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Im Alltag 5 Möglichkeiten, wie du Bitcoin Lightning heute nutzen kannst

Im fünften Teil der Artikelserie über Bitcoin Lightning stellen sich unsere Gastautoren die Frage, inwiefern die blitzschnelle Technologie für Endverbraucher alltagstauglich ist.

Jonas Gross
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Bitcoin Lightning

Beitragsbild: Shutterstock

Nachdem sich die ersten Teile der Artikelserie mit den Grundlagen des Lightning-Netzwerks und industriellen Anwendungsfällen von Bitcoin Lightning beschäftigt haben, werden in diesem Artikel Retail-Anwendungsfälle für private Endnutzer thematisiert. Der Fokus liegt dabei auf Anwendungsfälle rund um Zahlungen im Einzelhandel, in der Gastronomie, im E-Commerce, sowie Spenden, grenzüberschreitende Zahlungen und Streaming Payments. Auch die finanzielle Inklusion spielt dabei eine Rolle.

Die Vorteile von Zahlungen über das Lightning Netzwerk liegen primär in der hohen Transaktionsgeschwindigkeit, der direkten Bestätigung und Abwicklung von Zahlungen sowie marginalen Transaktionsgebühren (siehe Artikel 1). Da Transaktionen nicht über die Bitcoin-Blockchain laufen, ist Lightning nicht nur kostengünstig, sondern auch skalierbar. Dadurch sind Anwendungen mit Kleinstbeträgen (“Nano-Payments”) und einer hohen Anzahl an Transaktionen technisch effizient abbildbar. Nutzer können über das Lightning Netzwerk grundsätzlich vollkommen unabhängig von Banken und anderen Intermediären Werte rund um die Uhr final transferieren. Im Folgenden stellen wir einige dieser Anwendungen beispielhaft vor.

Dies ist der fünfte Teil unserer Lightning-Artikelreihe. Hier entlang geht es zum erstenzweitendritten und vierten Teil der Serie.

1. Zahlungen im Einzelhandel und der Gastronomie

Zahlungsmittel, die im Einzelhandel und der Gastronomie eingesetzt werden, müssen zu Stoßzeiten eine große Anzahl an Transaktionen schnell und zuverlässig abwickeln – skalierbare Zahlungen sind hier unerlässlich. Diese Anforderungen erfüllen Zahlungen über das Lightning-Netzwerk und sorgen in Verbindung mit geringen Transaktionsgebühren dafür, dass Zahlungen mit Bitcoin von Händlern, Gastronomen und Endkunden mehr und mehr nachgefragt werden.

Somit kann man heute technisch bereits sowohl der morgendliche Kaffee als auch das Mittagessen beim Lieblingsitaliener effizient und kostengünstig für Händler und Kunden per Lightning bezahlen. Allerdings muss die Gegenpartei eben auch Lightning-Zahlungen anbieten. Dies ist heute noch nicht breitflächig gegeben. Dennoch zeigen Neuigkeiten beispielsweise rund um die Einführung von Lightning-Zahlungen in der CashApp mit über 40 Millionen aktiven Nutzern und die Akzeptanz von Lightning Zahlungen in allen Läden des zweitgrößten südafrikanischen Einzelhändler PicknPay, dass sich die Akzeptanz von Lightning-Zahlungen dynamisch entwickelt.

2. Zahlungen im E-Commerce

Der Bezahlprozess von Online-Shops ist heute dahingehend optimiert, um Kunden zu einem Kaufabschluss zu motivieren. Verfügbare Bezahlmethoden spielen dabei eine wichtige Rolle. Online-Shops haben daher ein großes Interesse daran, eine breite Auswahl an Zahlungsalternativen anzubieten. Das Bezahlen mit Bitcoin spricht neue – typischerweise jüngere – Kundengruppen an, die bereits heute Bitcoin besitzen. Hierbei sind insbesondere Lightning-Zahlungen hervorzuheben, weil diese bereits heute eine vergleichbare User Experience wie gängige Bezahlmethoden (z.B. Kreditkarten) bieten.

