Forbes fällt vernichtendes Urteil Zombie-Chains: Haben Ripple und Cardano den Anschluss verpasst?

Kaum Aktivität oder Nutzer, wenig Einnahmen: Forbes deklassiert 20 Milliarden-Projekte zu Zombie-Chains.

Giacomo Maihofer
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Zombie Chain

Beitragsbild: Shutterstock

| Auch im Kryptosektor kann es Zombies geben.

Ein Bericht, der Wellen schlägt: Forbes veröffentlichte im März einen Report mit harten Vorwürfen. Rund 20 verschiedene Milliarden-Dollar-Blockchains werden dort als sogenannte Zombie-Chains bezeichnet. Diese Woche publizierte man noch einmal eine Liste, die hohe Wellen schlug im Krypto-Space.

Die meisten der genannten Chains kennt man, einige stechen aber besonders heraus. Cardano, Ripple, Litecoin und Fantom. Sie alle, laut Forbes: Zombie-Chains. Wenig Entwicklung, aber viel Geld, keine Fortschritte, kaum Einnahmen oder Nutzer. Ihre fast einzige Funktion: spekulativer Kryptohandel.

Die gigantischen Zombie-Chains teilen sich grob in zwei Kategorien auf. Eine Gruppe sind Hard Forks von existierenden Chains, beispielsweise Litecoin (LTC) oder Bitcoin Cash (BCH). Dabei handelt es sich um modifizierte Versionen existierender Chains, in diesem Fall Bitcoin. Die andere Gruppe besteht aus Layer1-Konkurrenten von Ethereum, darunter Cardano.

Forbes misst, wie groß die Einnahmen sind, wie viele Entwickler an der Chain arbeiten, wie viele Nutzer sie hat und wie viel Wert dort verwahrt wird, beispielsweise in DeFi (Total Value Locked). Ein Blick auf die Vorwürfe gegen die drei populärsten Vertreter: Ripple, Cardano und Litecoin. Und einige Antworten darauf.

Geisterchains
Die Forbes-Liste der “nutzlosen” Blockchains

1. Ripple (XRP)

Ripple existiert seit 2012 und ist mit 28 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung einer der wertvollsten Kryptowährungen der Welt. Hunderte Mitarbeiter, eine Foundation, viele Partnerschaften, ein Ziel: den internationalen Zahlungsverkehr auf die Blockchain bringen. Laut Forbes habe man versagt.

“Ripple Labs ist ein Krypto-Zombie” und der Token dahinter, XRP, “hat keinen anderen Wert außer Spekulation”, heißt es. Auch fast zehn Jahre nach Launch habe man eigentlich nur Pilotprojekte mit Banken ärmerer Länder, SWIFT sei “immer noch stark” und es gäbe bessere Wege, international Zahlungen über die Blockchain zu senden, beispielsweise Tether. Die Daten: Nur 137 aktive Entwickler, nur 538.000 US-Dollar an Einnahmen durch Gebühren, kein TVL, für Forbes damit ganz klar eine Zombie-Chain. Unsere umfassende Analyse zu Ripple lest ihr hier.

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2. Litecoin (LTC)

Wenn Bitcoin das digitale Gold ist, dann ist Litecoin digitales Silber. So lautet oft die Erzählung hinter der 2011 entstandenen Blockchain. Günstiger, schneller, alltagstauglicher, trotzdem noch sicher durch Proof of Work. Das ist Litecoin, sowas wie der kleine Bruder von Bitcoin. Laut Forbes: ein Hirngespinst.

Litecoin notiert bei 79 US-Dollar pro Coin zu einer Marktkapitalisierung von fast 6 Milliarden US-Dollar. Ein Schwergewicht der Branche. Die Daten: nur 74 aktive Entwickler und 389.000 US-Dollar Jahreseinnahmen an Gebühren, ein Total Value Locked von rund 5,6 Millionen US-Dollar. Zum Vergleich: Der TVL von Solana beträgt 3,6 Milliarden US-Dollar.

3. Cardano (ADA)

Cardano wurde 2017 gelauncht und ist einer der großen Hoffnungsträger der Layer1-Blockchains. Eine Chain mit sozialen Ansprüchen: Man will die Welt fairer, transparenter und besser machen. Cardano setzt auf wissenschaftliche Forschung und kooperiert sehr stark mit Universitäten. Daher dauern Entwicklungen oft länger. Die Marktkapitalisierung beträgt fast 16 Milliarden US-Dollar. Damit steht Cardano auf Platz zehn der wertvollsten Blockchains.

Laut Forbes liegt der Wert fast alleine in der Popularität seines Erfinders begründet, Charles Hoskinson. Er sei die “Hauptattraktion”, aber kein “zuverlässiger Erzähler.” Zum Beispiel behauptet er, seinen PhD der Mathematik an der Universität Colorado eigenmächtig abgebrochen zu haben. Die sagt aber, er habe seine Abschlussprüfung nicht geschafft. Die Daten: 490 aktive Entwickler, ein TVL von fast 400 Millionen US-Dollar, Einnahmen durch Gebühren von rund 3 Millionen US-Dollar. Unsere Analyse zu Cardano lest ihr hier.

Gemischte Reaktionen auf den Report

Die Defiant-Chefin Laura Shin bezeichnet den Report als “exzellente Story”, auch andere loben Forbes dafür, das Problem zu durchleuchten. Aber auch Kritik ließ nicht lange auf sich warten. Schlecht recherchiert, reines Clickbait, heißt es von der anderen Seite. Ein “exzellentes Stück an Unsinn und Fake News”, sieht der Buchautor Panos darin, und bezeichnet die Autoren gleich als “Idioten.”

Auch der Cardano-Gründer meldet sich zu Wort, Charles Hoskinson, mit einem Witz: “Hey, wir sind alle Krypto-Zombies, laut Forbes. Vermutlich, weil wir ein Gehirn haben.”

Der Kommunikationsdirektor der Litecoin Foundation, Jay Milla, wies gegenüber Unchained die Idee zurück, dass Litecoin eine tote Chain sei. Er verwies auf Daten von Glassnode. Dort sieht man, die Netzwerkaktivität von Litecoin hat die von Bitcoin im vergangenen Jahr mehrfach übertroffen.

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