Greenfield One “Wir investieren sehr aggressiv in Token” – Ein Interview mit Sebastian Blum
Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 6 Minuten

Quelle: Shutterstock, Greenfield One, BTC-ECHO

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Der Krypto-Wagniskapitalgeber Greenfield One aus Berlin wurde 2018 von VC-Veteran Sebstian Blum und Seriengründer Jascha Samadi ins Leben gerufen. Im Dezember hat der VC nun die Auflage eines zweiten Fonds mit einem Zielvolumen von 50 Millionen Euro bekannt gegeben. Das Geld kommt unter anderem von dem Investmentarm des internationalen Medienkonzerns Bertelsmann. Wie konkurrenzfähig die Berliner Krypto-Szene ist, warum der VC auch in Token investiert und welche Themen besonders auf dem Radar von Greenfield One sind, hat uns Sebastian Blum im Interview verraten.

Das Interview ist zuerst in der Januar-Ausgabe des Kryptokompass erschienen.


Warum braucht es überhaupt einen Wagniskapitalgeber, der sich nur auf den Krypto-Space fokussiert? Kann den Job nicht auch ein ganz normales VC machen?

Auf der einen Seite suchen die Kapital-Abnehmer nach Know-how. Da der Krypto-Sektor aber relativ neu ist, braucht es Spezial-Know-how – und das ist in Europa Mangelware. In Asien und den USA haben sich bereits viel früher VCs auf den Krypto-Sektor spezialisiert. Auf der anderen Seite haben wir mit Kryptowährungen einen ganz neuen Bereich geschaffen. Wir versuchen hier eine Plattform für Investoren aufzubauen, auf der wir Investorengelder poolen und das entsprechende Know-how vermarkten. Wir wollen damit einen Eintritt in die völlig neue Assetklasse Kryptowährungen möglich machen.

Die USA sind uns als VC-Standort also deutlich voraus – oder siehst du auch Aspekte, die gegen die USA sprechen?

Die USA haben einen großen Nachteil: die Regulierung. Andere Standorte sind gegenüber Kryptowährungen sehr viel offener. Ein Beispiel ist die Schweiz. Dort haben sich viele Krypto-Stiftungen und -Unternehmen angesiedelt. Auch wenn die Schweiz nicht Teil der EU ist, liegt sie dennoch in Europa und damit innerhalb derselben Zeitzone.

Dass die USA trotzdem dominiert, ist vermutlich historisch bedingt. Es ist einfach ein sehr großer Markt. Traditionell sind die USA auch Vorreiter hinsichtlich Technologie-Unternehmen. Es gibt dort eine hohe Affinität, Innovation zu verbreiten und zu finanzieren. Dazu kommen Skaleneffekte wie größere Fonds und etablierte Partnerschaften.

Und wie würdest du die Konkurrenzfähigkeit der Krypto-Szene in Europa, speziell Berlin, gegenüber der US-amerikanischen einschätzen?

Ich glaube die Konkurrenzfähigkeit der hiesigen Krypto-Szene ist definitiv gegeben. Zwar ist der Unternehmergeist in den USA ausgeprägter als hier. Andererseits ist das auch ein Vorteil. Denn es führt dazu, dass wir uns hier mit Strukturen behelfen, die es in den USA nicht gibt.

Mittlerweile hat Berlin schon ein wahnsinniges Ökosystem für den Krypto-Bereich aufgebaut. Du hast hier mit dem weltweit größten Ethereum Office in Kreuzberg eine absolute Hausnummer. Dazu kommen beispielsweise Parity, Polkadot, Web 3 Foundation, Celo und Cosmos. In Berlin hast du eine unglaublich hohe Konzentration von Entrepreneuren im Krypto-Bereich. Dann sind wir nah an Osteuropa und damit in unmittelbarer Nähe zu einer starken Hacker-Kultur, die aufgrund der aktuellen politischen Situation eher in Westeuropa als in den USA arbeiten möchte. Wir haben hier die Chance zur Schnittstelle einer alternativen, dezentralen Infrastruktur zu werden.

Ihr habt bereits in 2018 einen Krypto-VC Fonds aufgelegt. Worin unterscheidet sich jetzt euer zweiter Krypto-Fonds?

