Binance-Hack: Warum eine Reorganisation der Bitcoin Blockchain eine schlechte Idee ist

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Binance-Hack: Warum eine Reorganisation der Bitcoin Blockchain eine schlechte Idee ist

Kurzerhand hatte Changpeng Zhao die Idee, aufgrund des aktuellen Binance-Hacks und dem Diebstahl von 7.000 Bitcoin, die Bitcoin Blockchain neu zu organisieren. Doch kann der CEO von Binance überhaupt eine „Blockchain Reorganization“ anordnen und umsetzen? Und sollte er das? Ein Einblick in die Blockchain Reorganization.

Es macht aktuell die Runde in den Newssparten der Krypto-Seiten: Binance hat 40 Millionen US-Dollar verloren. Bei einem Angriff stahlen Unbekannte über 7.000 BTC von einem der größten Handelsplätze für Kryptowährungen. Direkt im Anschluss kam es zu einer dubiosen Idee von Changpeng Zhao. So überlegte der CEO von Binance (er hat die Idee inzwischen wieder verworfen), eine Blockchain Reorganization anzuordnen. Damit, so die Hoffnung Zhaos, könnte man die Ausgabe der 7.000 BTC rückgängig machen, die Bitcoin Blockchain also neu organisieren und weder müsste Binance die „SAFU-Fonds“ anfassen, noch könnte Justin Sun heldenhaft einspringen und den Schaden in Tether begleichen. Doch geht das so einfach?

Blockchain Reorganization

Disclaimer: Im folgenden Text geht es gezwungenermaßen etwas technischer zu. Zum besseren Verständnis empfehlen sich die Tutorials zur 51-Prozent-Attacke, zu Bitcoin Mining und zur Blockchain-Technologie oder der Podcast zum Thema Proof of Work.

Um zu verstehen, wie eine Reorganisation der Bitcoin Blockchain funktionieren könnte, müssen wir etwas in die Tiefen der Blockchain und deren interne Sicherheitsmechanismen blicken.

Eine der großen Vorteile der Blockchain-Technologie, die unter der Kryptowährung Bitcoin liegt, ist ihre Immutabilität. Mit anderen Worten: Sie ist unveränderlich. Was einmal in die Blockchain eingemeißelt wurde, lässt sich von dort nicht mehr entfernen. Somit sind einmal ausgegebene Bitcoin für immer ausgegeben, Transaktionen kann man also nicht rückgängig machen. Bis auf zwei zusammenhängende Ausnahmen.

Die 51-Prozent-Attacke

Eine Möglichkeit, die Bitcoin Blockchain zu brechen, wäre eine 51-Prozent-Attacke. Dazu müssten Angreifer im Besitz von mehr als der Hälfte der Hash Power sein. Sie hätten damit das Stimmrecht, eine neue, gültige Version der Blockchain zu schreiben. Gerade im Hinblick der zunehmenden Zentralisierung durch einzelne Mining-Pools (Stichwort: Antpool) kam es hier in der Vergangenheit immer wieder zu Bedenken der Community, dass größere Player die Blockchain brechen können.

Hierzu erinnere man sich an den Konsensmechanismus bei Bitcoin: Mittels SHA 256 werden sich Miner über die aktuell gültige Version der Blockchain einig und können dieser „Kette von Blöcken“ erst dann einen neuen gültigen Block anhängen, wenn sie einen gültigen und korrekten neuen Block „errechnen“.

Schafft es nun eine Gruppe fleißiger Schürfer, mehr als die Hälfte der gesamten Hash Rate zu kontrollieren, könnten sie also eine neue Version der Blockchain in das System spielen, sie hätten die Mehrheit (über 50 Prozent) und könnten damit den Konsens zu ihren Gunsten manipulieren. Damit wären sie in der Lage, Bitcoin doppelt auszugeben, man spricht hier vom Double-Spending-Problem.

Blockchain Reorganization – die Neuorganisation der „Blockkette“

Bitcoin Miner folgen – das mag logisch klingen – der aktuell gültigsten Version der Blockchain bzw. die das höchste Maß an Richtigkeit ausstrahlt. Nach Blockchain-Logik ist das die mit den meisten Blöcken, also jene Version der Blockchain, deren Kette am längsten ist. Genau genommen handelt es sich um die Version, die die höchste Difficulty und die höchste Anzahl an Blöcken hat. Mit jedem neuen Block, der der Kette hinzugefügt wird, wird auch die Arbeitsleistung höher, man spricht hier von Work Done.

Wenn nun zwei Miner zur selben Zeit einen passenden neuen Block finden, konkurrieren sie damit um die neuste Version der Blockchain. So kommt es zu einer kurzzeitigen Fork. Sie konkurrieren dann um die richtige Version der Blockchain; wer also den nächsten richtigen Block findet, darf die richtige Version der Blockchain für sich beanspruchen. Der Rest zerfällt, will man in Krypto-Bildern sprechen, und verbleibt im Äther der Einsen und Nullen. Man spricht dann von einem „Orphan Block“ – zu deutsch: „Waisen-Block.“ Hierbei reorganisieren sich die Knotenpunkte und verknüpfen sich mit der neuen, gültigen Version der Blockchain.

Vereinte (bösartige) Kräfte: Reorganisation durch 51-Prozent-Attacke

Besitzt nun ein einzelner Angreifer genügend Hash Power, um eine 51-Prozent-Attacke durchzuführen, kann er auch eine solche Reorganisation der Blockchain fälschen. Damit könnte er also seine gültige Version der Blockchain durchboxen und obendrein Bitcoin nach Belieben ausgeben. Dazu würde er zunächst im Privaten neue Blocks minen, um diese später an die anderen Schürfer zu übertragen.

Warum Binance keine Reorganisation der Blockchain wagen kann und darf

Die Idee von Changpeng Zhao, die Bitcoin Blockchain für Binance neu zu organisieren, vermittelt den Eindruck von technischer Unkenntnis. Entweder der Binance-Boss ist sich nicht bewusst, welchen technischen Aufwand eine Neuorganisation der Blockchain bedeutet oder er überschätzt hier die Wichtigkeit seines Unternehmens maßlos.

Keine Frage, Binance zählt zu einer der größten Börsen des Krypto-Ökosystems. Doch wegen des Diebstahls von 7.000 Bitcoin eine Reorganisation der Blockchain anzuordnen, kann und darf nicht angehen. Denn damit wäre der Grundgedanke hinter Bitcoin korrumpiert und die Idee, die Satoshi Nakamoto vor zehn Jahren in seinem White Paper an die Öffentlichkeit brachte, ad absurdum geführt. Denn aufgrund des technischen Versagens einer einzelnen Institution kann man nicht die gesamte zehnjährige Geschichte der Blockchain umwerfen.

Außerdem, und das ist mindestens genauso wichtig: Wie sooft in der Geschichte der Kryptowährungen und der Blockchain-Technologie hat eine einzelne Institution versagt. Weder Bitcoin noch die Blockchain-Technologie machten dieses Sicherheitsleck möglich. Es war die Infrastruktur eines einzelnen Players, jenem berühmt-berüchtigten Single Point of Failure, der mitunter überhaupt ein Grund gewesen sein mag, die Blockchain ins Leben zu rufen.

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