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Krieg, Inflation und Lockdowns Was die drohende Rezession für Bitcoin und den Krypto-Space bedeutet

Krieg in der Ukraine, anziehende Inflationsdaten und nun auch noch ein erneuter Lockdown in der Hightech-Metropole Shenzhen. Die Zeichen einer wirtschaftlichen Rezession verdichten sich zunehmend.

Nicola Hahn
 |  Lesezeit: 5 Minuten
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New York City Skyline

Quelle: Shutterstock

Immer häufiger hört man, dass die großen Volkswirtschaften dieser Welt kurz vor einer Rezession stehen. Doch was ist das eigentlich? Im ökonomischen Sinne spricht man von einer Rezession, wenn sich die Wirtschaft im Abschwung befindet. Genauer: Eine Rezession tritt genau dann ein, wenn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen im Vergleich zu den jeweiligen Vorjahresquartalen nicht wächst – oder gar zurückgeht. Auch wenn sich beispielsweise die USA noch nicht offiziell in einer Rezession befinden, so verdichten sich die Anzeichen hierfür zunehmend.

Trübe Konjunktur-Aussichten

Der ZEW-Index, ein Barometer für die wirtschaftliche Entwicklung der nächsten sechs Monate in Deutschland, fiel im März um 93,6 auf minus 39,3 Punkte. Das ist gleichzeitig der stärkste Rückgang seit Beginn der Experten-Umfrage im Dezember 1991.

Eine Rezession wird immer wahrscheinlicher. Der Ukrainekrieg und die Sanktionen gegen Russland verschlechtern den wirtschaftlichen Ausblick für Deutschland ganz erheblich. Die einbrechenden Konjunkturerwartungen gehen einher mit extrem steigenden Inflationserwartungen. Die Expertinnen und Experten gehen daher von einer Stagflation in den kommenden Monaten aus. Die Verschlechterung des Ausblicks betrifft praktisch alle Branchen der deutschen Wirtschaft, vor allem aber die energieintensiven Bereiche und den Finanzsektor.

ZEW-Präsident Prof. Achim Wambach, Quelle: ZEW

Laut dem Mannheimer Institut sind die Erwartungen stark zurückgekommen und liegen mittlerweile auf einem ähnlichen Niveau wie im Sommer 2019. Besonders der Ukraine-Krieg und die Sanktionen gegen Russland stellen viele Unternehmen vor große Herausforderungen. Probleme in den Lieferketten sowie steigende Rohstoffpreise scheinen die aktuelle Situation zu verschärfen.

Zero-Tolerance-Politik – Shenzhen macht dicht

Als wäre die aktuelle Situation nicht schon inflationstreibend genug, kommt nun auch noch hinzu, dass China einen weiteren Lockdown in Shenzhen veranlasst hat. Das Brisante: In Shenzhen befinden sich zahlreiche Produktionsstandorte der großen Tech-Konzerne. Zu Beginn der Woche musste beispielsweise Foxconn, der größte Zulieferer Apples, seine gesamte Produktion stoppen. Der Lockdown soll zunächst eine Woche andauern. Ein Ende ist bislang nicht in Sicht. Damit dürften die ohnehin schon strapazierten Lieferketten weiter belastet werden. Infolgedessen könnte es zu weiteren Lieferengpässen, vor allem im Hightech- und Elektronikbereich, kommen. Summa summarum nicht gerade Inflations-lindernd.

Rezession: Fed und EZB in der Sackgasse

Dass sich die Wachstumsaussichten massiv eintrüben, wird insbesondere am Rentenmarkt (Anleihe-Markt) deutlich. Immer häufiger wird dabei von einem Abflachen der Zinskurve gesprochen. Was bedeutet das? Im Folgenden eine kurze Erklärung: In Abbildung 1 ist die Differenz (Spread) zwischen zehnjährigen und zweijährigen US-Staatsanleihen abgebildet. Fällt diese Kurve, so spricht man davon, dass die Zinsstrukturkurve flacher wird, da die Zinsen für kürzer laufende Anleihen steigen. Ein Abtauchen unter die schwarze Linie impliziert eine inverse Zinsstrukturkurve. Diese war in der Vergangenheit immer ein zuverlässiger Indikator für eine Rezession. Wie sich unschwer erkennen lässt, ist die Zinskurve in den USA in den vergangenen Wochen stark gefallen und nicht mehr weit davon entfernt zu invertieren.

Yield curve
Abbildung 1: Zinskurve, Quelle: St. Louis Fed

Normalerweise ist es so, dass eine Zentralbank in einer Rezession den Leitzins senkt, was im Prinzip bedeutet, dass Geld in den Markt fließt. Das Problem: Der Leitzins in den USA ist bereits auf historisch niedrigem Niveau (siehe Abbildung 2). Wie weit die Fed in einem solchen Umfeld die Zinsen also tatsächlich anheben kann, dürfte hoch spannend werden.

Leitzins Fed
Abbildung 2: Leitzins der Fed, Quelle: St. Louis Fed

Sowohl die Fed als auch die EZB scheinen sich also mittlerweile in eine Sackgasse manövriert zu haben. Davon ist auch Gunther Schnabl, Professor für Wirtschaftspolitik und internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Universität Leipzig und Leiter des Instituts für Wirtschaftspolitik, überzeugt:

Da Inflation das Wachstums dämpft, haben sich beide Zentralbanken in eine Sackgasse manövriert: Hohe Inflation geht mit geringem Wachstum einher. Diese sogenannte Stagflation macht beide Volkswirtschaften verwundbar für Schocks wie die Ukraine-Krise. Die Tatsache, dass die anhaltend lockeren Geldpolitiken den Anstieg der Staatsverschuldung begünstigt haben, macht das Dilemma noch größer.

Gunther Schnabl gegenüber BTC-ECHO

Eine sogenannte Stagflation wäre wahrscheinlich das Worst-Case-Szenario. Wer wissen möchte, was es damit auf sich hat und was dies für den Bitcoin bedeutet, der sollte sich unbedingt den folgenden Kommentar von unserem Chefredakteur Sven Wagenknecht anschauen:

Kommt die Entkopplung von Bitcoin und Co.?

Noch korreliert der gesamte Kryptomarkt stark mit den Technologieindizes wie beispielsweise dem Nasdaq 100 oder den Technologie-Highflyern aus dem Ark-Invest-Universum. Die große Hoffnung ist, dass es hier zu einer zunehmenden Entkopplung des gesamten Kryptomarktes kommt. Ein Wunschszenario wäre zum Beispiel, dass der Bitcoin sich ähnlich wie Gold in der stagflationären Phase der 1970er-Jahren entwickeln würde. Zwischen 1970 und 1980 explodierte der Goldpreis von rund 36 US-Dollar je Feinunze auf über 600 US-Dollar je Feinunze im Jahr 1980.

Fazit

Eine Rezession wird also zunehmend wahrscheinlicher. Falls die kurzfristigen Zinsen weiter steigen, während die langfristigen stagnieren oder weniger stark steigen, dürfte dies in absehbarer Zeit zu einer inversen Zinsstrukturkurve führen. Dazu kommt ein Krieg in der Ukraine, der eindeutig inflationäre Auswirkungen auf den Rohstoff- und Energiemarkt hat und ein weiterer Lockdown in einer der wichtigsten Hightech-Metropolen Chinas. Insgesamt also ein toxischer Cocktail für die Märkte.

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