2018 bis 2020 – das ist für einen Fonds noch eine relativ kurze Zeit. Daher sind die Investmentschwerpunkte teils gleich, teils neu. Bei beiden Fonds sind wir aber immer noch in der Infrastruktur-Phase. Es geht also um das Fördern von Basis-Innovationen, weniger um wirklich konsumierbare Produkte. Allerdings ist der neue Fonds wesentlich größer. Wir investieren jetzt auch als Lead Investor mit wesentlich größeren Summen. Das heißt, wir werden jetzt auch sehr viel signifikanter auftreten können in der Investoren-Community.


Investiert ihr dabei nur in Equity oder seid ihr auch Token-Investments gegenüber aufgeschlossen?

Wir sind offen für beide Pfade. Wenn man sich die Investment-Methodiken anschaut, sind das beides sogenannte „Convertibles“, also ähnliche Investmentprodukte. Wir wollen in das Asset investieren, das eine sehr starke Exposition gegenüber Wertzuwachs hat. Dort, wo Wert entsteht, wollen wir investiert sein. Das kann bei Krypto-Netzwerken auch der Token sein. Kurzum: Wir investieren sehr aggressiv in Token.

Ist die Bewertung von dezentralen Projekten nicht besonders schwierig? Glaubst du, dass dies auch viele traditionelle VCs abschreckt in die Krypto-Ökonomie zu investieren?

Das ist natürlich eine der großen Schwierigkeiten. Klar, traditionell sind wir an das Thema Unternehmensbewertung mit Umsatz-Multiplikatoren und anderen klassischen VC-Tools wie Earnings herangegangen. Das kannst du im Krypto-Bereich nicht machen. Denn bei Token-Start-ups hast du einen Token, der zunächst einen Nutzen aber nicht unbedingt einen monetären Wert hat. Token sind ja nicht zwangsläufig Securities. Es gibt aber immer wieder auch Token, die eine Cashflow-nahe Betrachtung möglich machen. Kurzum: Bewertungsthematiken sind in unserer Branche anders und das schreckt natürlich traditionelle VCs eher ab.

Welche Themen findet ihr gegenwärtig besonders spannend im Krypto-Bereich?

Wie gesagt: Aktuell dominiert vor allem das Legen der Infrastruktur. Das können Developer Tools sein, das können zentrale Firmen oder Krypto-Netzwerke sein. Vor allem Privacy ist ein sehr großes Thema aktuell. Ferner sind NFT-basierte Geschäfte immer mehr im Kommen. Wir sind beispielsweise bei Flow investiert. Das ist das Unternehmen hinter CryptoKitties und Top Shots.

Wie bewertest du das Treiben bei DeFi?

Mit 1Inch und ganz aktuell Idle Finance haben wir ja bereit Investments in DeFi gemacht. DeFi ist ein toller Bereich mit guten Investment-Möglichkeiten. Das Jahr war schon klasse.

Die Explosion von Protokollen auf Ethereum haben in 2020 die schiere Innovationskraft der Branche bewiesen. Natürlich hat die Medaille zwei Seiten. Die Frage ist, wie nachhaltig ist das Ganze. Aktuelle Projekte sind einfach noch in einer sehr frühen Marktphase. Natürlich wird es Protokolle geben, die überleben und solche, die es nicht schaffen. Und das ist ja auch das Tolle an DeFi: Hier können kleine Teams Entwicklungen von anderen integrieren und damit ganz schnell zu Marktreife kommen. Rundum: Ich sehe DeFi sehr positiv.

Last but not Least: In welche Krypto-Projekte investiert euer neuer Fonds?

Auch mit unserem neuen Fonds werden wir vor allem in Developerteams, die an den Grundlagen des Web 3.0 arbeiten, investieren. Dabei haben wir einen Fokus auf europäische Teams. Wir sind Lead Investor bei Sovryn. Das ist eine dezentrale Bitcoin Trading- und Lending-Plattform und ermöglicht es Bitcoin-Haltern, DeFi direkt innerhalb des Bitcoin-Ökosystems zu nutzen. Außerdem sind wir in Celo und Vega Protocol investiert. Celo ist eine offene Plattform, die es jedem mit einem mobilen Endgerät ermöglicht, Zugang zu Finanztools zu bekommen. Als Zielmarkt sind hier gerade Emerging Markets, mit zwei Milliarden Menschen, die keinen Zugang zu klassischen Banking haben, im Fokus. Das Team von Vega Protocol entwickelt ein offenes und dezentrales Exchange-Protokoll zum Handel von Margined Derivativen.


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