Ein Blick auf die Onchain Daten 

Wie gesund ist das Ethereum-Netzwerk?

Immer mehr Ether verschwinden von den Börsen und im Staking. Gleichzeitig brechen die Einnahmen der Ethereum Mainchain ein. Onchain-Daten zeigen, wie es um das Netzwerk steht.

Philipp Baumgartner
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Ethereum-Münze vor einer unscharfen Platine mit blauem Licht

Beitragsbild: Shutterstock

| Ethereum notiert 50 Prozent unter dem Allzeithoch, doch auf der Kette hat sich seitdem einiges verschoben.

Wer im Sommer 2025 Ether gekauft und seitdem nicht auf den Kurs geschaut hat, würde heute wenig Aufregendes sehen. Derzeit liegt der Token bei rund 2.480 US-Dollar, also ungefähr am damaligen Einstiegspreis. Der Weg dorthin führte allerdings einmal hoch und wieder zurück. Im August letzten Jahres markierte Ether bei 4.953,73 US-Dollar sein Allzeithoch – und notiert heute rund 50 Prozent darunter.

Am Kurs lässt sich also kaum ablesen, was in den vergangenen vierzehn Monaten passiert ist. Deutlich mehr verraten die Daten auf der Blockchain: über das verfügbare Angebot, die Nutzung der Ether und darüber, wie viel das Netzwerk noch einnimmt.

Das verkaufsbereite Angebot schrumpft

Börsen verwahren die Ether ihrer Kunden in eigenen Wallets. Diese Bestände sind die einzige große Menge, die jederzeit auf den Markt gelangen kann, und werden daher als guter Indikator für das verkaufsbereite Angebot angesehen. Am 8. September verzeichnete CryptoQuant dort 14,7 Millionen Token. Dieser Wert war seit Jahren nicht mehr so gering.

Liniendiagramm der Ether-Bestände auf Kryptobörsen von Januar 2024 bis September 2026, fallend von 21 auf 14,7 Millionen
Rund 6,42 Millionen Ether haben die Börsen seit Juli 2025 verlassen. | Quelle: CryptoQuant

Auffällig ist vor allem, wie gleichmäßig der Abfluss verlaufen ist, denn die Kurve fällt seit Juli 2025 Woche für Woche. Auch dann, wenn der Kurs steigt. Einer der Gründe sind börsennotierte Unternehmen, die Ether als Firmenvermögen halten. BitMine begann im Sommer letzten Jahres mit seinen Käufen. Auf den Börsen wurden im selben Zeitraum 6,4 Millionen abgezogen.

Staking wird immer wichtiger

Wer Interesse an lukrativer Verzinsung hat, kann seine Ether bei Protokollen auch als Sicherheit hinterlegen. Vergangene Woche lagen so 43,1 Millionen Ether fest, gut 35 Prozent aller umlaufenden Token. Diese Anzahl ist beachtlich und der höchste Anteil, den das Netzwerk je erreicht hat.

Flächendiagramm der im Staking hinterlegten Ether nach Anbieter von 2021 bis 2026, durchgehend steigend auf über 43 Millionen
Die gesperrte Menge steigt seit dem Start des Stakings ohne Unterbrechung. | Quelle: Dune Analytics

Auch hier sind die Unternehmen aus dem vorigen Abschnitt zu finden. BitMine hat rund 5,07 Millionen Ether hinterlegt, was gut 85 Prozent seiner Bestände entspricht. Die Token verschwinden damit zweimal aus dem verfügbaren Angebot, erst von der Börse und dann in die Sperre.

Warum Ethereum kaum noch Gebühren einnimmt

Ethereum hat seine Nutzer inzwischen zu großen Teilen auf Layer-2-Netzwerke umgeleitet. Was die Mainchain selbst noch einnimmt, misst eine Kennzahl namens Chain Fees. Sie summiert alles, was Nutzer an einem Tag für Transaktionen auf Ethereum zahlen, bevor das Geld zwischen Verbrennung und Validatoren aufgeteilt wird. Der Verlauf ist eindeutig.

Balkendiagramm der wöchentlichen Gebühreneinnahmen der Ethereum-Hauptkette von 2021 bis 2026, mit Spitzen um 500 Millionen US-Dollar und einem Rückgang auf nahe null ab 2025
Nach jedem Zyklus fielen die Gebühren der Hauptkette tiefer, seit der Abwanderung auf die Layer 2 kommen sie nicht mehr zurück. | Quelle: DefiLlama

Seit März 2024 können die Layer 2 ihre Daten über einen eigenen, sehr billigen Kanal ablegen. Zudem wuchs der Platz pro Block, das Gaslimit, von 30 auf 45 Millionen, und mit dem Update Fusaka im Dezember auf 60 Millionen. Mehr Platz bei gleichbleibender Nachfrage heißt niedrigerer Preis: Eine Transaktion auf der Mainchain kostet heute ein bis zwei US-Cent, in den Spitzen des Jahres 2024 waren es über fünf Dollar.

Ein Teil jeder Gebühr wird vernichtet, die Token verschwinden dauerhaft aus dem Umlauf. Gleichzeitig gibt das Netzwerk neue Ether aus, nämlich die Verzinsung an die Staker. In hektischen Phasen wurde mehr vernichtet als ausgegeben, die Gesamtmenge schrumpfte. Bei ein bis zwei Cent pro Transaktion reicht die Vernichtung nicht mehr, und die Menge wächst wieder.

MVRV zeigt, wie teuer Ether gerade ist

MVRV vergleicht den aktuellen Kurs mit dem Einstand des gesamten Marktes. Jeder Ether im Umlauf hat einen Preis, zu dem er zuletzt den Besitzer wechselte. Rechnet man das über alle Token zusammen, ergibt sich der Durchschnittspreis, zu dem der Markt eingestiegen ist. Ein Wert von 1,0 heißt: Der Kurs entspricht genau diesem Einstand, der durchschnittliche Halter steht bei null. Alles darüber ist Gewinn, alles darunter Verlust.

Ether-Kurs und MVRV-Kennzahl von Oktober 2025 bis September 2026, der Wert fällt von 2,25 auf 1,12 im Juni und steigt bis September auf 1,44
Der Abstand zwischen Kurs und durchschnittlichem Einstand liegt bei 44 Prozent, im Juni waren es 12. | Quelle: Glassnode via TradingView

Derzeit steht der Wert bei 1,44, der Markt liegt also 44 Prozent über seinem Einstand. Im Juni waren es 12 Prozent, vor einem Jahr das Doppelte. Der durchschnittliche Investor war in diesem Zeitraum nie im Verlust, hat aber auch nie den Rausch erlebt, der frühere Zyklen beendet hat.

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