Neben der User-Experience ist eine sofortige Zahlungsbestätigung auch ein wesentliches Mittel zur Risikominimierung von Händlern. Zahlungen mit schneller Zahlungsbestätigung reduzieren das Gegenparteirisiko, was letztendlich zu geringen Kosten für den Händler und typischerweise auch für den Kunden führt. 

Zusätzlich zu klassischen E-Commerce Zahlungen nutzen einige Webseiten (z.B. substack) eine Lightning-Paywall. Diese gibt Herstellern die Möglichkeit, den Zugriff auf ihre Inhalte gegen eine Bitcoin Lightning-Zahlung zugänglich zu machen. Solche Webseiten profitieren durch die Monetarisierungsoption von einer wachsenden Zahl an Herstellern, die Inhalte auf der Webseite veröffentlichen möchten. Das wachsende Angebot von Inhalten führt wiederum dazu, dass mehr Traffic auf die Webseite geleitet wird, der monetarisiert werden kann.

3. Spendenzahlungen und grenzüberschreitende Zahlungen

Erste internationale Hilfsorganisationen sehen in der Akzeptanz von Lightning-Zahlungen die Möglichkeit, schnell und effizient Spendengelder einzusammeln. Lightning wird heute unter anderem von Unicef, SOS Kinderdorf Liechtenstein und Child’s Dream genutzt, um Online-Spenden einzusammeln.

Neben der Option, Spenden aufzubringen, bietet Lightning auch die Möglichkeit, Gelder in entfernte Regionen oder Krisengebiete direkt und rund um die Uhr zu senden. Somit hat Lightning das Potenzial, in Zukunft auch in großem Maße für grenzüberschreitende Zahlungen genutzt zu werden. Laut Weltbank belaufen sich die Gebühren von grenzüberschreitenden Zahlungen im Durchschnitt auf 6 Prozent des Transaktionsbetrags. Zudem dauert die Zahlungsdurchführung typischerweise mehrere Tage. Transaktionen über Lightning hingegen kann man fast umsonst in Echtzeit tätigen.

4. Finanzielle Inklusion

Bitcoin und das Lightning-Netzwerk sind offene Systeme, an denen jeder mit einem Smartphone und einer Wallet (siehe Artikel 2) teilhaben kann. Einstiegshürden aufgrund von aufwändigen Know-Your-Customer-Prozessen (“KYC”) existieren nicht. Projekte wie Bitcoin Beach in El Salvador oder Bitcoin Ekasi in Südafrika nutzen Bitcoin, um sozial benachteiligte Personen vor Ort zu fördern und Zugang zu einem unabhängigen Finanzsystem zu ermöglichen.

Podcast

5. Streaming Payment Anwendungen

Ein weiterer Anwendungsfall von Lightning sind Streaming Payments. Darunter versteht man Zahlungen, die man nicht einmalig, sondern wiederkehrend, beispielsweise während der Nutzung, abwickelt. Dazu zählen Zahlungen für die Musik- oder Videonutzung, gemessen am “Konsum”. Dies steht im Gegensatz zu Monatspauschalen wie z.B. ein Netflix-, Apple Music oder Kindle-Abonnement. Unter dem Stichwort “Podcasting 2.0” lassen sich schon heute Lightning-Zahlungen für die Unterstützung von Podcasts nutzen. So kann man beispielsweise während des Hörens eines Podcasts “Value-for-Value” Mikro-Zahlungen pro gehörter Minute tätigen. Dies ist möglich, da man via Lightning Mikrozahlungen effizient tätigen kann, was mit heutigen Bezahlmethoden nicht möglich ist.

Die Zukunft mit Bitcoin Lightning

Das Bitcoin-Netzwerk wird kontinuierlich weiterentwickelt, um neue Funktionalitäten und Anwendungen zu ermöglichen. Das Projekt “RGB” von Pandora Core möchte skalierbare Smart Contracts für Bitcoin und Lightning ermöglichen. Eine Smart Contract Funktionalität auf Bitcoin-Basis ermöglicht dezentralisierte Finanzapplikationen. Durch Lightning können somit vielseitige Finanzdienstleistungen auf Basis von Bitcoin entwickelt werden. Das Projekt “Taro” von Lightning Labs arbeitet daran, digitale Güter auf der Bitcoin Blockchain zu tokenisieren, die im Anschluss über das Lightning-Netzwerk transferiert werden können. So könnte man zum Beispiel Stablecoins – wie etwa ein digitaler Euro auf der Blockchain – als digitales Gut zukünftig über Lightning transferieren. Hier können Sender und Empfänger von der Stabilität der vertrauten (Fiat-)Währung, der Sicherheit des Bitcoin-Netzwerks, sowie von einem sofortigen Settlement und günstigen Transaktionsgebühren von Lightning profitieren. In diesem Fall wäre eine schnelle Adoption für Zahlungsanwendungen erwartbar.

