Bitcoin hält David einiges, vom allgemeine Hype um die Blockchain-Technologie eher weniger.

Schiff erleidet leider Schiffbruch.

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Die Ethereum-Classic-Blockchain ist gehörig durcheinandergewirbelt worden. Steckt eine 51-Prozent-Attacke hinter der unfreiwilligen Reorganisation der Ethereum-Classic-Blockchain?

Eine Chain Reorg gilt unter Freunden von Proof-of-Work-Kryptowährungen wie Ethereum (Classic) (ETC) als Größter anzunehmender Unfall. Doch als ETC-Entwickler Austin Roberts vom Ethereum-Infrastruktur-Anbieter Rivet am Morgen des 31. Juli 2020 einen Blick seinen Node Log warf, dürfte genau dies sein erster Verdacht gewesen sein.

Ein Chain Reorg ist ein schlechtes Zeichen. Ein wirklich schlechtes Zeichen,


schreibt Roberts sodann in einer Analyse vom 2. August.

51-Prozent-Attacke bei ETC?

Was war passiert? Offenbar war zum betreffenden Zeitpunkt – etwa ab 16:30 Uhr des 31. Juli bis 3:30 Uhr des 1. August – auffällig wenig Blöcke geschürft worden. So weit, so gewöhnlich. Schließlich gilt die Top-25-Kryptowährung Ethereum Classic nicht gerade als Hash-Wunder unter den Proof-of-Work-Coins (PoW).

Dass währenddessen aber munter Blocks produziert, aber nicht publiziert wurden, machte Beobachter dann doch stutzig. Als ein Miner dann über 3.500 Blöcke auf einmal publizierte, war klar, da ist etwas gehörig aus dem Ruder gelaufen. Denn zwischen Block 10.904.146 und 10.907.740 gingen alle geschürften ETC-Blöcke auf das Konto eines einzigen Miners mit der Adresse 0x75d1e5477f1fdaad6e0e3d433ab69b08c482f14e.

Da das Unterfangen allerdings einen halben Tag dauerte, war die Blockchain entsprechend schon deutlich fortgeschritten. Das Pikante: Der betreffende Miner verfügte offenbar über ausreichend Hash Power, um alle anderen Miner auszustechen. De facto kann man das Ereignis also als eine 51-Prozent-Attacke bezeichnen, die zu einem Chain Reorg geführt hat. Ein Paukenschlag, wenn man bedenkt, dass 51-Prozent-Attacken das Vertrauen in PoW-Kryptowährungen nachhaltig beschädigen können. Aufmerksame Beobachter dürften sich hier an die Debatte nach dem Binance-Hack zurückerinnert fühlen. Die Mehrheit der Bitcoiner lehnte damals eine Reorganisation der Blockchain ab.

Die unfreiwillige Reorganisation stellt die ETC-Gemeinde indes vor Schwierigkeiten, da sie die Integrität des gesamten Ökosystems infrage stellt.

Ein Blockchain Reorg ist eine spezielle Form einer Fork, also einer Aufteilung der Blockchain in zwei Konsens-Stadien. Je nachdem, welchen Client die Nodes laufen ließen, akzeptieren sie eine der beiden ETC-Varianten. Nodes die auf Open Ethereum basieren, sehen Transaktionen auf der alten, nicht attackierten Chain als legitim an und solche, die Geth oder Hyperledger Besu installiert haben, Akzeptieren die geforkte Chain.

Fork könnte zu Totalverlust führen

Für so manchen Nutzer von Ethereum Classic dürfte der Vorfall einem Gau gleichkommen. Denn wer innerhalb des betreffenden Zeitpunktes ETC gesendet hat, dürfte diese nie wieder sehen. Schließlich ist die alte Kette nur noch ein Nebenprodukt der neueren, attackierten Haupt-Chain. Auch diejenigen Miner, die während der Attacke für Blöcke gesorgt haben, dürften angeschmiert sein. Denn sowohl der Coinbase Reward sowie die Gebühren dürften auf der neuen Chain keine Akzeptanz finden.

Dass ETC in den letzten sieben Tagen trotz Chain Reorg gut neun Prozent an Wert zugelegt hat, zeigt wie losgelöst der Altcoin-Kurs von jeglichen Marktnormen ist.

Der Ethereum-Class-Kurs im Wochenchart. Zuwachs in sieben Tagen: Neun Prozent.

Als Spekulationsobjekt scheinen Nischen-Währungen wie diese offenbar immer noch attraktiv.

Aktuell streiten die Experten noch darüber, ob der Attacke einfach eine schlechte Internetverbindung zugrunde liegt. Diese könnte den angreifenden Miner daran gehindert haben, Blöcke zu propagieren. Dass diese Erklärung am grundsätzlichen Problem von zu geringer Hash Power nichts ändert, ist allerdings nicht Teil der Debatte.

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