Smart Ledgers und Autonomous Agents auf der Blockchain – Troels Frimodt Rønnow von Fetch.AI im Interview

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Quelle: Troels Frimodt Rønnow

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Das Projekt Fetch.AI beschreibt sich selbst als dezentrale digitale Welt. In dieser digitalen Welt spielt Blockchain genauso eine Rolle wie KI. Mit einem eigenen Ökosystem und sogenannten „autonomen Agenten“ und „smarten Ledgern“ soll eine neue Form der digitalen Wertschöpfung erreicht werden. Was sich ziemlich nach Science Fiction und Buzzword-Geschmeiße anhört, steht auf einem bereits ziemlich konkreten Fundament. Was Smart Ledger und autonome Agenten sind und wie wir mit unseren Daten in Zukunft Geld verdienen können, hat uns Troels Frimodt Rønnow, Head of Software Engineering bei Fetch.AI, im Interview auf der Bosch Connected World in Berlin erklärt.

BTC-ECHO: Welches Ziel verfolgt ihr bei Fetch.AI?

Troels Frimodt Rønnow: Das Hauptziel von Fetch.AI ist es, ein durchsuchbares Internet der Dinge (IoT, Internet of Things) zu bauen. Stell dir Folgendes vor: Wenn du von [Berlin] nach London willst, musst du zunächst mit einem Taxi-Unternehmen interagieren, dann mit der Bahn, anschließend mit einer Fluggesellschaft und zu guter Letzt mit dem Hotel. Im alten System agieren die jeweiligen Dienstleister autark. Unser Ziel ist es, eine Plattform zu bauen, auf der die verschiedenen Dienstleister zusammenarbeiten können.

Fetch.AI und das Open Economic Framework

BTC-ECHO: Eure Blockchain-Lösung nennt ihr Open Economic Framework (frei übersetzt: offener Wirtschaftsrahmen) auf dem sogenannte Autonomous Agents interagieren. Was bedeutet das?


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Troels Frimodt Rønnow: Eigentlich ist das System sehr einfach zu verstehen. Es besteht aus drei Ebenen: Das Basisprotokoll ist die Blockchain. Damit wollen wir die Systemintegrität sicherstellen.

Der zweite Layer ist das sogenannte Open Economic Framework. Dabei handelt es sich im Prinzip um ein dezentrales Search System, das es erlaubt, IoT Devices miteinander interagieren und Vertragskonditionen auszuhandeln zu lassen. Ein Gerät kann beispielsweise einen Datensatz anbieten und ein anderes kann diesen Datensatz zur Grundlage von Interpretationen nehmen.

Der dritte Layer ist der Agent. Auch dabei handelt es sich um IoT Devices, die im Verbund mit den anderen Ebenen eine Art Schwarmintelligenz kreieren.

BTC-ECHO: Was ist die Schwierigkeit, eine solche Datenbank dezentral anzulegen?

Troels Frimodt Rønnow: Die Hauptschwierigkeit bei dezentralen Systemen ist die Skalierbarkeit. Wenn man beispielsweise anstrebt, ein Netzwerk aus 20 Milliarden IoT Devices zu bauen, ist es unmöglich, das in eine Blockchain zu integrieren. Das ist das erste Problem. Zweitens ist es unheimlich schwierig, die Informationen sinnvoll zu arrangieren. Stell dir zum Beispiel vor, du suchst einen Parkplatz. Zwar wird eines dieser 20 Milliarden Geräte einen möglichen Parkplatz kennen. Das Netzwerk aber so zu organisieren, dass ich diese Information effizient herausziehen kann, ist eine ganz andere Frage.

Die Smart-Ledger-Lösung

BTC-ECHO: Die Begriffe Ledger und Distributed Ledger sind geläufig. Ihr nutzt aber einen so genannten Smart Ledger. Was ist das?

Troels Frimodt Rønnow: Smart Ledger sind eine neue Generation von Distributed Ledger. Zunächst haben wir das Prinzip von Smart Contracts erweitert. Wir können zum Beispiel komplexe numerische Analysen mithilfe von Smart Contracts durchführen. Damit könntest du eine Decentralized Autonomous Organization bauen, in der ein KI-Algorithmus Entscheidungen für diese Organisation trifft. Zweitens sind auf Smart Ledger sogenannte Synergetic Contracts möglich. Damit können wir sehr rechenaufwändige Probleme lösen und gleichzeitig einen Konsens über die Lösung herstellen. Wenn du dir ein Netzwerk aus Fahrzeugen vorstellst, die Waren transportieren, dann willst du dieses Netzwerk so aufziehen, dass es möglichst effizient ist. Das ist schwierig. Denn du optimierst sowohl die Verteilung als auch die Abfolge in der Lieferkette. Unser System bietet eine Lösung, diese Optimierungsprobleme effizient und dezentral durchzuführen.

BTC-ECHO: Und du glaubst, die ersten Use Cases für ein solches System befinden sich in der Transport-Branche?

Troels Frimodt Rønnow: Der Grund, wieso wir die Smart Ledgers gebaut haben, ist, dass wir das Search System befüllen müssen. Wir können das Search System ohne [Smart Ledgers] nicht bauen. Wir glauben allerdings, dass es für unser System noch eine Reihe anderer Use Cases gibt. Wäre das System mit bestehenden Blockchains möglich gewesen, hätten wir es einfach auf Ethereum gebaut. Das geht aber nicht.

Token als Mining Rewards

BTC-ECHO: Ihr habt auch einen Token. Wie funktioniert das Incentivierungsmodell des Token und was sind die Funktionen?

Troels Frimodt Rønnow: Der Kerngedanke des Token ist, dass man damit Smart Contracts programmieren kann. Im Prinzip funktioniert er wie Gas. Zudem verteilen wir Token als eine Art Mining Reward. Die Entscheidung, ob wir das ähnlich wie bei Bitcoin aufziehen oder an Dienste koppeln, steht allerdings noch aus.

BTC-ECHO: Wie ist der Status des Projekts, was sind die nächsten Schritte?

Troels Frimodt Rønnow: Zurzeit testen wir das Netzwerk. Allerdings befinden wir uns in einer frühen Testphase, da wir noch viele Änderung am Quellcode vornehmen. Ende Juli lancieren wir dann das Alpha-Testnet und danach das Beta-Netzwerk. Ende des Jahres launchen wir dann bereits das Mainnet. Gleichzeitig suchen wir nach externen Partnerschaften, um die Community aufzubauen.

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