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Schritt für Schritt Wie kann ich mit Bitcoin Lightning bezahlen?

Das Lightning Netzwerk ebnet Bitcoin den Weg in Richtung Massenadoption. Doch wie nutzt man das Netzwerk? Eine Anleitung.

Jonas Gross
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Bitcoin Lightning Netzwerk (Symbolbild)

Beitragsbild: Shutterstock

| Das Bitcoin-Lightning-Netzwerk könnte zum ernsthaften Konkurrenten für herkömmliche Zahlungssysteme werden.

Wie im ersten Teil unserer Artikelserie erläutert, ermöglicht das Lightning-Netzwerk kostengünstige Echtzeit-Zahlungen. Typischerweise muss zur Tätigung einer Zahlung lediglich über eine entsprechende Anwendung ein QR-Code gescannt werden. Die Durchführung und Abwicklung der Zahlung erfolgt dann in der Regel innerhalb weniger Sekunden – ähnlich wie bei digitalen Zahlungen heute. Im Rahmen dieses Beitrags geben wir eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie man über das Lightning-Netzwerk eine Zahlung tätigen kann.

Lightning-Wallet-Einrichtung

In einem ersten Schritt muss eine Lightning-Wallet auf das Smartphone oder den Computer heruntergeladen und dort eingerichtet werden. Die Einrichtung einer Lightning-Wallet ist relativ intuitiv und sehr ähnlich zu der Einrichtung einer Self-hosted Krypto-Wallet. Bei einer Self-Hosted Bitcoin-Wallet ist man selbst im Besitz seines Private Keys. Im Gegensatz dazu haben bei Hosted Wallets Drittparteien, wie Krypto-Börsen, Zugang zum Private Key. Häufig werden Hosted Wallets auch als Custodial Wallets bezeichnet. 

Inzwischen gibt es eine Vielzahl an Lightning-Wallet-Anbietern, wie beispielsweise Zeus, Bluewallet, Phoenix oder Breeze. Im Folgenden schauen wir uns die Phoenix-Wallet näher an. Die Einrichtung ist sehr intuitiv und dauert nur wenige Minuten:

  1. Nach Herunterladen der App aus dem App Store, klicke in der App auf “Create new wallet”.
  2. Anschließend ist die App bereit, um Zahlungen zu empfangen. Klicke dazu auf “Receive”.
  3. Bitte beachte, dass die erste empfangene Zahlung mindestens 10.000 Satoshis (0,0001 BTC) betragen muss. 
  4. Da es sich bei der App um eine Self-hosted Wallet handelt, ist man selbst für das Sichern bzw. Speichern der Seed Phrase verantwortlich. Beim Klicken auf “Recovery Phrase” wird die Seed Phrase angezeigt. Die Seed Phrase ist zur Generierung des Private und des Public Keys notwendig. 

Wichtig ist, dass es sich bei der Phoenix-Wallet um eine Self-Hosted Wallet handelt: Man ist selbst im Besitz der Seed Phase und des Private Keys und für diese ganz allein verantwortlich. Speziell für Lightning muss auch der Status der offenen Kanäle gesichert werden, um Zugang zu den Kanälen befindlichen Geldern zu erhalten. Seed Phrase, Private Key sowie die Sicherung der Kanäle dürfen nie aus den Händen gegeben werden und müssen für Dritte unzugänglich aufbewahrt werden. Es ist besonders wichtig, diese an einem Ort aufzubewahren, der nicht mit dem Internet verbunden ist, um Hackerangriffe zu vermeiden.

Abbildung 1: Einrichtung der Lightning-Wallet

Einzahlung in Lightning-Wallet

Im nächsten Schritt muss Geld auf das Lightning-Wallet eingezahlt werden. Hierfür transferiert man Bitcoins von seinem Self-Hosted Bitcoin-Wallet oder seinem Konto bei Dienstleistern wie Coinbase, Binance etc., auf das eingerichtete Lightning-Wallet. Dabei muss man über die Bitcoin-Wallet lediglich die Lightning Empfängeradresse eingeben (z.B. über einen QR-Code-Scan) und die Zahlung per Signierung durch den Private Key autorisieren.

Aus Sicherheitsgründen sollte man einige Bestätigungen der Bitcoin-Blockchain abwarten (typischerweise 6 Bestätigungen = 60 Minuten), um sich der finalen Abwicklung der Einzahlung sicher sein zu können. Solltet ihr noch keine Bitcoins besitzen, so bieten euch manche Wallets wie z.B. das Bluewallet oder Bison die Möglichkeit, Bitcoin direkt aus der App z.B. per Kreditkarte oder Banküberweisung zu kaufen. Eine andere Möglichkeit ist, Bitcoins zu verdienen, z. B. durch Spenden oder Value-4-Value-Ansätze. Dies ermöglicht euch einen einfachen Einstieg in die Welt der Lightning-Zahlungen. 

Eröffnung eines Zahlungskanals und Einzahlung

Als nächstes eröffnet man einen Zahlungskanal mit dem Transaktionspartner. Wenn man beispielsweise einen Kaffee mit Lightning bezahlen möchte, kann man einen Zahlungskanal mit dem Restaurant/Cafe eröffnen. Zahlungskanäle sind für Lightning essenziell, um schnelle und kostengünstige Bitcoin-Zahlungen durchführen zu können. Anstatt alle Zahlungen über die Blockchain on-chain durchzuführen, werden Zahlungen über die entsprechenden Zahlungskanäle bilateral und off-chain durchgeführt und nicht auf die Blockchain geschrieben. Dadurch können Transaktionskosten gespart und Wartezeiten verringert werden. 

