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Ausblick Wie geht es mit dem Bitcoin-Lightning-Netzwerk weiter?

Wie es um das Lightning-Netzwerk aktuell steht und wie es sich zukünftig entwickeln könnte, erfahrt ihr im letzten Artikel unserer Beitragsreihe zum Thema Bitcoin Lightning.

Jonas Gross
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Bitcoin

Beitragsbild: Shutterstock

| Wir ziehen Bilanz: Wie steht es um das Bitcoin-Lightning-Netzwerk aktuell?

Bitcoin wird nicht über Nacht zu einem gängigen Zahlungsmittel, zumal es bis dato nur wenige Akzeptanzstellen gibt. Dafür braucht es vor allem die richtige Infrastruktur. Diese Infrastruktur entwickelt sich rund um das Bitcoin Lightning Netzwerk. Lightning macht Bitcoin fit für den Alltag. Dabei wächst das Lightning-Netzwerk kontinuierlich. Im letzten Teil unserer Reihe zum Lightning Netzwerk werfen wir anhand öffentlich verfügbarer Daten einen Blick auf den Status Quo des Netzwerks in Charts, Statistiken und Visualisierungen. Wo steht Lightning heute und wie entwickelt sich das Netzwerk?

Hier entlang zum ersten, zweiten, dritten, vierten und fünften Artikel der Beitragsreihe zum Thema Bitcoin Lightning.

Lightning Nodes, Zahlungskanäle und Kapazitäten

Aufbau einer neuen Infrastruktur

Lightning hat als Zahlungsnetzwerk bereits eine kritische Masse an Liquidität und Nutzbarkeit erreicht. Die grundlegenden Elemente des Netzwerks können durch drei Elemente beschrieben werden: Lightning Nodes, Zahlungskanäle und Kapazität. 

Lightning Nodes sind die Infrastrukturbetreiber und bekommen jeweils eine eigene einzigartige Identität innerhalb des Netzwerks zugewiesen. Nur Nodes sind in der Lage, Transaktionen abzuwickeln. Ihre Anzahl ist seit den frühen Tagen des Netzwerks stetig gewachsen, wenn auch mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Nach einer Phase des langsamen Wachstums zwischen 2019 und 2021 begann sich das Wachstum im Frühjahr 2021 zu beschleunigen. Im März 2022 erreichte die Zahl der Lightning Nodes einen vorläufigen Höchststand von über 20.000 Nodes weltweit (siehe Abbildung 1). Heute sind es etwa 17.000 Nodes, was in etwa einer zahlenmäßigen Verdoppelung im Laufe des letzten Jahres entspricht.

Da das Netzwerk ein sehr dynamisches Konstrukt ist, variiert ihre Anzahl täglich. Der Grund dafür ist schlicht, dass die Node-Besitzer – wo immer sie sich auf der Erde befinden – aus verschiedenen Gründen ihre Nodes an- und abschalten.

Abbildung 1: Das Wachstum der Lightning Nodes von 2018 bis 2022. Quelle: Bitcoin Visuals

80.000 Zahlungsverbindungen und ein globales Netzwerk

Zwischen Nodes werden Zahlungskanäle mittels einer Bitcoin-Blockchain-Transaktion etabliert (siehe Artikel 2). Durchschnittlich besitzt jede Node zehn Zahlungskanäle mit anderen Nodes (Stand 14.11.2022). Auch auf Netzwerkebene ist eine ähnliche Entwicklung zu beobachten. Bereits mehr als 80.000 solcher Verbindungen wurden zwischen regelmäßigen Transaktionspartnern (Nodes) eröffnet. Jeder einzelne Kanal ist in der Lage, eine unbegrenzte Anzahl an Zahlungen abzuwickeln. Lediglich die Liquidität in den Zahlungskanälen limitiert die Fähigkeit, Zahlungen beliebig oft zu tätigen. Die Lightning-Zahlungskanäle weltweit sind in Abbildung 2 visualisiert.

Abbildung 2: Die Interkonnektivität des globalen Lightning Netzwerks. Quelle: Mempool.space

Durchschnittliche Kapazitäten und ihre Grenzen

Damit Bitcoin-Nutzer auch in der Lage sind, ihre Alltagszahlungen über Lightning abzuwickeln, ist eine ausreichende Liquidität im Netzwerk notwendig. Diese drückt sich auf individueller Ebene durch die Kapazität eines Zahlungskanals aus. Sie gibt an, welches maximale Volumen Zahlungen annehmen dürfen. Aktuell hat ein Zahlungskanal im globalen Schnitt eine Größe von ca. 6,5 Mio. Satoshis, also in etwa 1.000 Euro (Stand 14.11.22, Amboss.space).

