Polen: BIK will Kundendaten mit Blockchain-Software verwalten

David Barkhausen

von David Barkhausen

Am · Lesezeit: 3 Minuten

David Barkhausen

David Barkhausen hat als freier Journalist bereits für mehrere Tageszeitungen, Funk, Fernsehen und nebenbei seinen eigenen Blog geschrieben. Seit 2017 widmet sich der Master-Student der Politikwissenschaften der Universität Heidelberg dem Themenkomplex Blockchain. In diesem Zusammenhang fokussiert er sich vor allem auf die Bereiche Regulierung, Gesellschaft und Wirtschaftspolitik.

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Das polnische Kreditbüro BIK will als weltweit erstes die Bankdaten seiner Kunden mithilfe einer Blockchain verwalten. Dafür hat sich das größte Finanzinstitut Osteuropas, das von den im Land tätigen Banken getragen wird, Hilfe vom britischen Start-up Billion geholt. Dies verkündete die Organisation diesen Montag in einer entsprechenden Pressemitteilung. Künftig sollen die Daten von bis zu 24 Millionen Kunden transparent gesichert und wieder gelöscht werden können. Letzteres sieht eine in diesem Monat zu implementierende EU-Verordnung vor.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30. Juni 2019 05:06 Uhr von Tanja Giese

Eine Million Unternehmen, 24 Millionen Kunden, 140 Millionen Bonitätsdaten – die Zahlen allein lassen vermuten, wie ambitioniert der Schritt ist, den das polnische Kreditbüro BIK in dieser Woche wagt. Gemeinsam mit dem britischen Start-up Billion will das größte Finanzinstitut Osteuropas alle Kundendaten seiner Mitglieder mithilfe einer Blockchain-Lösung verwalten. Dabei sollen die Daten nahezu aller in Polen aktiver Banken mithilfe der Technologie transparent gesammelt, gesichert, aber auch gelöscht werden können.

So heißt es in der entsprechenden Pressemitteilung:

„Die Blockchain-Technologie von Billion wird die Arbeit des BIK mit höchster Sicherheit, Integrität und Unveränderbarkeit der Daten unterstützen. Die Lösung garantiert absolute Sichtbarkeit, verfolgbare Verläufe und volle Integrität der Daten für alle kundenbezogenen Dokumente.“

Zu diesen gehörten neben den üblichen Bankdaten auch Kreditverträge, Versicherungsansprüche und Telefonrechnungen. Geht es nach den Vorstellungen des BIK, soll hier jedoch nicht Schluss sein. Vielmehr befördere das Blockchain-Datensystem eine „wahre Revolution“, so die Pressemitteilung.

„Wir glauben, dass die Blockchain-Technologie transformieren wird, wie der Finanzsektor sensible Daten mit seinen Kunden kommuniziert. Unsere Lösung wird bald auf elektronische Datenübertragung mit automatischer Bestätigung und der Unterzeichnung von Online-Vereinbarungen ausgeweitet werden“,


beschreibt BIK-Präsident Mariusz Cholewa die weiteren Pläne seines Instituts.

EU-Verordnung schreibt „Recht auf Vergessen“ vor

Wie es in der Pressemitteilung heißt, soll dabei besonderes Augenmerk darauf gelegt werden, dass der Vorstoß auch rechtlich auf sicheren Beinen steht. So soll das Projekt auf die in diesem Jahr anlaufende EU-General-Data-Protection-Verordnung abgestimmt sein. Diese sieht Möglichkeiten der Kontrolle von Kunden über ihre eigenen Daten vor. Dazu gehört unter anderem das „Recht auf Vergessen“ – also die Löschung der Daten.

Bereits 2017 hatte Billion zwei Millionen Euro aus dem Innovationsfonds der EU erhalten und damit unter anderem den Piloten für die BIK-Blockchain auf den Weg gebracht.

Polen hingegen befindet sich derzeit in einer schwierigen Beziehung zu Brüssel. Diese fand zuletzt mit der Einsetzung des Artikel 7 im Rechtsstaatlichkeitsverfahren ihren bisherigen Tiefpunkt. Im Zuge dessen waren zuletzt unter anderem auch EU-Fördergelder ausgesetzt worden.

Die Bankenunion BIK, an der neben der PKO Bank Polski sowie die polnischen Ableger der ING, BNP Paribas und der Citigroup beteiligt sind, scheint mit der Erfüllung der EU-Auflagen jedoch künftiger Konfrontation aus dem Weg gehen zu wollen.

Während BIK und Billion darauf bestehen, weltweit die ersten zu sein, die eine entsprechende Blockchain-Lösung für Kundendaten im Bankwesen auf den Weg bringen, testet das niederländische Wirtschaftsministerium derzeit ebenfalls einen ähnlichen Ansatz. So soll ein Teil der vergangene Woche angelaufenen „Blockchain Research Agenda“ ein technologiegestütztes Datenmanagement sein. Dieses soll wie beim BIK-Projekt das „Recht auf Vergessen“, wie es die EU-Verordnung fordert, einräumen.

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