Im Rahmen der Eröffnung des Channels wird Geld in den Zahlungskanal eingezahlt. Dieser Schritt wird auch als Funding Transaction bezeichnet. Das eingezahlte Geld steht im Anschluss für Zahlungen innerhalb des Zahlungskanals zur Verfügung. Bei der Einzahlung handelt es sich um eine On-Chain-Transaktion, weshalb der Empfänger Bestätigungen der Bitcoin-Blockchain zur finalen Zahlungsabwicklung abwarten sollte. So können Double-Spends verhindert werden. 

Lightning-Zahlung

Nachdem das Geld eingezahlt ist, können innerhalb des Zahlungskanals Transaktionen untereinander durchgeführt werden. Im Beispiel kann dann ein Kaffee per Lightning bezahlt werden. Hierfür fordert das Restaurant/Cafe eine Zahlung an und stellt eine sogenannte Lightning Invoice aus. Dies kann in Form eines QR-Codes sein, welcher über die Phoenix-Wallet gescannt wird. Im Anschluss muss die Zahlung nur noch in der App bestätigt werden. Danach berichtet die App über eine erfolgreiche Zahlungsdurchführung. 

Fazit

Die Einrichtung einer Lightning-Wallet dauert im Durchschnitt wenige Minuten; erstmalige Einzahlungen auf Lightning-Wallet und Zahlungskanal nur jeweils ca. eine Stunde. Nachdem Liquidität im Wallet und Zahlungskanal verfügbar ist, können Zahlungen über Lightning untereinander und in Echtzeit durchgeführt werden. Die Hauptvorteile von Lightning kommen dann gänzlich zum Vorschein: Schnelle Zahlungen zu geringen Transaktionsgebühren. Dies ist besonders wichtig, wenn man kleinere Beträge (z.B. für eine Tasse Kaffee) bezahlen möchte (mehr zu Lightning Anwendungsfällen in einem späteren Artikel).

In der Praxis muss nicht mit jedem der Lieblingscafés ein Lightning-Kanal eröffnet werden. Anstatt einen neuen Kanal zu öffnen, leiten die jeweiligen Lightning-Wallets das Geld durch das Netzwerk der verfügbaren Kanäle an das gewünschte Ziel. Das Routing hängt von der Liquidität und der Verteilung auf Nodes ab, die den Zahlenden und den Zahlungsempfänger verbinden. Um eine hohe Anzahl erfolgreicher Transaktionen und eine hohe Netzwerkzuverlässigkeit zu gewährleisten, sollten die Teilnehmer des Lightning Netzwerkes nicht unbedingt die Routing-Gebühren minimieren. Sogenannte „egoistische Routing-Strategien“ entziehen Kanälen Kapazität und könnten letztendlich zu einer reduzierten Anzahl von Zahlungen führen, die vom Lightning-Netzwerk verarbeitet werden können.

Nach dieser intuitiven Schritt-für-Schritt-Anleitung fragt ihr euch vielleicht, wie genau Lightning technisch funktioniert? Mehr dazu erfahrt ihr in unserem dritten Artikel der Serie.

Über die Autoren

Dr. Jonas Groß ist Head of Digital Assets and Currencies der etonec GmbH. Jonas hält einen Doktortitel in Economics der Universität Bayreuth und seine Hauptinteressengebiete sind digitale Zentralbankwährungen, Stablecoins, Kryptowährungen und Geldpolitik. Darüber hinaus ist Jonas Vorsitzender der Digital Euro Association (DEA), Co-Host des Podcasts “Bitcoin, Fiat, & Rock’n’ Roll” und Mitglied des Expert Panels des European Blockchain Observatory and Forum. Sie können Jonas über jonas@etonec.com erreichen.

Jonathan Knoll ist Gründer und Geschäftsführer der etonec GmbH. Er verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der #Payment & #Banking- und #Blockchain-Branche und arbeitete für innovative Unternehmen wie Sun Microsystems, PayPal/eBay und Libra/Diem, wo er Head of Strategic Partnerships war. Bei etonec freut er sich darauf, Lösungen an der Schnittstelle von Krypto, Payments & Banking sowie Regulierung zu entwickeln. Jonathan ist erreichbar unter jonathan@etonec.com.

Denis Scheller ist Senior Manager Bitcoin Suisse Pay bei Bitcoin Suisse. Denis hat einen Abschluss in Internationaler Betriebswirtschaftslehre von der Dualen Hochschule Mannheim (Deutschland) und ist seit vielen Jahren im Zahlungsverkehr und E-Commerce tätig. Bei Bitcoin Suisse Pay hilft Denis beim Aufbau einer Krypto-Zahlungsinfrastruktur. Er interessiert sich für Makroökonomie und wie Bitcoin und Lightning-Technologie eine gerechtere Gesellschaft ermöglichen können. Ihr erreicht Denis unter denis.scheller@bitcoinsuisse.com.

Die Autoren bedanken sich für die großartige Unterstützung und das Feedback von René Pickhardt. Seine Insights und Kommentare waren für die Verwirklichung dieses Artikels unerlässlich.

Der Originalartikel ist auf der Homepage von etonec erschienen.

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