Fazit

Bezahlungen über das Lightning Netzwerk bieten heutzutage kostengünstige Zahlungen, die man innerhalb von Millisekunden final an jeden Ort der Welt schicken kann. Sie stellen folglich einen alltäglichen Mehrwert bereit. Die Nutzung des Lightning-Netzwerks unterscheidet sich regional. Während man das Lightning Netzwerk in einigen Ländern für Überweisungen in Drittstaaten bereits intensiv nutz (z.B. grenzüberschreitende Zahlungen), findet Lightning in Europa erst allmählich Einzug in den täglichen Bezahlprozess in Geschäften oder im Online-Handel. 

Die Adoption geht heute auf zwei Wegen vonstatten. Auf der einen Seite erkennen innovative Firmen das Potenzial der Technologie und bieten ihren Kunden Lightning-Zahlungen ohne Mittelsmann auf Basis von frei verfügbaren Open-Source Lösungen an. Auf der anderen Seite gibt es professionelle Zahlungsabwickler (sogenannte Acquirer, wie zum Beispiel Worldline Global), die das Bezahlen mit Lightning heute bereits vollständig als Zahlart für ihre Händler integriert.

Wir gehen davon aus, dass die Adoption des Lightning Netzwerkes in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird, sobald die Mehrwerte und Anwendungsmöglichkeiten einer breiten Bevölkerung bewusst werden. Parallel erwarten wir – ähnlich wie bei der Entwicklung des Internets – dass die technische Komplexität vollständig abstrahiert und durch intuitives UX-Design die Eintrittsbarrieren abgebaut werden.

Über die Autoren

Denis Scheller ist Senior Manager Bitcoin Suisse Pay bei Bitcoin Suisse. Denis hat einen Abschluss in Internationaler Betriebswirtschaftslehre von der Dualen Hochschule Mannheim (Deutschland) und ist seit vielen Jahren im Zahlungsverkehr und E-Commerce tätig. Bei Bitcoin Suisse Pay hilft Denis beim Aufbau einer Krypto-Zahlungsinfrastruktur. Er interessiert sich für Makroökonomie und wie Bitcoin und Lightning-Technologie eine gerechtere Gesellschaft ermöglichen können.

Dr. Jonas Groß ist Head of Digital Assets and Currencies der etonec GmbH. Jonas hält einen Doktortitel in Economics der Universität Bayreuth und seine Hauptinteressengebiete sind digitale Zentralbankwährungen, Stablecoins, Kryptowährungen und Geldpolitik. Darüber hinaus ist Jonas Vorsitzender der Digital Euro Association (DEA), Co-Host des Podcasts “Bitcoin, Fiat, & Rock’n’ Roll” und Mitglied des Expert Panels des European Blockchain Observatory and Forum.

Jonathan Knoll ist Gründer und Geschäftsführer der etonec GmbH. Er verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Payment, Banking- und Blockchain-Branche und arbeitete für innovative Unternehmen wie Sun Microsystems, PayPal/eBay und Libra/Diem, wo er Head of Strategic Partnerships war. Bei etonec freut er sich darauf, Lösungen an der Schnittstelle von Krypto, Payments und Banking sowie Regulierung zu entwickeln.

Yannic Fraebel ist Geschäftsführer der App-Learning GmbH. Er hat seinen Master in Wirtschaftsinformatik an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in München gemacht. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Bitcoin, Cybersecurity und Ökonomie. Weiterhin ist Yannic Advisor bei der Blockchain Founders Group AG (BFG) und ehemaliger Mentor des DeFi Talents Program.

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