Überwachung 3.0 CBDC: Wie China die Blockchain nutzen möchte, um die Bevölkerung zu unterdrücken
Daniel Hoppmann

von Daniel Hoppmann

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Ein Mast mit Überwachungskameras, daneben weht eine chinesische Flagge.

Quelle: Shutterstock

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China gilt als Vorreiter im Bereich der digitalen Zentralbankwährungen. Neuste Erkenntnisse lassen jedoch erahnen, warum viele Chinesen teuer für den E-Yuan bezahlen müssen.

Dass China im Bereich der Blockchain-Technologie zu den führenden Nationen weltweit gehört, ist kein Geheimnis. So gehen von den gigantischen Mining Farmen des Reichs der Mitte knapp zwei Drittel der globalen Bitcoin Hash Rate aus. Auch im Bereich der digitalen Zentralbankwährungen (CBDC) erfüllt das Land eine Pionierrolle. So liefen in China in der Vergangenheit mehrere Lotterien, um die nationale CBDC zu testen. Dabei erhielten Bürger geringe Beträge der digitalen Währung und konnten diese anschließend bei mehreren Akzeptanzstellen ausgeben. Um die Adoption weiter zu steigern, stellte die Bank of China (BoC) Geldautomaten auf, die es Bürgern erlaubt, E-Yuan ein- und auszuzahlen sowie Fiatwährungen gegen das digitale Pendant zu tauschen.

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Langfristig möchte China den E-Yuan wohl zum zentralen Zahlungsmittel des Landes machen. Doch Kritiker bemängeln schon länger die damit verbundenen Risiken, vor die die chinesische Bevölkerung damit gestellt werde. Diese Bedenken verstärkten sich, als ein Vertreter der BoC verkündete, dass eine Anonymisierung des digitalen Yuan “keine Option” darstelle.

E-Yuan: Ein Wolf im Schalfspelz?

Das China wenig bis gar nichts von der Privatsphäre seiner Bürger hält, ist weitgehend bekannt. Neben der Einflussnahme auf eigentlich autonome Gebiete, wie etwa Tibet oder die Innere Mongolei, oder der Verfolgung der überwiegend muslimischen Bevölkerung Xinjiangs, den Uiguren, steht China auch für die Einführung des “Social Credit Systems” (SCS) in der Kritik. Seit 2014 arbeitet das Land an der Umsetzung eines datengestützten, digitalen Überwachungs-, Erfassungs- und Ratingsystems, das Privatpersonen, Staatsbedienstete, Unternehmen, Organisationen und Verbände einstuft und bewertet. Schlechtes Verhalten wird sanktioniert – vorbildliches profitiert. Ein wahr gewordener orwellianischer großer Bruder.

In Kombination mit dem SCS würde der E-Yuan Peking weitere Instrumente in die Hand geben, um den chinesischen Überwachungsstaat auszubauen. Denn das Zahlungsmittel ist nur unter den Bürgern anonym. Die chinesischen Behörden können jederzeit nachvollziehen, wer was wann wo gekauft hat. Und damit nicht genug: Neben der Überwachung seiner Bürger könnte China, als Verwahrer und Verwalter der E-Yuan-Wallets, auch darüber entscheiden, wer was wann kaufen darf. Gestern bei Rot über die Ampel gegangen? Dann gibt es heute kein Bier am Späti nebenan.

Rainer Hahn, der seit über 20 Jahren in Asien lebt, beobachtet diese Entwicklung mit Sorge. Gegenüber BTC-ECHO erläuterte er, dass die Auswirkungen des E-Yuan auf das Punktesystem in China erheblich wären, da dadurch das Geld an Systemtreue geknüpft werde. In diesem Falle sei das Ziel der Zentralbank nicht nur die vollständige Kontrolle über die Bürger, sondern auch die Gewährleistung der Systemkonformität.

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Auch auf Twitter machen sich Sorgen breit. So schreibt der Nutzer “BTC Batman”, dass China “diese Art von Szenarien bereits mit Social Credit und Gesichtserkennung getestet” habe. Mit CBDC könne die Zentralregierung diese Kontrolle auch ohne die Notwendigkeit von Gesichtserkennungs-Systemen aufrechterhalten.

Darüber hinaus behauptet Yaya Fanusie, stellvertretender Partner des US-Thinktanks CNAS, gegenüber dem Wall Street Journal, dass China plane, E-Yuan eine Art Verfallsdatum zu verpassen, wodurch sie nach einem bestimmten Zeitraum wertlos würden.

Wie Chinas Verfallssystem funktioniert

Gegenüber BTC-ECHO erklärte Rainer Hahn, wie genau dieses Verfallssystem zu verstehen ist:

Der Test mit der Lotterie in China hat an eine bestimmte Anzahl von Menschen jeweils rund 25 US-Dollar “verlost”, die innerhalb eines definierten Zeitraums verbraucht werden müssen. Wird dieser Betrag innerhalb dieses Zeitraums nicht verbraucht, so wird der offene Betrag einfach von der “Wallet” gelöscht. […] Das Thema mit dem Verfallsdatum kann man mit Gutscheinen vergleichen.

Yaya Fanusie wird sogar noch spezifischer. Dadurch, dass China die Gültigkeit der Yuan reguliere, könne dies auch Auswirkungen auf nationale sowie internationale Unternehmen haben. Da Chinas erklärtes Ziel die Abschaffung des Bargelds sei, könne Peking seine Unternehmen dazu zwingen, E-Yuan als einziges Zahlungsmittel zu akzeptieren. Ausländische Firmen wären dann gezwungen, ihre Währung in E-Yuan umzutauschen und ebenfalls unter die Kontroll- und Überwachungsfittiche der chinesischen Regierung zu geraten. Ob sich dieses Szenario bewahrheitet, bleibt bisher jedoch abzuwarten.

China schreitet mit rasantem Tempo in den Entwicklungen des E-Yuan voran. Obwohl das technologische Fortschritte für das Land bedeutet, bezahlen viele Chinesen gleichzeitig mit einem Gut, das nicht in Geld aufzuwiegen ist – ihrer Freiheit.

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