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Wegen MiCA Warum Stablecoins aus Europa verschwinden könnten

Die MiCA-Verhandlungen sind in vollem Gange. Darin zeichnet sich ein düsteres Bild für Stablecoins in der EU ab.

Daniel Hoppmann
 |  Lesezeit: 4 Minuten
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EU-Parlament

Beitragsbild: picture alliance/dpa | Philipp von Ditfurth

Stablecoins sind für das Krypto-Ökosystem unerlässlich. Rund 12 Prozent machen die wertstabilen Kryptowährungen an der gesamten Marktkapitalisierung aus. Durch ebenjene Wertstabilität sind die Einsatzmöglichkeiten im volatilen Umfeld des Marktes vielfältig, vom Handel über Zahlungen bis hin zur Vermögensabsicherung.

Von den Regulatoren der Europäischen Union werden die wertstabilen digitalen Münzen in der derzeit diskutierten MiCA-Verordnung aber nur stiefmütterlich behandelt. Grundsätzlich soll die Regulierung einen Rechtsrahmen für den Krypto-Sektor schaffen. Im Trilog diskutieren EU-Rat, Parlament und die Kommission über eine einheitliche europäische Linie. Mitunter geht es um die Lizenzierung von Dienstleistern, die Aufsicht der Marktteilnehmer sowie die Behandlung von Stablecoins.

Lizenzpflicht für Anbieter von Stablecoins

Grundsätzlich sollen sich Anbieter von Stablecoins um eine Lizenz in der EU bemühen und sich unter Aufsicht europäischer Behörden stellen. Darüber hinaus schreiben die Institutionen verschiedene Verpflichtungen vor, wie die Einreichung eines Whitepapers, Rückgaberechte, betriebliche Verpflichtungen und Kapitalreserven. Zudem soll die Europäische Zentralbank ein Veto-Recht beim Autorisierungsprozess erhalten. Konzepte wie unbesicherte algorithmische Stablecoins, wie der zuletzt kollabierte TerraUSD (UST), wären damit von europäischen Kryptobörsen verbannt.

Zinsverbot auf Stablecoins

Viel schwerer wiegt jedoch ein drohendes Zinsverbot auf Stablecoins in der EU. Demnach dürften Emittenten und Krypto-Anbieter im europäischen Raum Inhabern der wertstabilen Token auf die Haltedauer keine Zinsen mehr gewähren. Die Tage, in denen Anleger zweistellige Zinsbeträge durch das Staken von Stablecoins wie Tether (USDT) oder USD Coin (USDC) generieren könnten, wären damit gezählt. Mit den Maßnahmen will der Staatenbund erreichen, dass wertstabile Kryptowährungen als Tauschmittel und nicht als Wertspeicher verwendet werden, schreibt etwa das EU-Parlament in ihrem MiCA-Entwurf.

Schwellenwerte für Transaktionen

Weiter sollen Schwellenwerte für Stablecoins eingeführt werden, die “mehrheitlich als Zahlungsmittel” verwendet werden. Anbieter, die ein tägliches Transaktions- beziehungsweise Handelsvolumen überschreiten, sollen die Emission neuer Token stoppen und Aufsichtsbehörden binnen 40 Tagen ein Konzept vorstellen, wie diese Volumina unter die entsprechenden Schwellenwerte herabgesenkt werden können.

Der Rat definiert dieses Limit auf eine Million Transaktionen pro Tag respektive 200 Millionen Euro täglichem Handelsvolumen. Die Kommission empfiehlt 2,5 Millionen tägliche Transaktionen beziehungsweise fünf Milliarden Euro tägliches Handelsvolumen.

In der Praxis gibt es zwar bereits einige Beispiele, in denen Stablecoins auch aktiv als Zahlungsmittel verwendet werden, die genannten Schwellenwerte erreicht zum heutigen Stand jedoch kaum ein Coin. Perspektivisch könnten diese Limitierungen Anbieter von Stablecoins in einem dynamischen Finanzmarkt wie dem Kryptosektor dennoch von einer EU-Lizenz abschrecken, meinen Branchenexperten.

Experten schlagen Alarm

Patrick Hansen sieht den Regulierungsvorstoß der EU kritisch. Auf Twitter schrieb der Krypto-Experte:

Aus diesen zwei Gründen, kann ich mir nicht vorstellen, dass viele Anbieter sich um eine EU-Lizenz bemühen werden. Sie würden sich bei der Emission von der Gnade der EU abhängig machen. Dazu wäre die Attraktivität von Stablecoins gemindert, wenn Krypto-Dienstleister keine Rendite mehr anbieten können.

Phillip Sandner glaubt, dass europäische Kryptonutzer einfach auf Börsen außerhalb der EU-Lizenzierung ausweichen werden. Das Thema Stablecoins sei zum Politikum innerhalb des Staatenbundes geworden, so der Professor von der Frankfurt School of Finance & Management im Gespräch mit BTC-ECHO.

Der Regulierungsansatz der EU zu Stablecoins ist meines Erachtens mit erheblichen Risiken für die Krypto-Ökonomie in Europa verbunden – von Schwellenwerten für Transaktionen bis hin zu dem Entfall von Verzinsungen aufs Staking.

Aus dem EU-Parlament versucht man derweil zu beruhigen. Das Abgeordnetenbüro Berger erklärte bezüglich der Schwellenwerte gegenüber BTC-ECHO:

Gerne möchten wir aber auch unterstreichen, dass es sich bei diesem Papier zunächst nur um ein formell nicht verabschiedetes Diskussionspapier der Kommission handelt; die Verhandlungen laufen noch und dieser konkrete Punkt ist noch nicht diskutiert worden.

Würden die Regelungen jedoch durchgesetzt, dürften Emittenten von Stablecoins sich in näherer Zukunft vor ein Dilemma gestellt sehen. Entweder sich um eine Lizenz unter Branchen-schädigenden Bedingungen bemühen oder gänzlich den Zugriff auf den europäischen Markt verlieren.

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