Zu berücksichtigen ist, dass besonders aktive und meist professionell betriebene Lightning Nodes mehrere hundert bis tausend Kanäle unterhalten, während Nodes von Privatpersonen meist nur einige wenige Kanäle aufweisen. So entsteht eine Netzwerktopologie mit leistungsstarken Nodes und “Satelliten-Nodes”. Dieser extreme Unterschied wird auch in Zahlen deutlich: Der kleinste Zahlungskanal ist lediglich 1.100 Satoshis (etwa 0,21 Euro) groß, während der größte ein Volumen von rund 14 Bitcoin (etwa 224.000 Euro) umfasst.

Addiert man alle aktiven Zahlungskanäle, so erreicht das Netzwerk eine Kapazität von derzeit rund 5.200 Bitcoin (etwa 90 Millionen Euro). Die Entwicklung der Kapazität über die Zeit ist in Abbildung 3 dargestellt.

Abbildung 3: Die Entwicklung der Anzahl an Bitcoin im Lightning-Netzwerk. Quelle: LookIntoBitcoin

Die Anzahl an Bitcoin, die sich aktuell bereits im öffentlichen Lightning Netzwerk befindet, ist verhältnismäßig noch gering, wenn man bedenkt, dass tagtäglich Zahlungen im Milliarden US-Dollar-Bereich über die Bitcoin-Blockchain abgewickelt wird. Allerdings deutet viel auf weiteres substanzielles Wachstum hin. Grundsätzlich erlaubt Lightning, die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes im Bitcoin-System signifikant zu erhöhen.

Vom Wachstum des Netzwerks profitieren

Allgemein bekannt ist, dass das Bitcoin-Ökosystem ein offenes Netzwerk ist. Gleiches gilt natürlich auch für das Bitcoin-Zahlungsnetzwerk. Lediglich eine Lightning-Wallet muss gewählt, heruntergeladen und eingerichtet werden, um die Teilnahme zu ermöglichen (siehe Artikel 2). 

Weniger bekannt ist, dass man auch als Privatperson aktiv etwas zum Ausbau der Infrastruktur beitragen kann. Denn wer eine Node aufsetzt und einige Zahlungskanäle eröffnet, kann durch die Weiterleitung (sog. Routing) von Zahlungen Gebühren verdienen. Beispielsweise leitet man dann Zahlungen von El Salvador nach Nigeria weiter und erwirtschaftet so – ohne zu wissen, wer die involvierten Parteien sind – einen Ertrag für die Bereitstellung der Liquidität.

Dass die Aktivitäten zur Bereitstellung von Liquidität immer professioneller werden, zeigt sich auch an Marktplätzen wie MAGMA. Der Lightning-Marktplatz ermöglicht es, Liquidität von gut vernetzten Lightning-Knoten zu kaufen. Im Durchschnitt erhalten die Verkäufer einen Zinssatz von 3,3 bis 3,6 Prozent. Das Bemerkenswerte daran ist, dass ein solcher Marktanreiz, getrieben durch das Verhalten einzelner Teilnehmer, zum organischen Wachstum des Netzwerks beiträgt und die Liquidität dort konzentriert wird, wo sie am meisten gebraucht wird. All dies funktioniert, ohne dass sich die jeweiligen Parteien kennen.

Investitionen in Lightning-Firmen nehmen Fahrt auf

Lightning Labs, das für die Entwicklung der meistverbreiteten Lightning-Implementierung bekannt ist, hat jüngst 70 Millionen US-Dollar in einer Series-B-Finanzierungsrunde eingeworben. Auch Voltage, ein Lightning-Infrastruktur-as-a-Service-Anbieter, hat in einer Seed-Finanzierungsrunde, die unter anderem von Google Ventures begleitet wurde, rund 6 Millionen US-Dollar eingesammelt.

Die Tatsache, dass Venture-Capital-Fonds auf die Lightning-Technologie setzen – und Infrastruktur-Firmen mit Millionen von Dollar unterstützen – stützt die Annahme, dass ein Krypto-Winter der Branche die Chance bietet, Transaktionskapazität aufzubauen, sich zu fokussieren und erfolgreiche Projekte zu verwirklichen.

