Türkei: Europaweit die meisten Krypto-Investoren

Quelle: People walking and shopping in historical place 'Uzun Carsi' on August 21, 2011 in Hatay, Turkey. Uzun Carsi is oldest and one of the most important shopping certer in Hatay via Shutterstock

Türkei: Europaweit die meisten Krypto-Investoren

Eine Untersuchung von mehreren europäischen Ländern hat ergeben, dass in der Türkei die meisten Krypto-Investoren zuhause sind. So soll fast jeder fünfte Türke aktuell in Besitz von Bitcoin, Ether oder anderen Coins sein. Was sagt uns das über die Lage von Kryptowährungen in kriselnden Volkswirtschaften wie der Türkei?

In einer aktuellen Studie hat die französische Statistik-Agentur die Anzahl an Krypto-Investoren in insgesamt 15 Ländern miteinander verglichen. Darunter befanden sich neben Deutschland etwa auch Österreich, Frankreich, das Vereinigte Königreich und die USA. Überraschend war jedoch nicht eines der genannten Länder die Top-Adresse der Krypto-Investoren, sondern die Türkei. So ist der Anteil der Menschen, die Kryptowährungen besitzen, in der Türkei am höchsten.

Türkei: Viele Investoren, viel Überzeugung

Ungefähr 18 Prozent der Menschen in der Türkei halten demnach aktuell mindestens eine Kryptowährung. Die untersuchten europäischen Länder hingegen kommen in dem Vergleich lediglich auf 9 Prozent. In den Vereinigten Staaten halten laut der Studie lediglich acht Prozent der Bevölkerung Kryptowährungen, im ebenfalls untersuchten Australien sollen es nur sieben Prozent sein.

Die Studie zeigte auch, dass viele Menschen in der Türkei davon überzeugt sind, dass sich Kryptowährungen langfristig durchsetzen können. Mehr als die Hälfte der Türken (53 Prozent) glauben demnach, dass Kryptowährungen in Zukunft die beliebteste Zahlungsmethode für Online-Transaktionen sein werden. Beinahe genauso viele (51 Prozent) rechnen damit, dass der Wert von Kryptowährungen im Laufe des nächsten Jahres steigen wird. Dementsprechend planen auch 45 Prozent der Menschen in der Türkei, selbst in Kryptowährungen zu investieren.

Was sagt uns das?

Es ist extrem auffällig, dass es in der Türkei einen so hohen Anteil an Krypto-Enthusiasten und potentiellen Investoren gibt. In Europa etwa glauben lediglich 35 Prozent der Bürger, dass Kryptowährungen ansteigen, nur 25 Prozent würden investieren. Doch was bringt die Türken in so auffälliger Weise zu Kryptowährungen?

Ein Teil der Begründung ist sicherlich die Existenzgrundlage des Bitcoin an sich. Der Bitcoin wurde als Antwort auf die Finanzkrise 2009 aus Misstrauen gegenüber dem traditionellen Finanzsektor geschaffen. Viele Menschen hatten das Vertrauen in zentralisierte Akteure wie Staaten oder Banken verloren. Und nirgendwo zeigt sich diese Reaktion der Bürger mehr als in Staaten, deren politisches System erodiert und deren Wirtschaft kriselt.

Auf den ersten Blick ist die Türkei ein stabiler Staat mit einem Staats- und Regierungschef, der fest im Sattel sitzt. Doch genau hier beginnt sich das Problem zu entwickeln. Das rasante Wirtschaftswachstum des letzten Jahrzehnts neigt sich dem Ende zu, vor allem ausländische Investoren verlassen das Land. Daran ist nicht zuletzt auch der Präsident selbst Schuld, der den Standort Türkei mit seiner zunehmend nationalistischen und islamisch-konservativen Rhetorik isoliert. Dazu kratzen interne Repressionen am Bild der Türkei im Ausland.

Kryptowährungen dort stark, wo Institutionen schwach sind

Das Ergebnis ist nicht nur eine starke Spaltung der Gesellschaft, in der fast die Hälfte der Bürger der Regierung immer weniger traut. Die Wirtschaftslage macht sich auch in einer immer schlimmer werdenden Inflation der türkischen Lira bemerkbar. Misstrauen gegenüber politischen und wirtschaftlichen Institutionen? Ein fruchtbarer Boden für Kryptowährungen als Mittel des Tauschs und der Wertaufbewahrung.

In der Türkei zeigt sich so im Kleinen, was sich in zerfallenden Staaten deutlich ereignet. In Venezuela hat der Bitcoin in Teilen des Landes die kriselnde Landeswährung bereits ersetzt, auch in Simbabwe vertrauen die Menschen dem Bitcoin mehr als der eigenen Regierung. Die Türkei kann zwar nicht mit diesen beiden Fällen gleichgesetzt werden, ein gewisser Trend ist jedoch zu erkennen.

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