Die Rolle des Bitcoin in der kriselnden Volkswirtschaft Simbabwes

Die Rolle des Bitcoin in der kriselnden Volkswirtschaft Simbabwes

Der zentralafrikanische Staat Simbabwe hat mit vielen Problemen zu kämpfen – seien es gesellschaftliche, politische oder wirtschaftliche. Derzeit erschüttert eine Hyperinflation das Land. Kann der Bitcoin und andere Kryptowährungen dabei helfen, der kriselnden Volkswirtschaft neuen Halt zu geben?

Korruption, jahrzehntelange Misswirtschaft und ein autoritärer Regierungsstil haben das zentralafrikanische Land Simbabwe in eine anhaltende Staatskrise geführt. Unter der Führung des seit 1987 amtierenden und mit zunehmender Amtszeit immer autoritärer regierenden Staatspräsidenten Robert Mugabe prägen Armut, Hungersnöte und extreme gesellschaftliche Instabilität das Land, welches inzwischen als eines der ärmsten Länder der Welt gilt. Wiederkehrende, teils schwere Menschenrechtsverletzungen verdunkeln das Bild Simbabwes zusätzlich.

Kann der Bitcoin, stellvertretend für Kryptowährungen an sich, in dieser Situation wirklich zu einer Besserung beitragen? Um dieser Frage zuverlässig nachgehen zu können, muss zunächst ein Blick in die Vergangenheit gewagt werden, um die aktuelle wirtschaftliche Situation in dem Land vollends nachvollziehen zu können.

Um der gegen Ende der Nuller-Jahre ausufernden Wirtschaftskrise Herr zu werden und der Hyperinflation gegenüberzutreten, sah sich die Regierung Mugabe 2009 gezwungen, die eigene Landeswährung, den Simbabwe-Dollar, abzuschaffen und durch den US-Dollar als offizielles Zahlungsmittel zu ersetzen. Aus dem Währungswechsel, der mutmaßlich den Kollaps der Volkswirtschaft abwendete, ergaben sich jedoch neue Probleme. Da die Zentralbank von Simbabwe nicht die Kompetenz besitzt, die amerikanische Währung selbst zu drucken, ist das Land auf den Fremdwährungs-Import angewiesen. Dieser ist angesichts der schwachen Exportwirtschaft jedoch nicht in ausreichendem Maße zu gewährleisten. Dieser Bargeldknappheit zum Trotze wurden deshalb 2016 Schuldscheine als Parallelwährung eingeführt, die fortan als Zahlungsmittel fungieren.

Bitcoin als Rettung in der Not?

Das fortwährende Währungschaos stürzt das arme Land von einer Krise in die nächste, eine Besserung des Leids der Bevölkerung Simbabwes scheint nicht in Sicht. Aus diesem Grund haben viele Menschen in Simbabwe zuletzt beschlossen, die Währungspolitik in die eigene Hand zu nehmen. Um den drohenden Wertverlust ihres monetären Besitzes zu verhindern, wenden sich immer mehr Menschen Bitcoin zu. Aufgrund des Ansturms auf die Kryptowährung in Simbabwe und den eingeschränkten Marktzugang der Bevölkerung zeigt der Bitcoin dort inzwischen deflationäre Tendenzen. So wird der Bitcoin an der einzigen von Simbabwe aus zugänglichen Krypto-Börse Golix aktuell mit mehr als 10.000 US-Dollar gehandelt. Der hohe Preis hält die Menschen jedoch nicht davon ab, in die Währung zu investieren.

Die Währungskrise Simbabwes und die darauffolgende Flucht in Bitcoin scheint auf den ersten Blick vergleichbar mit ähnlichen Vorgängen in Venezuela, wo eine Staatskrise gepaart mit einer Hyperinflation den Gebrauch von Kryptowährungen in die Höhe trieben. Jedoch gibt es signifikante Unterschiede zwischen beiden Fällen. Während in Simbabwe der Bitcoin-Preis explodiert und die Menschen in ihrem verzweifelten Versuch, Werte zu sichern, annähernd den doppelten Marktpreis zu zahlen bereit sind, generieren die Venezolaner Bitcoin und Ethereum vor allem durch Mining, was dank der außerordentlich günstig zu habenden Energie in dem Land beinahe zum Nulltarif geschieht.

Gerade der Vergleich beider Fälle zeigt also, dass der Vorteil, den Kryptowährungen benachteiligten Menschen bringen können, zu einem hohen Maß von äußeren Umständen anhängt. Während diese in Venezuela momentan besonders günstig sind, führt die Nachfrage nach dem währungstechnischen Rettungsanker für die Menschen in Simbabwe dazu, dass der Bitcoin weit über seinem aktuellen Marktpreis getrieben wird.

Nichtsdestotrotz kann der Einsatz Bitcoins als Platzhalter für den Ausfall der nationalen Währung als eine gute Entwicklung angesehen werden. So baut sich in Simbabwe momentan ein gesamtes Ökosystem auf, in dem die Akzeptanz von Bitcoin-Zahlungen ansteigt. Sollte der Staat sich weiterhin nicht in der Lage zeigen, eine stabile staatlich kontrollierte Währung bereitzustellen, könnte sich in Simbabwe bald die Möglichkeit offenbaren, einen Staat zu beobachten, in dem komplett mit dezentralen Kryptowährungen bezahlt wird.

BTC-ECHO

Über Tobias Schmidt

Tobias SchmidtTobias Schmidt ist seit August 2017 als Redakteur im Team von BTC-ECHO tätig. Sein Fachgebiet im Krypto-Bereich sind die vielen verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

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