Bedeutung der Infrastruktur wächst

Lighting Labs hat jüngst einen Vorschlag zur Entwicklung des Taro-Protokolls bekannt gegeben, mit dem Personen ohne Bankkonto über mobile Apps Geld in Form von Stablecoins senden und empfangen könnten, die ihrer heimischen Fiat-Währung entsprechen. Auch Pandora Core arbeitet mit RGB an einer ähnlichen Lösung.

Von besonderer Bedeutung ist es auch deshalb, weil das Lightning-Netzwerk somit immer mehr zum Infrastruktur-Netzwerk wird und Nutzer in Zukunft gar nicht bemerken, wenn eine Fiat-Transaktion eigentlich über das Bitcoin-Ökosystem abgewickelt wird. 

Doch auch in weniger innovativen Anwendungsfällen findet das Lightning-Netzwerk Verwendung. Während Lightning Labs sich auf die Optimierung des globalen Zahlungsverkehrs konzentriert, hat die Trading-Plattform Robinhood Lighting als Lösung entdeckt, um die Gebühren für ihr neues Krypto-Angebot zu verringern.  Zunehmend mehr Firmen finden somit Vorteile darin, die Technologie und das Netzwerk als Infrastruktur für sich nutzbar zu machen.

Fazit

Was als Verbund weniger Nodes begann, hat sich von einem kleinen Netzwerk zu einem globalen Netzwerk für den Werteaustausch entwickelt. Zunehmend mehr Lightning Nodes werden in Betrieb genommen, die durch Zahlungskanäle täglich besser miteinander vernetzt sind. Abseits von Bastlern und Early Adoptern klinken sich erste Unternehmen in das Netzwerk ein – sei es von der Anwenderseite oder von der Infrastrukturseite.

Podcast

Es ist anzunehmen, dass durch die organische Entwicklung des Netzwerks eine hohe Resilienz entsteht – genauso wie es beim antifragilen Bitcoin-Netzwerk der Fall ist. Insofern darf erwartet werden, dass das Lightning-Netzwerk anhand von Nodes, Interkonnektivität und Liquidität in den kommenden Jahren weiter rapide wachsen wird. Dadurch wird immer mehr Menschen einen unbeschränkten Austausch von Bitcoin-Beträgen ermöglicht.

Über die Autoren

Yannic Fraebel ist Geschäftsführer der App-Learning GmbH. Er hat seinen Master in Wirtschaftsinformatik an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in München gemacht. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Bitcoin, Cybersecurity und Ökonomie. Weiterhin ist Yannic Advisor bei der Blockchain Founders Group AG (BFG) und ehemaliger Mentor des DeFi Talents Program.

Dr. Jonas Groß ist Head of Digital Assets and Currencies der etonec GmbH. Jonas hält einen Doktortitel in Economics der Universität Bayreuth und seine Hauptinteressengebiete sind digitale Zentralbankwährungen, Stablecoins, Kryptowährungen und Geldpolitik. Darüber hinaus ist Jonas Vorsitzender der Digital Euro Association (DEA), Co-Host des Podcasts “Bitcoin, Fiat, & Rock’n’ Roll” und Mitglied des Expert Panels des European Blockchain Observatory and Forum.

Denis Scheller ist Senior Manager Bitcoin Suisse Pay bei Bitcoin Suisse. Denis hat einen Abschluss in Internationaler Betriebswirtschaftslehre von der Dualen Hochschule Mannheim (Deutschland) und ist seit vielen Jahren im Zahlungsverkehr und E-Commerce tätig. Bei Bitcoin Suisse Pay hilft Denis beim Aufbau einer Krypto-Zahlungsinfrastruktur. Er interessiert sich für Makroökonomie und wie Bitcoin und Lightning-Technologie eine gerechtere Gesellschaft ermöglichen können.

Prof. Dr. Philipp Sandner hat das Frankfurt School Blockchain Center (FSBC) gegründet. Von 2018 bis 2021 wurde er von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) als einer der “Top 30”-Ökonomen ausgezeichnet. Er war Mitglied im FinTechRat und dem Digital Finance Forum des Bundesministeriums der Finanzen. Er ist zudem im Verwaltungsrat bei dem FiveT Fintech Funds, bei 21e6 Capital und bei der Blockchain Founders Group – Unternehmen, die im Bereich Venture Capital für Blockchain Start-ups und Asset Management von Krypto-Assets aktiv sind.

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