Steigt der Bitcoin-Kurs jetzt aus dem Bärenmarkt? Die NVT-Ratio rät zum Abwarten

Steigt der Bitcoin-Kurs jetzt aus dem Bärenmarkt? Die NVT-Ratio rät zum Abwarten

Gemäß Michael Novogratz und anderen sei der Boden des Bärenmarkts erreicht und die Zeit reif für einen Bullenmarkt. Doch gibt das der Bitcoin-Kurs aktuell her? Die NVT-Ratio kann helfen, das Ende eines Bärenmarktes abzuschätzen. 

Die Stimmen zum Bitcoin-Kurs schwenken mal wieder um: Angeheizt von den Sorgen um eine neue Wirtschaftskrise haben sich einige für Bitcoin ausgesprochen, wie das letzte Meinungs-ECHO zeigt. Michael Novogratz verkündete sogar den sehnsüchtig erwarteten Boden und damit das Ende vom Bärenmarkt. Andere beschwören, dass der September immer zu einem Anstieg vom Bitcoin-Kurs geführt haben soll.

Wie viel Bestand haben derartige Thesen? Bullishe Aussagen wie Charlie Shrems Adieu zu Bitcoin-Kursen unter 10.000 US-Dollar haben sich nicht bewahrheitet. In anderen Artikeln haben wir kritisch und datenbasiert auf bullishe Prognosen geschaut, um abzuschätzen, wie wahrscheinlich oder unwahrscheinlich diese sind.

Was den September als das Ostern des Bitcoin-Kurses betrifft, ist auch Zweifel angesagt. Nicht nur, dass derartige Betrachtungsweisen in der Vergangenheit sich nicht immer als korrekt erwiesen haben, die (ohnehin mangelhafte) Statistik gibt eine derartige Sicherheit kaum her:

Acht Messungen sind nicht wirklich genug, um eine Aussage Marke „Der September führt immer in einen Bullenmarkt“ zu rechtfertigen. Wie die obige Chartzusammenstellung zeigt, bestätigt nicht einmal die knappe Datenlage einen derartigen Claim.

Das Krypto-Äquivalent zu P/E-Verhältnissen: Die NVT-Ratio

Doch wann ist der Bärenmarkt für den Bitcoin-Kurs vorbei? Fast schon regelmäßig hat BTC-ECHO auf den gleitenden Mittelwert der letzten 20 Wochen, MA20, hingewiesen. Es gilt die einfache Faustregel: Wenn der Bitcoin-Kurs für mehrere Wochen über dem MA20 im Wochenchart liegt, kann man wieder von einem Bullenmarkt sprechen. Ein weiterer Indikator kann helfen, die aktuelle Marktstimmung einzufangen und zu artikulieren, wie weit man noch von einem Bullenmarkt entfernt ist. Die Rede ist vom NVT-Verhältnis oder der NVT-Ratio.

Die NVT-Ratio ist eine Erfindung von Willy Woo. Ihre Basis ist als das Verhältnis zwischen Marktkapitalisierung und Handelsvolumen definiert. Sie entspricht ein wenig der P/E-Ratio, dem Kauf/Gewinn-Verhältnis aus dem klassischen Aktienmarkt. Je geringer dieses Verhältnis ist, desto unterbewerteter ist die Kryptowährung bezüglich ihrer Verwendung als Zahlungsmittel. Je höher das Verhältnis ist, desto weniger wird die Kryptowährung bezüglich der Bewertung genutzt. Es kann zwar sein, dass dies der Beginn einer nachhaltigen Adaptionswelle ist, aber, wie die Vergangenheit zeigte, mit einer Blasenbildung zusammenhing.

Mit NVT und MA20 die Marktstimmung vom Bitcoin-Kurs abschätzen

Die NVT-Ratio lässt sich gut mit der bisherigen Betrachtung vom MA20 im Wochenchart vereinigen. Im folgenden Plot sind der Abschlusskurs jeder Woche in Blau, der gleitende Mittelwert in Rot und in einem zweiten Panel in Grün die korrespondierende NVT-Ratio abgebildet.

 

Wie man sieht, ist die NVT-Ratio recht verrauscht. Willy Woo bildet bei seinen Betrachtungen deshalb immer einen speziellen gleitenden Mittelwert über 14 vergangene und 14 zukünftige Werte. In einer Weiterentwicklung, dem von Dimitry Kalichkin entwickelten NVT-Signal, wird über die letzten 90 Tage gemittelt. In beiden Fällen erreicht man zwar deutlich glattere Kurven, jedoch mit einem sehr starken Einfluss der Vergangenheit.

Was lehrt uns der NVT? Use the Coin!

Man kann sehen, dass die NVT-Ratio größtenteils Werte unter 150 annahm. Dramatisch in die Höhe ging das Verhältnis 2014 und 2018. Der zuvor entstandene Hype führte zu einer Überbewertung und das Paradigma „HODL“ führte zu einem Sturz des Handelsvolumens.

An den obigen Daten erkennt man, dass die aktuelle Situation der von Mitte 2014 ähnelt. Der MA20 im Wochenchart wurde mehrfach ohne Erfolg getestet und die NVT-Ratio rangierte zwischen 200 und 350. Geschichte muss sich zwar nie wiederholen, aber die fortlaufende Entwicklung zwischen 2014 und 2015 ist ein Menetekel. Der Kurs war bis Mitte 2014 verglichen mit dem damaligen Allzeithoch von Ende 2013 um über 60 Prozent gefallen. Doch setzte noch eine längere Talfahrt ein, die bis Anfang 2015 zu einem Kursverlust von insgesamt 83 Prozent führte.

Aktuell ist der Kurs seit dem Allzeithoch Ende des letzten Jahres um 68 Prozent gefallen, der Kursverlust ähnelt also der Situation von Mitte 2014. Die NVT-Ratio suggeriert, dass es hier noch zu Kursverlusten kommen kann, dass der Boden noch nicht erreicht ist.

Was kann man tun? Im Frühling haben wir betont: Use the Coin! Hodl nicht einfach, sondern nutze ihn, um Dir über das Netz schöne Dinge zu bestellen. Nicht nur unser Shop akzeptiert größtenteils Bitcoin, unter Akzeptanzstellen haben wir verschiedenste Unternehmen aufgeführt, bei denen Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptiert ist. Der Wert von Bitcoin ist nicht durch den greater fool bestimmt, der nach einer langen und hoffentlich profitablen Hodl-Periode die Coins kauft. Der Wert kommt durch den tatsächlichen Nutzen zustande und der ist die Anwendung.

BTC-ECHO

Über Dr. Philipp Giese

Dr. Philipp GieseDr. Philipp Giese arbeitet als Chief Analyst für BTC-ECHO und ist auf die Bereiche Chartanalyse und Technologie spezialisiert. Der promovierte Physiker kann dabei auf jahrelange Berufserfahrung als technologischer Berater zurückgreifen. Zudem ist er zentraler Ansprechpartner im Discord-Channel von BTC-ECHO und pflegt als Speaker und Interviewer den Austausch mit Startups, Entwicklern und Visionären.

Bildquellen

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