Knapp 5 Prozent musste Frankreich Anfang Oktober für zehnjährige Anleihen bieten, der höchste Stand seit 2002. Der Aufschlag zur Bundesanleihe stieg in der Spitze auf über 150 Basispunkte, so viel wie seit Ende 2011 nicht mehr. Nur geht es dieses Mal nicht um Griechenland, sondern um die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone.
Wie nervös ihn das auf einer Skala von eins bis zehn macht? “Man könnte schon fast sagen 11”, antwortet Andreas Lipkow, der seit über 30 Jahren an den Finanzmärkten aktiv ist. Die Euro-Staaten hätten seit der ersten Euro-Krise strukturell kaum etwas reformiert und die Niedrigzinsphase genutzt, um noch mehr Schulden aufzubauen. Die Rechnung landet am Ende beim Bürger.
Euro-Krise: Wie lange kann die EZB noch zuschauen?
In einer Währungsunion sollten Deutschland und Frankreich eigentlich nahezu die gleiche Bonität haben. Ein wachsender Spread sei deshalb “so eine Art Riss im Papier”, sagt Lipkow. Dazu kommt die Refinanzierung. Kredite, die einst zu Mini- oder Negativzinsen aufgenommen wurden, müssen jetzt deutlich teurer umgeschuldet werden. Bei einer Schuldenquote von rund 120 Prozent könnte die Zinslast im kommenden Jahr auf über 90 Milliarden Euro steigen.
Die EZB hat die Zinsen in diesem Jahr zweimal angehoben, der Einlagesatz liegt bei 2,5 Prozent, die Inflation zuletzt bei 3,2 Prozent. Das Rettungsinstrument TPI ist wegen des hohen französischen Defizits nur eingeschränkt einsetzbar. Und auf eine Neuauflage von Mario Draghis “Whatever it takes” sollte niemand setzen. “Das würde heute verpuffen”, sagt Lipkow. Die Bazooka-Rhetorik habe ihren Überraschungseffekt verloren. “Das Ding ist durch.”
Warum Bitcoin zuerst verkauft wird
Kurzfristig bedeutet das Gegenwind für Bitcoin. Höhere Zinsen ziehen Liquidität ab, und kaum ein Asset lässt sich so schnell und rund um die Uhr zu Geld machen wie Krypto. In der Krise flüchten Investoren zudem in den US-Dollar, gestützt von der militärischen Macht der USA. “Dann wird ein Flugzeugträger hingeschickt und die Sache wird dann so geregelt”, beschreibt Lipkow die nüchterne Logik der Märkte. Wenn es um Risikoabbau geht, dann fliegen Kryptowerte als erstes aus dem Portfolio.
Womöglich braucht es an den Märkten erst eine stärkere Korrektur, bevor die Notenbanken wieder lockern und neue Liquidität Bitcoin den Weg über 100.000 US-Dollar ebnet. Anders sähe es aus, wenn eine geopolitische Entspannung den Inflationsdruck senkt, allen voran über einen fallenden Ölpreis. Dann könnte Bitcoin auch ohne vorherigen Rücksetzer neuen Rückenwind bekommen.
Wie Andreas Lipkow den Ausweg aus der Schuldenfalle einschätzt und welche Folgen das für Bitcoin hat, seht ihr jetzt im ganzen Video auf unserem YouTube-Kanal.


