"Eine undurchdachte Idee" 

Krypto-Steuer: Welche Vorteile die Abschaffung der Haltefrist hätte

Die Krypto-Steuerfreiheit steht unter Beschuss. Die Abschaffung der Haltefrist könnte aber auch neue Chancen eröffnen. Wir haben einen Experten befragt.

Dominic Döllel
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Ein paar vergoldete Bitcoin-Münzen vor einem Aktenordner mit der Aufschrift Krypto-Steuern.

Beitragsbild: picture alliance / CHROMORANGE | Udo Herrmann

| Müssen Bitcoin-Investoren bald Gewinne versteuern?

Die einjährige Haltefrist für Bitcoin steht unter politischem Druck. Sie entscheidet bislang darüber, ob Gewinne steuerfrei bleiben oder als privates Veräußerungsgeschäft gelten. Eine Reform würde dieses Prinzip aufheben; die Debatte hat sich zuletzt deutlich verdichtet. Unter anderem, weil die SPD immer wieder die Abschaffung der Krypto-Steuerfreiheit fordert. Gegenüber BTC-ECHO hat die finanzpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Frauke Heiligenstadt, Vorteile einer Reform erklärt. Doch können Investoren wirklich davon profitieren? Wir haben einen Krypto-Steuerexperten befragt.

Kritik wegen steuerlicher Ungleichbehandlung

Mit der aktuellen Praxis behandelt das Bundesfinanzministerium Kryptowährungen im Privatvermögen als “andere Wirtschaftsgüter”. Verkäufe innerhalb eines Jahres unterliegen der Einkommensteuer. Nach Ablauf dieser Frist entfällt die Steuerpflicht in der Regel. Diese Sonderstellung unterscheidet Krypto von klassischen Kapitalanlagen wie Aktien. Eben hieran gibt es regelmäßig Kritik vonseiten der SPD.

In ihrem Antrag verweist die Partei auf die ungleiche Behandlung dieser verschiedenen Anlageklassen. Ziel sei es, “Innovation zu ermöglichen und gleichzeitig für Steuergerechtigkeit und Transparenz im Umgang mit Krypto-Werten zu sorgen”. Das erklärt Frauke Heiligenstadt auf unsere Anfrage.

Vorteil für den Staat: Krypto-Steuereinnahmen in Milliardenhöhe

Neben der Frage der Gleichbehandlung spielen die Steuereinnahmen eine zentrale Rolle. Eine Studie von Blockpit spricht von Milliardenbeträgen an potenziellen Steuereinnahmen, die nicht realisiert werden.

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“Das finde ich ungerecht”, erklärte Dr. Co-Pierre Georg bei einer öffentlichen Anhörung im Finanzausschuss – auf Einladung der Partei Die Linke. Er verglich die entgangenen Steuereinnahmen mit staatlichen Ausgaben für das Deutschlandticket oder Bürgergeldzahlungen. Die Botschaft: Wer in Krypto investiert, profitiert zu stark. “Wir müssen diesen Sonderweg verlassen”, so Georg weiter.

Bei einer Abschaffung der Haltefrist hätte der Staat Steuereinnahmen in Milliardenhöhe.

Vorteil für Investoren: Möglichkeit der Verlustverrechnung

Laut der SPD-Politikerin Heiligenstadt kann die Abschaffung der Haltefrist aber auch Vorteile für Investoren haben, wie sie gegenüber BTC-ECHO erklärt: “Gewinne aus der Veräußerung von Krypto-Werten sollten ebenfalls der Kapitalertragsteuer unterliegen.” Eine solche Gleichbehandlung mit Zinsen und Dividenden könne aus Sicht der SPD auch Vorteile für Krypto-Anleger bringen, etwa durch die Möglichkeit der Verlustverrechnung.

Krypto-Steuerexperte Werner Hoffmann mahnt bei diesem Vorschlag zur Vorsicht. Auf unsere Anfrage erklärt der Gründer des Steuerdienstleisters Pekuna: “Hier kommt es auf die genaue Ausgestaltung an. Wir reden hier schließlich über eine Idee, die noch sehr undurchdacht ist – und nicht über einen konkreten Gesetzesentwurf.”

Wer bei der Krypto-Steuererklärung alles richtig machen will, sollte vor allem auf eine lupenreine Dokumentation achten. Die Tracking-Tools von Blockpit können hier eine Menge Stress ersparen.

Und weiter: “Ein Vorteil, den Österreich seinen Bürgern vermitteln wollte, ist die automatische Abgeltung über die Kapitalertragssteuer. Das würde bedeuten, dass Exchanges Gewinne berechnen und die Steuer direkt abführen – eine vermeintliche Erleichterung. Ähnlich wie beim Aktienhandel, bei dem sich Anleger nicht selbst um Steuern kümmern müssen, da dies die Bank übernimmt”, so Hoffmann.

In der Praxis zeige sich jedoch: Gerade im Aktienbereich führe das bei Depotüberträgen oft zu Problemen, da Anschaffungskosten korrekt erfasst werden müssen.

Vorteil für Investoren: Trader müssen nichts befürchten

Hoffmann erklärt, welche Investoren-Gruppe die größten Vorteile von einer Reform der Krypto-Steuer hätte. “Vor allem Trader profitieren. Besonders Memecoin-Spekulanten hätten Vorteile”, so der Experte. Immerhin würde sich bei einer Abschaffung der Haltefrist nicht viel für Trader ändern.

Memecoin-Trader kaufen und verkaufen ständig – oft innerhalb von Stunden oder Tagen. Damit greifen sie ohnehin nie die einjährige Haltefrist. Jeder Trade ist bereits heute ein steuerpflichtiges Ereignis. Ob die Haltefrist existiert oder nicht, macht für sie daher praktisch keinen Unterschied.

Vorteil für Staat und Investoren: Effizientere Krypto-Steuererklärung

Das bestehende System verlangt eine detaillierte Dokumentation jeder Transaktion. Anschaffungszeitpunkt, Kostenbasis, Wallet-Zuordnung und Veräußerungserlös müssen exakt erfasst werden. Die Haltedauer ist dabei ein entscheidender Faktor.

Fällt diese Komponente weg, reduziert sich die Komplexität zumindest in einem Punkt. Steuerpflicht entsteht dann unabhängig von zeitlichen Schwellen. Das vereinfacht die Logik, auch wenn die Dokumentationspflicht bestehen bleibt. In Kombination mit standardisierten Meldedaten – mit Inkrafttreten der DAC8-Regulierung geschieht das bereits – oder KI-Systemen, könnte die Finanzverwaltung Transaktionen künftig effizienter prüfen. Auch für Investoren wäre das ein kleiner Vorteil.

Fazit: Mehr Nachteile als Vorteile für Krypto-Investoren

Die Abschaffung der einjährigen Haltefrist schafft sowohl für Investoren als auch für den Staat Vorteile. Doch die Nachteile überwiegen massiv, vor allem für die Anleger. Denn: Langzeitinvestoren profitieren in den meisten Fällen von Bitcoins Rendite, das zeigen verschiedene Analysen. Der potenzielle Vorteil einer Verlustverrechnung entfällt also.

Welche weiteren Nachteile die Abschaffung der Haltefrist für Krypto-Investoren bedeutet, haben wir ebenfalls mit dem Krypto-Steuerexperten Werner Hoffmann erörtert. Diesen Artikel findet ihr in einigen Tagen bei btc-echo.de.

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